Dienz Zithered

von Christof Dienz

€ 20,10
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Label: GECO Tonwaren
Format: CD
Genre: Electronic/Dance
Umfang: 24 Tracks, Gesamtspielzeit 96:54 Min.
Erscheinungsdatum: 07.11.2005

Rezension aus FALTER 45/2005

Zithern ohne Zittern

Christof Dienz war Fagottist in der Staatsoper und acht Jahre lang der Chef der Avantgarde-Volksmusikformation Die Knödel. Nun spielt der bekennende AC/DC-Fan in Clubs von New York bis Berlin mit der Zither auf.

Wenn man mit Christof Dienz über seine Profession plaudert, dann könnte man meinen, es mit einer leicht schizophrenen Persönlichkeit zu tun zu haben. Der heute 37-Jährige hat beim Fagott-Gott Milan Turkovic studiert und nebenbei im alten Flex mitgearbeitet, danach hat er in der Staatsoper musiziert und im Wuk Konzerte veranstaltet. Nach seiner Lieblingsmusik befragt, nennt er zuerst einmal die frühen AC/DC mit Bon Scott. Im nächsten Atemzug folgen die Avantgardekomponisten Beat Furrer und Georg Friedrich Haas.

Wenn Dienz dann auch noch forsch behauptet, die zeitgenössische Avantgarde ziemlich auswendig zu kennen, dann muss man ihm auch das glauben: Er spielt schließlich immer wieder im Ensemble Modern mit und komponiert auch selbst im E-Bereich - mit einem durchaus pragmatischen Ansatz: "Ich mach halt das, was ich aufgetragen bekomm." Zuletzt hat er ein Stück für 64 Bläser und fünf Schlagzeuger für die Klangspuren in Schwaz abgeliefert.

Der Tiroler, der seit 16 Jahren in Wien lebt, hat aber auch Musik geschrieben, die vielen ein Begriff ist, ohne gleich seinen Namen damit zu assoziieren: Dienz war nämlich Chef der Knödel, die eine imaginäre Volksmusik jenseits des Alpin-Pops eines Hubert von Goisern machte. Das apart instrumentierte Oktett existierte von 1992 bis 2000 und hat sich für seinen musikalischen Leiter "maximal ausgezahlt": Bis heute bringen die von ihm komponierten Knödel-Stücke fette Tantiemen, weil sie als Hintergrundmusik bei Radio- und Fernsehbeiträgen sehr beliebt sind. Eine andere wichtige Einnahmequelle - Dienz hat eine Familie mit drei Kindern zu ernähren - ist neuerdings die Filmmusik, wo auch was übrig bleibt. Zuletzt hat er den Film "Spiele Leben" von Antonin Swoboda beschallt. Und das war nach dem "Dritten Mann" der zweite Soundtrack, der ausschließlich aus Zitherklängen besteht.

Dem Instrument, das Anton Karas international bekannt machte, gehört seit drei Jahren auch die große Leidenschaft des geborenen Innsbruckers. Seit er 2002 - ebenfalls für die Klangspuren Schwaz - ein Stück für Zither solo komponierte, hat ihn der Charme des etwas randständigen Saiteninstruments nicht mehr losgelassen. Weil die Uraufführung aufgrund von technischen Problemen mit dem Loopgenerator scheiterte, beschloss Dienz damals, fortan einfach selbst in die Saiten zu greifen - allerdings ohne den Anspruch, das Instrument je beherrschen zu wollen. "Ich kann definitiv nicht Zither spielen", gibt er unumwunden zu, "aber das macht auch den Reiz und den Spaß für mich aus. Dadurch hab ich keinen Stress, etwas technisch können zu müssen." Also klopfe und klimpere er darauf herum "wie ein kleines Kind" und erzeuge so "handgestrickte, pseudoelektronische Musik".

Dieser infantile Zugang hat ihn allerdings nicht daran gehindert, allein mit der Zither und einem Loopgerät in so renommierten Clubs wie der Knitting Factory in New York oder dem Tacheles in Berlin auf der Bühne zu sitzen. Einer der letzten Auftritte führte ihn sogar nach Texas zum Rockfestival South by Southwest, wo in vier Tagen 1350 Bands auftraten. Dienz kam bei der Kritik gut weg, auch wenn eine Rezensentin meinte, dass er bei seinem Auftritt weniger einem Rockstar geglichen habe als einem Ingenieur, der an einer seltsamen Maschine herumbastelte.

Tatsächlich spielt die Technik eine entscheidende Rolle, wenn Dienz seinem eigens präparierten Instrument nicht nur mit seinen Fingerspitzen, sondern auch mit Stimmgabeln, Holzstäben und Flaschenhälsen Töne entlockt. Mithilfe seines Loopgenerators, den der Zitherdilettant ziemlich perfekt im Griff hat, erzeugt er einander überlagernde Klangschleifen, die zugleich den Sound und die Rhythmen der Musik strukturieren. Mitunter können diese durch Improvisieren hervorgegangenen Stücke ganz schön funky daherkommen, einen soliden Gundgroove haben fast alle. Phasenweise klingen sie allerdings auch nach etwas statischer Minimal Music, die Steve Reich für ein mechanisches Slide-Gitarren-Trio geschrieben haben könnte. Nachzuhören ist das bisherige Zither-Werk des professionellen Dilettanten seit kurzem auch auf einer Doppel-CD. Während auf der ersten Hälfte Dienz mit purer Zither-Loop-Musik zu hören ist, gibt es auf der zweiten Remixes von Freunden und Bekannten wie Rupert Huber, Bernhard Lang oder DSL, die mit den ohnehin schon "remixed" klingenden Originalen noch einmal ziemlich unkonventionell umgegangen sind.

Dass er von "Zithered" wohl eher nicht so richtig große Mengen verkaufen wird, ist dem Musiker schlicht und einfach "wurscht". Gigs in Europa zu kriegen, sei hingegen recht leicht. Dienz ist es dabei nur recht, dass die Auftritte eher im U- als im E-Kontext stattfinden, zumal seine Zithermusik in Clubs auch besser funktioniere. "Und außerdem kann man danach noch gemütlich ein Bier trinken." Zumindest in diesem Punkt hat sich die multiple musikalische Persönlichkeit eindeutig gegen den sogenannten Hochkulturbetrieb entschieden. "Ich hab ja immer wieder mitgekriegt, unter welchen Problemen und welchem Stress die Leute dort leiden. Da kann ich nur sagen: ,Freunde, entspannt euch! Weil, es ist ja nur Kunst.'"

in FALTER 45/2005 vom 11.11.2005 (S. 62)

Set 1
  Song-Titel Interpret
1.  Number one 3:56 Dienz
2.  Around the bush 3:27 Dienz
3.  Tapping to hell 3:47 Dienz
4.  Mein bike 2:34 Dienz
5.  Seelenbaumel 5:06 Dienz
6.  Das Bing 2:50 Dienz
7.  From tak till dawn 5:15 Dienz
8.  Überflieger 5:33 Dienz
9.  Heavy seven 3:45 Dienz
10.  Weekend 6:37 Dienz
Set 2
  Song-Titel Interpret
1.  Number one 4:32 Dienz / Strbl, Hannes
2.  Der Entendieb 3:07 Dienz / Huber, Rupert
3.  Snaketrip 4:46 Dienz / Taylon, Cay
4.  Der dritte Mann von Solta 4:06 Dienz / Greiner, Hubl
5.  Summer haze 3:48 Dienz / Mt Floyd
6.  Ratack till dawn 3:23 Dienz / Wiget, Bo
7.  Mein bike zithiert 4:45 Dienz / Martinek, Christian
8.  Sliding the bush around 3:33 Dienz / Haller, Andi
9.  Bike 4:05 Dienz / Brandlmayr, Martin
10.  Das Bong 2:49 Dienz / Louis 2000
11.  Fr33 3:42 Dienz / Watson, Tom
12.  The scythe 3:46 Dienz / Lang, Bernhard
13.  Feld 9 4:08 Dienz / Argetti, Luigi
14.  From privat exile 3:34 Dienz & Dsl

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