Poplawok

von Der Schwimmer

Derzeit nicht lieferbar

Label: Lindo
Erscheinungsdatum: 06.10.2006

Rezension aus FALTER 42/2006

Nach dem englischen "Perfect Sunday" (2004) kehrt Klaus Tschabitzer mit seinem dritten Schwimmer-Album zurück zum steirischen Dialektgesang. Der stille Meister des Heimwerkerpopschaffens spielt mit der Sprache, wobei Wehmut und Humor sehr gut miteinander auskommen. Die Musik ist leicht schummrig und verwackelt, wirkt in ihrer bewussten Eigenwilligkeit aber nie forciert verschroben oder gar abweisend. Die Gitarre mag es zärtlich bis schrammelig, die Orgel schnurrt, elektronische Klangbeigaben passen gut dazu, und in "Owi Geih" wird diese gelungene Exotica-Version des Austropop gar mit Grüßen vom Straßenfest in New Orleans garniert.

Gerhard Stöger in FALTER 42/2006 vom 20.10.2006 (S. 64)


Rezension aus FALTER 41/2006

Der Dialekt-Rebell

Der Schwimmer zeigt auf "Poplawok", wie Elektronik mit steirischem Dialekt harmonieren kann.

Auch Burt Lancaster ist ein Schwimmer. In dem Streifen "Der Schwimmer" aus dem Jahre 1966 entschließt sich Lancaster als vom Schicksal gebeutelter Vorstädter an einem Sommermorgen, durch die Pools eines elitären Vorstadtbezirks von Conneticut nach Hause zu schwimmen. Bei seinem situationistischen Ausflug wird Lancaster mit seiner Vergangenheit, mit ehemaligen Liebschaften, mit Leidenschaft aber auch mit Demütigung konfrontiert. Von dieser abseitigen Tour hat sich der 1982 nach Wien ausgewanderte Judenburger und Pop-Eigenbrötler Klaus Tschabitzer inspirieren lassen und schon im Jahre 2001 für sein erstes Lo-Fi-Elektronik-Machwerk "Neddy Merril" den Filmtitel als Künstlernamen patentieren lassen.

"Das Schwimmen durch die Pools ist absurd, zugleich ein romantisches Projekt mit einer tragischen Komponente", sagt Tschabitzer, eine Beschreibung, die auch ganz gut auf seine Musik passt. Der Schwimmer verbindet eine ungeniert im Dialekt gehaltene Vortragsweise mit Versatzstücken elektronischer Spielereien und einer am Folk angelehnten Songschreiberqualität. Diese Zugangsweise war bereits in den bisherigen Bandprojekten von Tschabitzer, wie den Scheffenpichlers, den Tango Boys oder der "trashigen Elektronik-Sitzgruppe" Salon Loisitschek, spürbar.

Eine derart österreichische Prägung haben bisher erst wenige dem zeitgenössischen Underground-Pop verpasst. "Bei Attwenger konnte man das erste Mal erfahren, wie Volksmusik noch klingen kann", sagt der Traditionssuchende, dessen kompositorischer Mittelpunkt bislang eine Hammond-Orgel aus den Sechzigern war. Wobei das mit der Traditionssuche nicht einfach ist. "Vielleicht das Original Herberstein Trio aus den Siebzigern, mitunter der frühe Ambros", kann Tschabitzer als schnelle Anhaltspunkte nennen und fügt hinzu: "Heute versuchen sich daran auch Leute wie Birgit Denk." Auch wenn für ihn früher Volksmusikanten ausschließlich "singende Nazis" waren, so sollte man nicht vergessen, sagt Tschabitzer heute, dass Volksmusik immer auch etwas Widerständisches hatte, das leider durch das nationalsozialistische Erbe pervertiert worden sei.

Ähnlich schwierig gestaltet sich die Ausdrucksweise im Dialekt, vorbelastet durch den Austro-Pop. Und in der anglophil dominierten Popwelt nicht gerade ein Verkaufsargument. Für Tschabitzer aber einfach die beste Möglichkeit einer "direkten Ausdrucksweise". Obwohl er sich dem Englischen nicht immer verweigert hatte. So wurde auch das 2004 erschienene Album "Perfect Sunday" ein kauziges und wunderbar gelungenes Electro-Pop-Album.

Auf seiner aktuellen CD "Poplawok" - russisch für "Schwimmer" - entfernt sich Tschabitzer wieder einen Schritt von dieser Gangart, mit einer simplen Erklärung: "Englisch ist einfach nicht meine Sprache." Und seine musikalische Sprache wird stärker als zuvor durch eine wehmütige akustische Gitarre transportiert, die Arrangements sind schlanker geworden, die Hammond-Orgel weniger dominant. Und neben den sanft dahinscheppernden Beats hat der Schwimmer sampletechnisch seine Wohnung zum Klingen gebracht: Tropfen, Brillenetuis und Lampen etwa. Auf der neuen Platte ergibt das zum Beispiel den "Zimmerlampendub". Und wenn es in "Foan" heißt: "I foa in die oandre Richtung, so weit wia I halt moag", besetzt der Schwimmer auch weiterhin die Nische marktuntauglicher Eigenwilligkeit und schließt den Kreis zum gleichnamigen Film: "Es ist doch wunderbar, etwas Unvernünftiges zu machen".

Tiz Schaffer in FALTER 41/2006 vom 13.10.2006 (S. 11)


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