Hey Playa

von Deph Joe

Derzeit nicht lieferbar

Label: Supercity/Hoanzl
Erscheinungsdatum: 01.01.2008

Rezension aus FALTER 40/2008

Der Philosoph im Club: Deph Joe ist eine Ausnahme im heimischen Hip-Hop

Joseph Boyewa ist in Wien geboren und aufgewachsen. Nur erkennt man das nicht auf den ersten Blick. "Ich bin mir der Spannungen, die meine Hautfarbe auslöst, sehr früh bewusst geworden", sagt der Mann, der sich als Rapper Deph Joe nennt und ein schöneres Deutsch pflegt, als es nicht nur die meisten seiner MC-Kollegen von sich behaupten können. "In meiner Gymnasialzeit bin ich jeden Morgen in der U-Bahn von Polizisten kontrolliert worden. Das gibt einem ein befremdliches Gefühl."
Keine Diskussion: Deph Joe liebt Wien. Mit "Wien bei Nacht" hat er eine nachgerade zärtliche Liebeserklärung an seine Stadt auf seinem dieser Tage erscheinenden Debütalbum "Hey Playa". Was nichts daran ändert, dass er nach wie vor regelmäßig angepöbelt wird: "Mit 14, 15 habe ich geglaubt, Österreich wird in zehn Jahren viel offener sein. Nichts hat sich geändert, die Leute sind sogar noch eine Spur feindlicher geworden. Ich versuche eh zu verstehen, wo sie ihre Ängste herhaben."
Seine Eltern sind Ende der 70er-Jahre nach Österreich gekommen, der Vater hat an der WU studiert und für die UNIDO gearbeitet. Zuhause bei Boyewas lief Black Music. Joseph, heute 31, entdeckte früh den HipHop für sich, war aber zunächst nicht ganz glücklich mit dem, was er hörte: "NWA oder Ice T waren natürlich cool, leider konnte ich die Texte nicht auf meine Lebenssituation umlegen. Als guter deutscher HipHop aufkam, hat mich das geflasht. In Advanced Chemistrys ,Fremd im eigenen Land' konnte ich mich total wiederfinden."
Von da an bestimmte die Musik sein Leben. Die Matura ist ausgefallen, wie er ein wenig reumütig erzählt, danach hat er sich mit Freelancer-Jobs in der Textil- und Medienbranche ("im Fotoarchiv von täglich Alles") durchgeschlagen. Vom Rappen leben kann in Österreich kaum jemand. Deph Joe versucht es jetzt trotzdem einmal. Dass er nach einigen Maxis und einer langwierigen, weil selbst finanzierten Produktion endlich ein eigenes Album vorzuweisen hat, sollte nun Aufwind geben.
Bislang galt er ja als der Philosoph des heimischen HipHop und war in der Szene für seine sozialkritischen Texte bekannt. Auf "Hey Playa" hat er das bewusst zurückgefahren, ohne große Kompromisse einzugehen. Zusammen mit den Produzenten Brenk und Fid Mella ist eine amtliche Mischung aus clubtauglichen Beats und Soul­einflüssen entstanden, die sich auch international sehen lassen könnte.
Die Texte sind zwar "nicht mehr so hirnschwanger wie früher", so der erklärte Fan des Schriftstellers Hermann Hesse – aber raffiniert sind sie trotzdem. In "Wie macht sie das" schwärmt Deph Joe von einer Tanzflächenschönheit, ohne chauvinistisch rüberzukommen. Überhaupt verwendet er so gut wie keine Schimpfwörter oder abwertende Ausdrücke: "Ich will nicht sagen, ich bin 100-prozentig politisch korrekt. Aber mir ist schon wichtig, über meine Wortwahl einen gewissen ethisch-moralischen Standpunkt zu beziehen."
"Hey Playa" versteht er als sein Entrée: "Die Leute sollen endlich mal ein farbiges Gesicht sehen, das die österreichische Musikszene positiv beeinflussen kann." Trotzdem bleibt Deph Joe beim (in Österreich sensiblen) Thema Schwarzsein vorsichtig: Ein schon fertiges Stück zu diesem Thema hat er sich lieber für seine nächste Platte aufgehoben: "Da muss man jedes Wort abwägen. Ich rappe nicht ,Nigerianer Wiens, vereinigt euch!' oder so einen Schwachsinn. Ich will nur beschreiben, warum Leute ihre Heimat verlassen. Und zwar so, dass es niemanden vor den Kopf stößt, sondern bewegt und anregt." Deph, Joe!

Sebastian Fasthuber in FALTER 40/2008 vom 03.10.2008 (S. 44)


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