TEENAGE TRASH INSANITY

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Rezension aus FALTER 44/2006

Austroindierock

EAV und STS waren vorgestern; die Steiermark scheint sich bei einem Blick auf heimische CD-Neuerscheinungen zur neuen Metropole des Indierockgeschehens zu entwickeln. Killed By 9V Batteries sind dafür das beste Beispiel. Nach einigen selbstproduzierten Aufnahmen ist "Killed By 9V Batteries" (Siluh/Hoanzl) das offizielle Debüt des jungen Trios, mit dem Weiz kurzerhand zum Seattle Österreichs wird. Fernab aktueller Trends lässt man es in Spätachtziger-und Frühneunzigermanier krachen; das Wechselspiel zwischen akustischen und verzerrten Passagen erinnert an Grunge, die Liebe zum Gitarrenlärm an Sonic Youth. Zwar bleibt die Spannung noch nicht wirklich über die Gesamtdistanz aufrechterhalten; die teils atemlose Aufgeregtheit hat aber auch ohne permanente Bündelung ihren Reiz.

Das alkoholbetriebene Grazer Sixtiesgaragenrocksextett The Staggers trägt ebenfalls seinen Teil zum Steirerrockboom bei. Ihr langerwartetes erstes Album "Teenage Trash Insanity" (Wohnzimmer/Broken Silence) ist eine Platte wie ein überdrehtes B-Movie; 13 in 37 Minuten heruntergeklopfte Songs machen dem programmatischen Titel alle Ehre und kombinieren schmissige Instrumentalstücke mit formvollendet hysterischen Krachern der Marke für immer jung und blöd im Kopf.

Ungleich biederer gehen Once Tasted Life zu Werke. "A Thousand Moments We Let Pass " (Acute/Edel) bietet flotten Indiepop mit melancholischem Touch, der auch dynamischen College Rock zulässt, neben der Erregungsarmut aber nicht zuletzt am etwas zu forcierten Gesang laboriert.

Handwerklich einwandfrei gemacht ist der im Folk geerdete, gefühlvolle Akustikindierock des Grazer Trios Lamexcuse; an zündenden Momenten herrscht letztlich aber auch auf ihrer im Eigenverlag veröffentlichten CD "All Important Little Things" (Vertrieb: Hoanzl) ein gewisser Mangel.

Petsch Moser ist die einzige nicht steirische Band dieser kleinen Rundschau. Das gelungene neue Album der Wiener, "Reforma" (Wohnzimmer/Broken Silence), punktet musikalisch wie textlich durch einen bemerkenswerten Facettenreichtum. Der großzügige Pianoeinsatz steht ihrem poetischen, deutschsprachigen Indiepop gut zu Gesicht, und auch die Mischung aus flotten Rocksongs wie dem aktuellen FM4-Hit "Gustav K" und ruhigen, teils an die Linzer Shy in ihrer Countryphase erinnernden Liedern funktioniert bestens.

Gerhard Stöger in FALTER 44/2006 vom 03.11.2006 (S. 70)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Killed by 9V Batteries (Killed by 9V Batteries)
A Thousand Moments We Let Pass ... (Once Tasted Life)
All Important Little Things (Lamexcuse)
REFORMA

Rezension aus FALTER 43/2006

Mönche, Monster, Mariachis

Vor dem Sommer gab es schon die Preview-EP zu "Jeux de Nuit" (siehe Falter 33/06), jetzt ist es ernst geworden. "Melt like Wax" nennt sich die Eingangsnummer und gibt gleichermaßen das Programm vor: Sanfter Indie-Rock verschmilzt mit Electro-Pop und wird dancefloortauglich. Aber nicht nur: Sängerin Susanna Sawoff verpasst auch verspielten, aber niemals zu opulent ausgestatteten Balladen einen bittersüßen Anstrich, während Mastermind Georg Hartwig der alten Songwriter-Schule etwas abgewinnen kann, diese aber gerne episch ausformuliert. Georg Hartwig stammt aus einer Künstlerfamilie, Bruder Gerald ist für die gelungene Cover-Art verantwortlich, das Video von shot shot shot ist überaus sehenswert. Eine Platte mit Gefühl für Feinheiten und Zwischentöne, für die Kunst des feinsinnigen Arrangements. Selten bereitet Professionalität so viel Freude.The Staggers sind da. Zum ersten Mal in voller Länge. Zum Fixgestirn ihres selbstgezimmerten Horror-Trash-Universums haben sich die stilechten Garage-Rocker schon mit gekonnten Retro-Chic-Singles und unermüdlichen Konzert-Tourneen entwickelt (siehe Falter 19/06). Auf "Teenage Trash Insanity" führen sie mit dem definitiven Verzicht auf zeitgenössischen Anstrich vor, wie durchgeschüttelter Sixties-Beat-Pop mit Punk-Attitüde, surfinspirierten Gitarreros und Farfisa-Orgel-Grundierung damals wohl geklungen hätte. Sänger und menschgewordene Exaltation Wild Evel kreischt und brüllt sich durch Titel wie "I am the Wolfman", "Wild Teens" oder "Do the Ripper", die genauso klingen wie sie heißen. Sex, Drugs and Rock`nŽRoll für das neue Jahrtausend.Den gebürtigen Leobner und Wahlwiener Jürgen Plank kennt man vom Ersten Wiener Heimorgelorchester, The Wichita Linemen und als Betreiber des Labels lindo. Und wenn Plank als Jorge Blanco auf einem Esel mit Kaktussattel den Arsch zusammenkneift und bei tief stehender Sonne in Richtung Tex-Mex-Paradies für intellektuelle Querdenker reitet, dann ist das ungefähr genauso authentisch wie die deutsch gesungenen Texte. Bei der gebotenen ironischen Distanz spielt das allerdings keine Rolle. Die mit zwei akustischen Gitarren, ein wenig Rhythmusbox und Melodica vorgetragenen Geschichten über heroisches Scheitern leben von ihrer kauzigen Nachstellung von hispanischem Herzschmerz, allerdings fällt der Desperado-Schlager bei zunehmender Abspieldauer leider einer leichten Monotonie anheim. Zu genießen in homöopathischen Dosen

Tiz Schaffer in FALTER 43/2006 vom 27.10.2006 (S. 10)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Jeux de Nuit (Monk)
Vamos (Lassos Mariachis)

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