SCORE BABY

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Rezension aus FALTER 24/2007

More Baby!

Die Grazer Band Boner Bitch lädt mit dem Album "Score Baby" in ihr glamouröses und zutiefst maskulines Stoner Rock-Universum.

Nicht alle bekommen von Boner Bitch, was sie wollen. Der Bandname provoziert gewisse Erwartungshaltungen. "Härter, lauter, schneller." Mit diesem Heavy Metal-Schlachtruf sehen sich die vier Jungs von Boner Bitch bei ihren Konzerten mitunter konfrontiert. Hört man den soeben erschienenen Longplayer "Score Baby", verwundert die nüchterne Feststellung des Gitarristen und Sängers Rony Priesching wenig: "Wir fühlen uns im Heavy Metal-Umfeld nicht wirklich zuhause." Tatsächlich wirken Boner Bitch als eine der wenigen heimischen Vertreter des Stoner Rock - mit Grunge und Psychedelic-Rock verschnittenes Handwerk, das sich den Siebzigerjahre-Hard Rock als Basis gelegt hat - auf diversen Schwermetall-Abenden leicht deplatziert. Ihr schnörkellos, schnittig und flott gespieltes Liedgut glänzt mit einer Freude am Melodiösen, und nicht zuletzt die klar gehaltene, sonore Stimme verweist sie in die Welt des Pop. Bei ihren Gigs können sie dennoch schon mal hart zulangen. Die Gesinnungsgemeinschaft "Schwerer Rock" haben sie zumindest regional überzeugt.

Boner Bitch wissen mit den Klischees des Heavy Metal zu spielen. Das unterscheidet die smarten Jungs auch von diversen Kollegen. Langes, fettiges Haar weht im Wind. Der Backenbart ist ungestutzt. Die verspiegelte Sonnenbrille verdeckt das zugekiffte Auge. So kann man sich den Prototyp des ungewaschenen Hard Rockers der Siebziger vorstellen. So setzte der Grazer Fotograf Don Ron den Vierer auch nach der Gründung 2004 geschickt in Szene. Die durchgeknallten US-amerikanischen Retro-Rocker Monster Magnet sorgten vor einigen Jahren in diesem Stil für Furore.

Mit Don Ron hat man sich mittlerweile zerkracht, die Fotos waren für die Band dennoch eine gute Kapitalanlage. Eine verführerisch gestaltete Visitenkarte, die den Unbedarften in das testosterongeschwängerte Reich von Boner Bitch geleitet. Die cowboyeske Lady mit ihrem Umschnall-Dildo am Cover des Albums wurde grafisch zwar einwandfrei umgesetzt, in feministischen Kreisen werden Boner Bitch damit keine Freundinnen finden. Priesching betont aber eindringlich: "Es ist ein Spiel mit Trash. Nichts davon ist frauenfeindlich gedacht." Dem zufolge auch nicht der Bandnamen, der vielmehr ein kleines Wortspiel ist. "Stoner Witch" titelten die legendären Melvins 1994 ein Album. Auch Songs wie "Weed and Whiskey" oder "Chanson de Fuck" wollen die Geschichte von Sex, Drugs and Rock'n'Roll fortschreiben. Wer jetzt meint, die Burschen wären vielleicht doch ganz Schlimme: Der Schlagzeuger wurde soeben als Erzieher in einem SOS-Kinderdorf gesignt.

Tiz Schaffer in FALTER 24/2007 vom 15.06.2007 (S. 10)


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