Stubenmusic

von Quadrat:SCH

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Label: col legno
Format: CD
Genre: Weltmusik
Umfang: 21 Tracks, Gesamtspielzeit 81:50 Min.
Erscheinungsdatum: 20.01.2012


Rezension aus FALTER 51-52/2011

"Wer bin ich denn?"

Der ehemalige Knödel-Mastermind Christof Dienz startet im Ensemble Quadrat:sch erneut durch

Es ist schon komisch", sagt Christof Dienz. "An sich interessiert mich das Thema Tirol nicht besonders, und ich glaube auch nicht, dass Volksmusik mein Ding ist. Es stört mich fast, dass ich immer wieder mit ihr in Verbindung gebracht werde. Aber es ist logisch, weil viel Output in diese Richtung geht."

Aktuell besteht dieser Output etwa in überraschungsreicher, feingesponnener Kammermusik mit Anspielungen auf das Penguin Café Orchestra, Dub, Postrock und vieles mehr. Unter dem Bandnamen Quadrat:sch kreiert sie Christof Dienz an der Zither gemeinsam mit Ehefrau Alexandra Dienz (Kontrabass), Barbara Romen (Hackbrett) und Gunter Schneider (Gitarre). "Stubenmusic" nennen sich die berückend musikantischen und doch filigranen Klänge, die das Ensemble in originaler Tiroler Stubenmusik-Besetzung produziert.

"Auf Verbindungen zu meiner ehemaligen Band Die Knödel werde ich gar nicht so oft angesprochen, wie man glauben möchte", sagt der 43-jährige Musiker. "Vielleicht ist das schon zu lange her. Obwohl es da natürlich Bezüge gibt, schon allein durch die ähnliche Besetzung." Dienz war der Komponist und Mastermind des Kollektivs, mit dem er in den 90er-Jahren an der Spitze der "Neue Volxmusik"-Welle surfte und Tourneen bis nach Japan absolvierte.

Vom "Volxmusik"-Begriff distanziert er sich noch heute - "obwohl wir damals natürlich davon profitiert haben. Aber unsere Einflüsse kamen eher aus der klassischen Musik, etwa von Schubert, Dvoráks oder Bartók. Das sind auch meine Wurzeln. Ich bin klassisch ausgebildeter Fagottist, ich habe auf der Hochschule studiert, meine Probespiele gemacht. Ich war drei Jahre lang im Bühnenorchester der Staatsoper. Ich bin durch und durch ein klassischer Musiker!"

Ein klassischer Musiker, den dennoch immer wieder seine Tiroler Herkunft einholt. Vielleicht auch, weil das Gros der Aufträge aus Tirol kommt, vor allem von den Klangspuren Schwaz. "Als der erste Auftrag für eine Zitherkomposition kam, habe ich lange überlegt. Ich dachte: Zither? Ein Spießerinstrument, das interessiert mich nicht! Ich war schon kurz davor abzusagen. Dann habe ich mir aber eine Zither auf den Tisch gelegt und erkannt, dass sie tolle Sounds in sich birgt, die man mit kindlich-haptischem Zugang herausholen kann."

Die Uraufführung des Stücks in Schwaz geriet durch technische Probleme zwar zum Fiasko, bei der Zither ist Dienz aber geblieben. In der Folge versuchte er sich als Interpret eigener Komposition, begann mittels eines Loop-Generators Riffs und Motive zu höllisch groovenden Patterns übereinander zu schichten - und erfand auf dieser Weise sowohl das Instrument als auch sich selbst als Musiker neu.

Die famose Doppel-CD "Dienz Zithered" aus dem Jahr 2005 dokumentiert diese Entwicklung. "Hätte ich diesen Kompositionsauftrag damals nicht angenommen, wäre alles ganz anders gekommen. Es gäbe das ‚Zithered'-Projekt nicht, es gäbe mich nicht in der XY-Band von Lorenz Raab, es gäbe Quadrat:sch nicht", sagt Dienz. Musikalisch war er dadurch freilich wiederum im Tiroler Eck gelandet war, auch wenn seine Kompositionen mehr mit elektronischen Beats als mit traditionellen Klängen zu tun hatte.

"In Wirklichkeit bin ich in Tirol wenig verwurzelt", erklärt Dienz. Ich bin mit 15 aus Kitzbühel weggegangen. Zuerst ans Musikgymnasium nach Innsbruck, dann zum Studieren nach Wien. Ich muss da auch nichts groß aufarbeiten. Ich hatte sehr liberale Eltern, bin nicht getauft. Ich war als Einziger in meinem Freundeskreis nie Ministrant."

Ins Eck der Herkunftsregion geschoben zu werden, sei gut für den Verkauf, aber eher einengend für ihn als Musiker und Komponist, sagt Dienz. Tatsächlich dürfte Dienz, der Tiroler, lange Jahre Dienz, dem Wiener, im Weg gestanden sein, denn im zeitgenössischen Musikbetrieb der Bundeshauptstadt ist der Musiker noch immer nicht ganz angekommen.

Die lokale zeitgenössische Szene sei stark vom Klangforum definiert, das andere Musik präferiere, als er sie schreibe, erklärte Dienz in der Vergangenheit dazu. Erschwerend sei hinzugekommen, dass er als Komponist Autodidakt sei und keinen Lehrer habe, der ihn fördere.

Seit Dezember 2009 ist das anders: Da wurde im Konzerthaus das Auftragswerk "brachen goldrosen", eine kompositorische Reflexion über Arnold Schönbergs 1. Kammersinfonie, durch eben jenes Klangforum unter Sylvain Cambreling zur Uraufführung gebracht.

"Das hat mir viel bedeutet", sagt Christof Dienz, der das Ensemble auch durch Engagements als Fagottist kennt. "Man wird dort als Komponist sehr respektvoll behandelt. Und natürlich hat man ein anderes Standing, wenn man für das Klangforum geschrieben hat." Der bekennende AC/DC-Fan gibt sich versöhnlich: "Es ist schwierig für die Neutönerszene, mit mir umzugehen, weil ich so viele verschiedene Dinge mache. Wer bin ich denn? Ich muss mich ja zum Glück nicht definieren."

Andreas Felber in FALTER 51-52/2011 vom 23.12.2011 (S. 39)

Titelliste 1
1. 
Soodersooderso (This way of that way or the other)
Romen, Barbara / Dienz, Christof / Schneider, Gunter / Dienz, Alexandra
3:12
2. 
Schungradl (Flywheel)
Romen, Barbara / Dienz, Christof / Schneider, Gunter / Dienz, Alexandra
2:34
3. 
Peaceful piece
Romen, Barbara / Dienz, Christof / Schneider, Gunter / Dienz, Alexandra
4:51
4. 
Amelie
Romen, Barbara / Dienz, Christof / Schneider, Gunter / Dienz, Alexandra
2:50
5. 
Penguin
Romen, Barbara / Dienz, Christof / Schneider, Gunter / Dienz, Alexandra
3:14
6. 
Knochentanz (Bone dance)
Romen, Barbara / Dienz, Christof / Schneider, Gunter / Dienz, Alexandra
4:30
7. 
Scene 3
Romen, Barbara / Dienz, Christof / Schneider, Gunter / Dienz, Alexandra
5:06
8. 
332
Romen, Barbara / Dienz, Christof / Schneider, Gunter / Dienz, Alexandra
2:43
9. 
Der Dis-Tanz (The dis-dance)
Romen, Barbara / Dienz, Christof / Schneider, Gunter / Dienz, Alexandra
2:32
10. 
234
Romen, Barbara / Dienz, Christof / Schneider, Gunter / Dienz, Alexandra
4:02
11. 
Dub minor
Romen, Barbara / Dienz, Christof / Schneider, Gunter / Dienz, Alexandra
3:40
12. 
Überflieger (High-flyer)
Romen, Barbara / Dienz, Christof / Schneider, Gunter / Dienz, Alexandra
2:49
Titelliste 2
1. 
Holzschüssel (Wooden bowl)
Romen, Barbara / Dienz, Christof / Schneider, Gunter / Dienz, Alexandra / Parkins, Zeena / +++
3:48
2. 
Stein-Holz (Stone wood)
Romen, Barbara / Dienz, Christof / Schneider, Gunter / Dienz, Alexandra / Parkins, Zeena / +++
6:26
3. 
Fläche in A (Surface in A)
Romen, Barbara / Dienz, Christof / Schneider, Gunter / Dienz, Alexandra / Parkins, Zeena / +++
2:59
4. 
Wasser (Water)
Romen, Barbara / Dienz, Christof / Schneider, Gunter / Dienz, Alexandra / Parkins, Zeena / +++
6:23
5. 
Schnapper (Snapper)
Romen, Barbara / Dienz, Christof / Schneider, Gunter / Dienz, Alexandra / Parkins, Zeena / +++
2:14
6. 
Holz-Stein (Wood-stone)
Romen, Barbara / Dienz, Christof / Schneider, Gunter / Dienz, Alexandra / Parkins, Zeena / +++
5:06
7. 
Mischschale (Mixing bowl)
Romen, Barbara / Dienz, Christof / Schneider, Gunter / Dienz, Alexandra / Parkins, Zeena / +++
4:21
8. 
Milchkanne (Milk can)
Romen, Barbara / Dienz, Christof / Schneider, Gunter / Dienz, Alexandra / Parkins, Zeena / +++
4:29
9. 
Glachter ("Laughter", Alpine / Tyrolean xylophon)
Romen, Barbara / Dienz, Christof / Schneider, Gunter / Dienz, Alexandra / Parkins, Zeena / +++
4:01

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