Derive

von Chra

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Komponist: Various
Label: COMFORTZONE
Format: LP (analog)
Genre: Rock englischsprachig
Umfang: 10 Tracks
Erscheinungsdatum: 22.01.2010

Rezension aus FALTER 43/2009

"Ich bin eigentlich schon ein bissi ein derber Typ"

Die Musikerin Christina Nemec glaubt an die Nische und hat mit Comfort Zone ein feministisches Elektroniklabel gegründet

Jeder sagt einem, dass es Wahnsinn ist, heute ein Label zu gründen." Christina Nemec lacht herzlich. "Das Problem ist, ich habe noch keinen Misserfolg. Und ich glaube an die Nische."
Nemec, die als Musikerin unter dem Namen Chra firmiert, ließ sich nicht beirren und stellt nun im rhiz die ersten Veröffentlichungen ihres Labels vor. Comfort Zone heißt es, elektronische Musik mit queer-feministischem Hintergrund wird darauf erscheinen. Der Bogen reicht von Frequenzengefrickel bis zu Tanzbarem und Pop, Spaß und Ernst sollen Hand in Hand gehen.

Tonträger der Wahl ist Vinyl, mit dem totgeweihten Medium CD will Comfort Zone nicht arbeiten. Allenfalls Downloads wird es auch geben, schließlich trägt nicht jeder immer einen Plattenspieler mit sich rum. Von den 500er-Auflagen würde die Betreiberin gern "300 oder 400 verkaufen, das muss weltweit möglich sein".
Nicht zum Schaden ihrer Unternehmung sollte sich auswirken, dass im Hintergrund als Vertrieb die Profis von Trost Records sitzen. Nemec: "Vom Künstlerischen bis zur Vermittlung habe ich Erfahrung in allen möglichen Bereichen, nur wie man Platten verkauft, weiß ich nicht."
In ihrer eigenen Musik vermischt sie Computerexperimente ("Eine Ansage aus Radio Burgenland hernehmen, endlos stretchen und schauen, was in den Zwischenräumen passiert") mit Marschmusik-Technobeats ("Klingen noch ein bisschen patschert, aber das passt schon"). Neben Künstler­alben wie ihrem Debüt "Derive", das die Katalognummer 001 trägt, will sie vor allem Splitmaxisingles rausbringen.
Eine Seite von Nummer 002 gehört der Französin Bonnie Li, die andere der Wienerin Frau Herz, die 003 wiederum teilen sich die Duos Alloy Alloy aus Dänemark und Stereonucleose aus Berlin.
Nemec: "Das zieht so seine Kreise. Stereonucleose habe ich über Female Pres­sure kennengelernt, auf ihrer MySpace-Seite habe ich dann Bonnie Li gesehen."
Die aus Kärnten stammende Musikerin und Musikvermittlerin sucht sich die Künstler lieber selber, als Demos anzuhören. Nemec ist eine Nette, die sehr genau weiß, was sie will. Und sie ist bestens vernetzt. An der queeren Burleske "Orlanding the Dominant" ihrer Performanceband SV Damenkraft wirkte auch Eva "Gustav" Jantschitsch mit. Und kürzlich konnte sie ihre alte Heldin Lydia Lunch zu einer gemeinsamen Performance überreden.

Als Szenefigur gibt es Christina Nemec schon seit Ewigkeiten. In den frühen 90ern spielte sie bei Odi et amo, der Schülerband von Gerald Votava, sowie mit Christian Candid (heute: Klein Records) und Michael Martinek (Fabrique Records) bei Daydream Age.
Nach dem Split stieg die Bassistin bei einer Industrial-Metal-Combo ein: "Natürlich ist diese Szene primitiv, aber die sexistischen Sachen sind offener als in manchen elaborierten Diskursen. Und ich bin eigentlich schon ein bissi ein derber Typ."
Nachsatz: "Dass es nicht nur ein Kompliment ist, wenn dir Typen sagen, ‚Für a Frau spielst du aber gut Bass' – das habe ich erst Jahre später gecheckt."
Wenn sie es heute ein bissi derb haben will, trifft sich Nemec mit ihrer zweiten Band Mopedrock. "Da geht es darum, im Proberaum Bier zu trinken. Mach ich gern, darf aber nicht zu oft sein."

Sebastian Fasthuber in FALTER 43/2009 vom 23.10.2009 (S. 31)

  Song-Titel
1.  Welcome Dark Animals  
2.  Derive  
3.  Deadweight  
4.  Säkenoivä  
5.  Rebellion & Challenge  
6.  Schiff Ahoi! Feat Frau Herz  
7.  Let Go!  
8.  Von Der Liebe  
9.  Er / Regung  
10.  Partyfucker  

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