Weltquell des gelebten Wahnsinns
Skurriles aus der Welt der Wissenschaft

von Henry Glass

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Kein & Aber
Erscheinungsdatum: 01.08.2008

Rezension aus FALTER 10/2009

Trockene Wissenschaft? Von wegen! Hier wird gesoffen und gefurzt, geliebt, gekämpft und gestorben. Die gesammelten Reportagen des Spiegel-Redakteurs Henry Glass "Weltquell des gelebten Wahnsinns" liefern Aberwitziges und Absurdes aus der Welt der Forschung. Crapulogen etwa haben sich auf die Erforschung des "alkoholischen Post-Intoxikations-Syndroms" spezialisiert, im Volksmund auch Kater genannt. Völlig enträtseln konnten sie die "Dampframme im Hirn" immer noch nicht – trotz Feldforschung und zahlreicher Selbstexperimente.
Flatologen haben es mit ihren Versuchspersonen nicht so leicht: Wer will schon in einem "Flatulogramm" Protokoll über seine Darmwinde führen? Neben fernliegenden Forschungsgebieten erstaunen Einblicke wie jener in die Raumstation MIR. Deren chaotische Zustände dürften die wienerische Verwendung des Wortes "russisch" mehr als gerechtfertigt haben.
Aber auch vor großen Themen schreckt Glass nicht zurück. Über körperliche Verletzungen in der Liebe berichtet er etwa oder über ungewöhnliche Todesarten. Einer der kleinen Texte verrät auch etwas über das Leben des Autors: jene Reportage, die uns die überlegenen Ordnungssysteme der Chaoten beweist. Den Suchstrategien des "Klarsichthüllentyps" seien sie jedenfalls haushoch überlegen …
Nicht nur die Wahl abstruser Themen macht Glass' Wissenschaftsvermittlung außergewöhnlich, sondern auch die Verwendung ausgefeilter satirischer Sprachbilder. Stilistische Höhepunkte erreicht das Buch in seinem Kommentar zum (angeblichen) 1000-Jahr-Jubiläum der Stadt Dublin, das "nach ortsüblich unaufdringlicher Art" organisiert gewesen sei – "also so gut wie gar nicht".
Damit zum einzig Traurigen: Es kommt nichts Neues nach. Henry Glass ist seit acht Jahren tot. Seine Perlen wurden posthum aufgereiht, die Texte stammen aus den 90er-Jahren. Gut, dass es hier nicht um die neuesten Erkenntnisse aus dem Teilchenbeschleuniger geht, sondern um die Erforschung des Alltags. Nur wenige Ergebnisse haben an Aktualität eingebüßt. Glass' Reportagen bleiben zeitlos komisch.

Andreas Kremla in FALTER 10/2009 vom 06.03.2009 (S. 20)


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