Mühsam
Anarchist in Anführungsstrichen

von Jan Bachmann

€ 19,50
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Verlag: Edition Moderne
Genre: Belletristik/Comic, Cartoon, Humor, Satire
Umfang: 96 Seiten
Erscheinungsdatum: 23.03.2018


Rezension aus FALTER 26/2018

Hehre Ideale und die Komik des Scheiterns

Der deutsche Dichter und Anarchist Erich Mühsam (1878–1934) befand sich oft dort, wo es brodelte. Bürgerlich aufgewachsen, versuchte er sich an einem Leben jenseits von Spießbürgermoral. Die meiste Zeit verbrachte er in bitterer Armut. Er nahm an politischen Kämpfen teil, etwa an der Ausrufung der sozialistischen Münchner Räterepublik 1919. Dafür saß er fünf Jahre im Gefängnis. In der Nacht des Reichstagsbrandes wurde er erneut verhaftet und später von den Nazis hingerichtet.
Der Verbrecher Verlag veröffentlicht seit 2011 seine Tagebücher in einer 15-bändigen Gesamtausgabe, im kommenden Frühjahr soll sie abgeschlossen sein. Mühsam verfasste die Aufzeichnungen nur für sich selbst, was dem Leser neben politischen Überlegungen als Themen auch höchst Persönliches von Geldsorgen bis Geschlechtskrankheiten beschert. Es menschelt. Wen der Umfang der Tagebücher von mehreren tausend Seiten abschreckt oder wer sich erst Lust auf Mühsam holen muss, für den liegt nun seine Lebensgeschichte in ausschnitthafter Form als biografische Graphic Novel vor.
Der junge Basler Comiczeichner Jan Bachmann konzentriert sich in „Mühsam. Anarchist in Anführungsstrichen“ auf einen Aufenthalt in einem Schweizer Sanatorium im Sommer 1910. Seine Brüder, die ob seines Lebenswandels um ihn besorgt waren, schickten den erfolglosen Poeten auf Kur. Wildes Denken ist jedoch kaum kurierbar, in der Hinsicht erweist Mühsam sich als hoffnungsloser Fall: Er langweilt sich unter all den braven Bürgern fürchterlich, versucht sich des lieben Geldes wegen sogar an Schlagertexten und ergreift bei der ersten Gelegenheit die Flucht.
Der Mann hatte hehre Ideale und scheiterte mitunter auf komische Art an ihnen. Das war ihm bewusst, er verfügte über die Gabe der Selbstironie. Bachmann gestaltet ihn als tragikomische Comicfigur mit einer langen Nase, in der manche Betrachter einen Penis erkennen werden, Fantasievollere vielleicht ein Baguette. Die Zeichnungen und Szenen halten schön die Waage zwischen Ernsthaftigkeit und Humor.

Sebastian Fasthuber in FALTER 26/2018 vom 29.06.2018 (S. 33)


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