Mann im Zoo

von David Garnett

€ 17,50
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Übersetzung: Maria Hummitzsch
Verlag: Dörlemann
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Erzählende Literatur
Umfang: ca. 160 Seiten
Erscheinungsdatum: 23.01.2017

John Cromartie besucht mit seiner Freundin Josephine Lackett den Zoologischen Garten, dabei kommt es zu einem Streit. Josephine hält John seine »atavistischen Ansichten« vor und meint, er gehöre selber in den Londoner Zoo.
Gesagt, getan: Kurzerhand schreibt Cromartie einen Brief an die Zoo-Direktion, seiner Bitte wird entsprochen und er zieht bald darauf in einen geräumigen Käfig im Affenhaus. Seine beiden Nachbarn, ein Schimpanse und ein Orang- Utan, sind alles andere als begeistert und würden den neuen Mitbewohner, vor dessen Käfig die Leute in langen Schlangen stehen, vor lauter Eifersucht am liebsten in der Luft zerreißen ...

Rezension aus FALTER 11/2017

Ich glaub, mich beißt ein Orang-Utan

In seinem Roman „Mann im Zoo“ beschreibt David Garnett einen bizarren Fall freiwilliger Selbstinternierung

Zumindest was dessen in jüngster Zeit übersetzte Werke anbelangt, kann man dem Briten David Garnett einen auffälligen Hang zum Animalischen nachsagen. In dem im Vorjahr vom Zürcher Wiederentdeckungsverlagshaus Dörlemann aufgelegten Roman „Dame zu Fuchs“ schildert der dem legendären Bloomsbury-Kreis angehörende Garnett (1892–1981), der übrigens eine Nichte von Virginia Woolf (und Tochter seines Ex-Lovers) heiratete, die fortschreitende Verfuchsung einer jungen Ehefrau, die mit Mädchennamen Fox hieß. Ihr Mann muss nicht nur zur Kenntnis nehmen, dass seine Gattin eine Fähe ist, sondern dass sich die anfänglich noch sehr humane Schamhaftigkeit allmählich verflüchtigt und auch die Tischmanieren zusehends zu wünschen übrig lassen.

Auch der nun ebenfalls in neuer Übersetzung von Maria Hummitzsch herausgebrachte Roman „Mann im Zoo“ führt stante pede in die Tierwelt, nämlich in den Garten der Zoologischen Gesellschaft, der als Kulisse für den Streit des Liebespaares John Cromartie und Josephine Lackett dient und sofort Anlass gibt, a) die Auswahl an Tieren zu kritisieren („Gibt es hier denn nichts als zahme Hunde?“), b) diese zu bedauern („Die Menschen wollen alles Schöne einfangen und wegsperren“) und c) verhängnisvolle Parallelen zwischen Menschen- und Tierwelt zu ziehen („Die Sammlung hier ist nicht vollständig ohne dich“). Worauf der schwer gekränkte John Josephines Vorschlag aufgreift und sich in einem Brief der Zoologischen Gesellschaft als lebendes Exponat andient – ein Ansuchen, dem prompt stattgegeben wird.
In der Folge wird Cromartie zu einem echten Publikumsmagneten, was Eifersucht im Affenhaus nebenan provoziert, die später eine blutige und in allen grausamen Details geschilderte Attacke des Orang-Utan-Weibchens Daphne nach sich ziehen wird.

Mit anderen Zoobewohnern klappt das Zusammenleben entschieden besser. John freundet sich mit dem Karakal, einer luchsartigen Kleinkatze, an und lebt mit diesem – „die beiden waren sich in ihrem Wesen erstaunlich ähnlich“ – in trauter, allenfalls von kleinen Pannen getrübter Zweisamkeit zusammen. Daneben kommt aber auch das Liebesdrama zwischen ihm und Josephine wieder in Gang – als Berg- und Talfahrt zwischen Zuneigung und Zurückweisung, Strategie und Selbstlosigkeit, Verzicht und Verweigerung.
„A Man in the Zoo“, 1924 im Original mit Holzschnitten von Rachel Alice Marshall Garnett, der ersten Frau des Autors, erschienen, ist ein wüstes und groteskes Buch. Im Unterschied zu der tragikomischen, aber logischen Progression von „Dame zu Fuchs“, ist es von bizarren Zwischenfällen und jähen, unvorhersehbaren Wendungen geprägt. Der elaboriert und verstörend geschilderte Fieberwahn, den John aufgrund der affenbissinduzierten Blutvergiftung erleidet, scheint den ganzen Roman erfasst zu haben. John bekommt einen neuen Nachbarn, einen Schwarzen, gegen den er eine heftige Aversion verspürt, obwohl der Erzähler beteuert, dass sein Protagonist „keine besonderen Vorurteile gegenüber Menschen dieser Hautfarbe hatte“, und Josephine bekundet auf einmal heftig ihre Entschiedenheit, Johns Schicksal zu teilen: „Ich will deinen Käfig mit dir teilen und mich von allen anderen lossagen.“
Das ist der Moment, in dem sich der Karakal in den Schwanz beißt, denn um die Ausschließlichkeitsansprüche der Liebe ging es in dem Streit zu Beginn des Romans: „In der Liebe heißt es: Alles oder nichts. Du kannst nicht mehrere Menschen gleichzeitig lieben. Das weiß ich, weil ich dich liebe und somit jeder andere Mensch mein Feind ist“, deklariert sich John gegenüber Josephine, die für sich in Anspruch nimmt, „dass ich mehrere Menschen sehr lieb habe“.

Lässt sich „Dame zu Fuchs“ als Entwurf einer adaptiven Ethik im Umgang mit dem anderen verstehen, so scheint sich „Mann im Zoo“ einer parabelhaft eindeutigen Lesart zu entziehen. Eine Botschaft aber kann man diesem seltsamen Werk wohl entnehmen: Wird die Leidenschaft dir zur Qual, dann zieh zu einem Karakal.

Klaus Nüchtern in FALTER 11/2017 vom 17.03.2017 (S. 28)


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