Das kurze wundersame Leben des Oscar Wao
Ausgezeichnet mit dem Pulitzer Prize 2008

von Junot Diaz, Eva Kemper

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: S. Fischer
Erscheinungsdatum: 01.03.2009

Rezension aus FALTER 25/2009

Oscar de León war schon immer etwas anders. Der suizidgefährdete Nerd versenkt sich in Comics und will als "dominikanischer Tolkien" selbst einen Science-Fiction-Roman schreiben – eine Neigung, die er auf seine Herkunft zurückführt: "Was ist schon mehr Sci-Fi als Santo Domingo? Mehr Fantasy als Antillen?" Doch seinen Charakter verdankt der fette Loser nicht nur seinen geografischen Wurzeln. Das Schicksal des Einzelgängers, den Hang zur Realitätsflucht und sein Pech in Sachen Liebe hat der "postmoderne plátano" (postmoderne Bananenfresser), der die Dominikanische Republik nur noch von seinen Urlauben kennt, mit seinen Vorfahren gemein.
"Fukú" lautet das Wort, um das sich alles in Junot Díaz' Debütroman dreht und "das immer einen Fluch oder ein drohendes Unheil" meint. Das "fukú" manifestiert sich auch in den verwunschenen Lebensgeschichten von Oscars in die USA emigrierten Angehörigen. Die Familiensaga beginnt in den 40er-Jahren auf der Karibikinsel mit dem großelterlichen Unglück unter dem berüchtigten Tyrannen Rafael Trujillo und reicht bis zu Oscars "Leben ohne Muschis" in New Jerseys 90ern.
Junot Díaz, 1968 in der Dominikanischen Republik geboren und heute in New York lebend, arbeitet mit seinem Roman den Fluch der Karibik aus der Sicht ihrer vertriebenen Kinder auf. Hinter der Handlung, die der Autor mit viel Witz und Esprit transportiert, werden immer wieder die Stigmata von Diktatur, Herkunft, Exil und Identität sichtbar. Dinge, über die die Figuren nicht sprechen können, die aber beschrieben werden müssen, worauf das Leitmotiv der leeren Buchseiten hinweist. Das hybride Erbe des auf Englisch schreibenden Autors wird im multilingualen Text sichtbar, der sich in seiner blühenden Fabulierkunst und den Fußnotenkommentaren des Erzählers – der latinostereotype Widerpart Oscars – der lateinamerikanischen Erzähltradition verhaftet zeigt. Ganze elf Jahre lang hat Díaz nach eigener Aussage an dem Roman geschrieben. Hoffentlich muss man nach diesem Werk, für das er unter anderem mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet wurde, nicht ebenso lange auf das nächste warten.

Julia Zarbach in FALTER 25/2009 vom 19.06.2009 (S. 22)


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