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Warum Computer nichts im Klassenzimmer zu suchen haben und andere High-Tech-Ketzereien

von Clifford Stoll, Carl Freytag

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: S. Fischer
Erscheinungsdatum: 01.01.2001

Rezension aus FALTER 12/2001

Das Internet ist der McDonald's der Information, und wie McDonald's liefert es ein Produkt, das schnell, leicht und billig zu bekommen ist. Wie McDonald's reicht es für manche Leute aus und befriedigt ihre Bedürfnisse." Dieses herablassende Diktum über das Netz der Netze stammt von einem seiner Vorreiter, Clifford Stoll, der in den Siebzigerjahren beim Aufbau des legendären ARPAnet mitwirkte, dem militärischen Urahn des Internet. Jetzt, da das neue Medium fast zum Massenmedium avanciert ist und Politiker fordern, die Schulen ans Netz zu bringen, profiliert sich Stoll als Apokalyptiker. Die haben bekanntlich mit den Heilsverkündern der neuen Medien eines gemeinsam: Sie sind gegen Tatsachen immun.

Schon mit seinem Opus "Die Wüste Internet" (1996) hatte sich der US-amerikanische Astronom und Datenschutzspezialist als Net- und Nestbeschmutzer einen Namen gemacht. In seinem neuen Werk "LogOut" erklärt Stoll nun, warum Internet und Computer im Klassenzimmer nichts zu suchen haben. Weil sie "Wahrnehmungsstörungen fördern", den Lehrerberuf zum Aussterben bringen und weil Schüler dazu neigen, Diskettenlaufwerke mit Cola zu traktieren. Außerdem verhindere der Computer, "dass man die Grundlagen des Rechnens lernt", "zerstört Hypertext jede Erzählung", mache Surfen depressiv und einsam. Alles zusammen unterbinde schließlich die Entwicklung all der sozialen Kompetenzen, die man für Beruf und Leben braucht.

Stolls fundamentalistischer Rundumschlag gegen die digitalen Medien richtet sich gegen die Verrücktheiten einiger Netzpropheten, die Computer wie Heiligtümer verehren und schon in Kleinkindergärten einsetzen wollen. Auf solch unrealistisch-unsinnigem Niveau argumentiert auch Stoll, der sich in Schattenkämpfen und Schwarz-Weiß-Malerei erschöpft. Wer meint schon im Ernst, dass Computer Lehrer ersetzen können, dass man soziale Fähigkeiten aus dem WWW herunterladen kann oder dass "education" durch "edutainment" zu ersetzen sei?

Sein Schattenkampf bewahrt Stoll davor, den tatsächlichen Problemen der Medienpädagogik ins Auge zu sehen und die bereits eingeschlagenen Lösungsversuche differenziert zu würdigen. Der schulische Einsatz von Rechnern ist ihm "Unterhaltung", nicht "Teil der Ausbildung". Was will Stoll? Will er die verblendete Menschheit wirklich vor den "seelentötenden Einflüssen des Internet" oder aber sein einst elitäres Netz vor der Masse bewahren? Das suggeriert sein schiefer Vergleich des Inkommensurablen, von Internet und McDonald's. Das Internet gehört weder einem Unternehmen noch bietet es "ein Produkt", sondern qualitativ sehr Unterschiedliches.

Iris Buchheim in FALTER 12/2001 vom 23.03.2001 (S. 23)


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