aller ding
Gedichte

von Michael Lentz

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Verlag: S. FISCHER
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Lyrik
Umfang: 192 Seiten
Erscheinungsdatum: 20.02.2003

Rezension aus FALTER 9/2003

Der Prosaschriftsteller Michael Lentz liebt es gravitätisch, der Lyriker Michael Lentz hingegen luftig und leicht.
"in einer zeile
ist alles gesagt",
so könnte das Motto seines Gedichtbands "Aller Ding" lauten, mit dem er nach der Bachmann-Preis-Prosa zu seinen Wurzeln zurückkehrt, dem Experimentaltext in der Tradition der konkreten Poesie. Das Genre bietet Lentz alles, um den Vorwurf der Kritiker auszuhebeln, zu jenen zu gehören, die im Grunde nichts zu erzählen haben - und es also auch nicht können. Wer konkrete Poesie pflegt, der hat nicht den Anspruch, "etwas zu sagen", der will nur spielen; etwa mit den bedeutungsschweren Ballaststoffen, die der Überinformationsgesellschaft aufs Gemüt drücken.
"am anfang war das wart
aus dem sinn aus dem wort aus der welt
das ist fast erzählend
das muss ein schönes buch gar sein,
das niemand fiel zu lesen ein."
Der Sinn dieser Zeilen? Sinngehalt zu vernichten.
"jedenfalls
hängt die letzte
KAPPE
eines gewissen
ALLEN GINSBERG
in wien: maria hilferer straße
ichselbt
hab's gesehn."Auch Ludwig Laher pflegt diese Tradition. Bevor er in "Feuerstunde" "auf biegen und brechen" Stabreime zimmert, demonstriert seine Version des Johannes-Evangeliums allerdings, von welch wertvollem Gehalt konventionelle Lyrik sein kann.
"im anschlag war das
gewehr und das gewehr
war auf einem hügel",
schreibt Laher,
"von dort fadenkreuzigte er einen
und er sah daß es geil war und
brach das brot und soff den schnaps."
So lange Laher den Krieg auf dem Balkan bearbeitet, wirken Lentz' Texte wie Bastelarbeiten aus dem Kindergarten der Poesie. Erst wenn Laher
"ich falle
wieder
auf mich
zurück"
stammelt und sich mit ihm an den Tisch setzt, zeigt sich, um wie viel perfekter sein Kollege Sinnzusammenhänge in Fetzen zu schneiden versteht.Erich Sokol, 1933 in Wien geboren und vor wenigen Tagen einem Krebsleiden erlegen, war neben Manfred Deix der einzige österreichische Karikaturist mit Weltgeltung. Der profunde Kenner des ORF - Sokol war lange Jahre Chefgrafiker und Art Director von Österreichs größter Medienorgel - zeigt in seinem letzten Album Fernsehgrößen mit klingenden Namen: seine Chefs und Freunde Gerd Bacher und Teddy Podgorski, Medienpopulisten Zilk und Conrads, die Moderatorenlegenden Hans-Joachim Kulenkampff und Hermes Phettberg, die Fernsehmacher Franz Kreuzer und Axel Corti. Als "kreativen Kreuzzug" verstand der begnadete Karikaturist selbst sein jüngstes Werk, als Manifestation eines raren Talents könnte man es auch bezeichnen.

Martin Droschke in FALTER 9/2003 vom 28.02.2003 (S. 66)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Fern-Sehen (Erich Sokol)
Feuerstunde (Ludwig Laher)

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