Das Jahr der Wunder

von Rainer Merkel

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: S. Fischer
Erscheinungsdatum: 01.01.2001

Rezension aus FALTER 48/2001

Christian Schlier hat Rainer Merkel den Protagonisten seines ersten großen Prosawerks genannt, und der Name ist Programm: Seltsam verschleiert bleibt das Bild des Icherzählers, blass und unfassbar. Und dabei erlebt der ruhige Medizinstudent doch gerade "Das Jahr der Wunder", ist Mitarbeiter der schicken Multimedia-Agentur GFPD geworden und verdient nun plötzlich sagenhafte 8000 Mark im Monat. Sein impulsiver, charismatischer Freund Titus Mögenburg (ja, Merkel hats mit den Namen) hat ihn als Creative Director in das Unternehmen eingeführt, und nun beobachtet der unscheinbare Held fasziniert sein berufliches Umfeld, lässt sich mitreißen von der euphorisierenden Aufbruchsstimmung der New Economy und löst sich im verführerischen Mikrokosmos der smarten Ersatzfamilie zusehends auf.

In naiv-kindlichem Erzählton, mit Witz und auch mit Poesie lässt der 37-jährige Berliner Merkel die Hauptfigur von ihren beruflichen Erfahrungen berichten - kontrastierend zu deren eher schrulligem, überkontrolliertem Verhalten. Gut könnte man sich Joachim Król in der Rolle des Christian Schlier vorstellen, wenn sich das Buch denn zu einer Verfilmung eignen würde, was aber nicht wirklich der Fall ist. Als einsames Handlungshöhepünktchen käme allenfalls eine Kampagnenpräsentation infrage, und Merkel unterlässt es mit großer Souveränität, hier auch sprachlich Gas zu geben. So gleicht "Das Jahr der Wunder" ein wenig seinem Protagonisten: ein eher unscheinbares Werk von angenehmer Unaufgeregtheit und stiller Klugheit, ruhig, berührend und ziemlich sympathisch.

Stefan Ender in FALTER 48/2001 vom 30.11.2001 (S. 69)


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