Der Knacks

von Roger Willemsen

€ 19,50
Lieferung in 2-7 Werktagen

Verlag: S. FISCHER
Format: Hardcover
Genre: Sachbücher/Philosophie, Religion/Sonstiges
Umfang: 304 Seiten
Erscheinungsdatum: 13.10.2008

Rezension aus FALTER 14/2009

Roger Willemsen kommt ganz schön rum: Derzeit hält er sich in Patagonien auf, Ende Jänner schaffte er es trotz widriger Witterungslage gerade noch nach Graz, um dort sein jüngstes Buch, "Der Knacks", vorzustellen – eine Veranstaltung, aus der heraus das folgende Interview entstand: Der Falter-Redakteur, der als Moderator geladen war (eines solchen bedarf der beeindruckend eloquente und eingestandenermaßen redselige Willemsen übrigens so dringend wie der Fisch das sprichwörtliche Fahrrad), schlug vor, ein Interview per E-Mail zu führen – mit nicht mehr als zwei, drei Fragen pro Tag. Die Konversation, die unter anderem auch von Bangkok aus geführt wurde, wo Willemsen an einem im Herbst bei S. Fischer erscheinenden Buch über die nächtlichen Straßen der Stadt recherchierte, erstreckte sich über eineinhalb Wochen. Das Ansuchen um das Interview beantwortete Roger Willemsen umgehend und mit für ihn ausgesprochen untypischer Knappheit:

Roger Willemsen: Nüchtern, schießen Sie los!
Falter: Sie waren unlängst in "Willkommen Österreich" zu Gast und haben dort Ihre Entertainerqualitäten bewiesen – sogar der nicht unwitzige Oliver Baier, ansonsten nicht auf den Mund gefallen, ist sichtlich verfallen neben Ihnen. Ihr jüngstes Buch wurde zwar genannt, aber es wurde auch so was von nicht erklärt, worum es darin geht, dass man den Eindruck haben musste, das sei abgesprochen. Wäre es Ihnen unangenehm gewesen, in einer Spaß-Talkshow über den "Knacks" zu reden?
Willemsen: Sie sagen es. Die Sendung war mir ein Vergnügen. Aber man spielt schließlich auch keinen Flohwalzer auf der Beerdigung, und deshalb musste "Der Knacks" draußen bleiben – es hat ihm und mir gutgetan. Aber Österreich?
Ein Medienprofi wie Sie kann in "Willkommen Österreich" mitspielen, aber im Prinzip sind solche Formate doch hauptsächlich an den eigenen Pointen, nicht aber an ihren Gästen interessiert. Ihre Sendungen sind eher dem gegenteiligen Prinzip gefolgt. Geht Ihnen das Spaßfernsehen nicht auch manchmal auf den Wecker?
Willemsen: Tatsächlich, in Zuständen der Vitalverstimmung kommt mir der Fernsehhumor manchmal läppisch vor. Doch andererseits hat er so viele Schattierungen wie die usbekische Glasmalerei, und angst und bange wird mir eher, wenn die Dinge von Relevanz gar keine Öffentlichkeit mehr finden. Der Mensch als Ganzes hat vielleicht sein Pathos eingebüßt, aber diese Zwischentonlage des uneigentlichen, pseudo-ironischen Angewitzels, das nichts gemeint haben will und nie belastbar ist, erscheint mir ärgerlicher. Denn schließlich: Ist abhängiger, parteilicher Tendenzjournalismus, einer, der publizistisch mit in den Golfkrieg zieht, nicht schädlicher als alle Hanswurstiaden?
Können Sie denn für den Spaß das ein oder andere Beispiel geben, wo Sie sagen würden: So wird's gemacht!?
Willemsen: Ich empfange hier in Bangkok, wo ich gerade bin, ebenso wenig wie in Hamburg, wo ich wohne, ORF. Und während ich über Ihre Frage nachdenke, fällt mir ein, wie Recht Godard hatte, als er sagte: Das Fernsehen hat immer nur Vergessen produziert. Ich erinnere mich an Küppersbuschs "ZAK", an Phettbergs "Nette Leit Show", an "Schmidteinander", die "Harald Schmidt Show" an Sarah Kuttner und Charlotte Roche. Wo seid ihr nur alle hin, und welche parteiliche Selektion hat euch alle aus dem Programm gejätet?
In Österreich haben wir ein seit gefühlten zwei Jahrzehnten anhaltendes Lamento über den Niedergang des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Ist dieses auch Ihrer Meinung nach im ständigen Sinkflug begriffen? Und wie wäre er zu stoppen?
Willemsen: In einem Massenmedium wird niemand bestraft, der das Publikum unterfordert, und so ist Fernsehen das Medium der Unterforderung geworden. Kultur ist aber in der Regel Überforderung. Man müsste also Sendungen erdenken, die das Unterhaltsame des Fordernden organisieren. Im Grunde ist ja selbst "Wer wird Millionär" schon eine solche. Man muss Trojanische Pferde züchten, in deren Bäuchen sich die Vielfalt der Außenwelt findet, nicht das internationale Allerlei des Bewährten. Meine Angstvorstellung ist, dass mir am Jüngsten Tag meine Sünden mit 50 Jahren Zwangs-"Wetten dass" vergolten werden.
Haben Sie sich mit Ihren Programmen eigentlich als "Trojanisches Pferd" gefühlt – als jemand, der jetzt Kultur ins Fernsehen schmuggelt? Oder war das für Sie ganz normales Fernsehen, wie es sein sollte?
Willemsen: Anfangs nur Letzteres, aber als mir das Einladen von Politikern verboten wurde und man beim ZDF meine Fragen gern vorher sehen wollte, da ahnte ich, dass ich wohl Subversives tat. Der Auslöser für das Politikerverbot war, dass ich in einem Gespräch meinte: Kohls Doktorarbeit würde heute als Leistungsverweigerung eingestuft. Kohl sah das und lamentierte. Mir wurde angeboten, ich könne ja jetzt erst mal Politikergattinnen einladen. Wir haben ernsthaft überlegt, ob wir eine Gattung daraus machen sollen: das Politikergattinnen-Interview – aber wir haben ja keine Dagmar Koller.
Wie genau bereiten Sie sich auf TV-Interviews vor? Muss man da alles über jemand wissen, obwohl man davon dann nur fünf Prozent verwenden kann? Anders gefragt: Waren Sie schon mal schlecht vorbereitet? Und wenn ja: Hat es sich gerächt?
Willemsen: Die gute Vorbereitung brauchen Sie, weil sonst das Interviewen leicht zum Steinemelken wird, und manchmal wissen Sie durch Recherche einfach besser als der Befragte, was interessant an ihm oder ihr sein könnte. Am schlimmsten aber sind Gäste, über die Sie alles wissen und die trotzdem keine Frage inspirieren. Als ich Ornella Muti zum zweiten Mal interviewte, war ich schlecht vorbereitet. Also sagte ich: "Frau Muti, Sie drehen auf der ganzen Welt. Stellen wir uns vor, wir beide befinden uns in New York im Hotel, es ist 23 Uhr. Gehen wir aus? Was tragen Sie? Gehen wir essen oder tanzen?" So haben wir eine ganze Erzählung gesponnen, und am Ende dachte man: Nett, die Frau Muti.
Interviews im Fernsehen sind in der Regel live und dauern fünf, zehn Minuten, vielleicht mal eine halbe Stunde: What you see is what you get. Der Film "Frost/Nixon", der unlängst in den Kinos lief, zeigt ein legendäres Interview, das im Jahr 1977 über zwölf Tage in mehreren Sessions geführt wurde. Es gab fast 30 Stunden Material. Das wäre doch auch ein interessantes Format?! Täuscht mich mein Eindruck oder stimmt es, dass sich das Fernsehen mittlerweile vor sprechenden Köpfen fürchtet?
Willemsen: Die halbe Welt gilt als "nicht mediengerecht", Afrika, große Teile Asiens, Kultur: alles nicht mediengerecht. Die wahren Tabus des Fernsehens sind ja nicht Sex und Tod, sondern Leninismus und Druckgrafik der Cranach-Zeit, alles Quotenfeindliche eben. Und was das Interview­format angeht: Sicher, das wäre schön, wenn nicht in der Nachbearbeitung doch wieder alles zu "Beckmann" (ARD-Talkformat mit Reinhold Beckmann, Anm. d. Red.) würde. Der zeichnet ja heute auch schon gerne mehr auf und schneidet hinterher raus. Joschka Fischer sagte mir mal, er habe sein Interview nicht mehr wiedererkannt. Ein Angriff auf den Moderator wäre in einer solchen Sendung sinnlos, insofern öffnet die Nachbearbeitung der Manipulation Tür und Tor.
Sie haben einen prominenten Status als Fernsehpersönlichkeit, könn(t)en sich also wahrscheinlich mehr erlauben als andere. Mit welchen Vorschlägen oder Anliegen sind Sie denn schon abgeblitzt? Und was wäre Ihnen denn das größere Anliegen: Leninismus oder die Druckgrafik der Cranach-Zeit?
Willemsen: Ach, an manches kann ich mich gar nicht mehr erinnern: Ich wollte mal mit einem Team um die Erde reisen und an jedem Ort eine Geschichte erzählen, live, und so, dass man die Fremde und das Team, seine Konflikte und kleinen Geschichten gleichermaßen kennenlernt. Auch wollte ich mal eine Monatsshow machen, dann eine Gesprächssendung gemeinsam mit Charlotte Roche, eine Sendung mit dem Titel "Abenteuer Alltag", eine mit Namen "No Talk"... Was ich stattdessen bekam, das sollte eine französische Weißweinsendung auf einem Spartenkanal sein. Bei Süßwein aus Österreich hätte ich zugesagt.
Womit Sie an "den Medien" tatsächlich gescheitert sind, war das Thema Guantánamo. Sie konnten das keiner Zeitung verkaufen und mussten schließlich ein Buch daraus machen. Haben Sie eine Erklärung dafür?
Willemsen: Es war ein bisschen anders: Ich war erstaunt, dass kein großes Magazin, keine Zeitung ein ausführliches Interview mit einem der entlassenen Häftlinge machen wollte. Also zog ich aus, machte es als Buch. Dass es ein Bestseller und in mehrere Sprachen übersetzt wurde, belegt das Interesse des Publikums. In Deutschland gab es das, was der Verlag einen "Boykott" der Presse nannte. Irgendwie ärgerte man sich wohl, dass jemand auf eigene Faust gemacht hatte, was Journalisten hätten machen müssen. Warum das so war? Die deutsche Presse ist sehr amerikafreundlich, auch manchmal blind, und viele Journalisten sind mit Bush in den Golfkrieg gezogen, Massenvernichtungswaffen suchen. Kein Ruhmesblatt der freien Presse, wie sie jetzt selbst wissen. Hans Magnus Enzensberger hat schon öffentlich bereut. Aber das hat Colin Powell ja auch.
Ein Buch wie "Hier spricht Guantánamo" schreibt man ja wohl zumindest mit dem Hintergedanken oder der Hoffnung, dass es was bewirkt. Wie sieht denn da Ihre Erfahrung aus?
Willemsen: Man predigt den Bekehrten, denn wer ist für Guantánamo? Doch kann man versuchen, das Lager erfahrbar zu machen, indem man zum Vorschein bringt, was dort wirklich passiert. Und es gibt ja noch zwei Guantánamos in Kandahar und in Bagram (beides Städte in Afghanistan, Anm. d. Red.), über die man noch gar nicht zu reden begonnen hat. Mir scheint eine deutsche Vergangenheitsbewältigung, die jede Woche mit einem Film über Führers Poesiealbum aufwartet, ziemlich folgenlos. Sie müsste auch Gegenwartsbewältigung sein.
Als ich nach Graz fuhr, um Ihre Lesung von "Der Knacks" zu moderieren, sprach mich meine Abteilnachbarin ansatzlos und spontan auf Guan­tánamo an: Ob ich es richtig fände, dass nun auch europäische Länder Häftlinge aufnehmen sollten? Sie nahm bizarrerweise deswegen Anstoß daran, weil die USA ja wohl mehr als genug Platz hätten, Gefängnisse zu bauen und zu betreiben. Ich muss gestehen, dass ich in erster Linie perplex war. Sie hätten Ihr wohl ansatzlos antworten können?
Willemsen: Ja, dass man keinen Einfluss hat, wird aber in dieser Diskussion wieder deutlich. Dabei sind gut 800 Häftlinge längst entlassen worden. Von denen ist niemand straffällig geworden, aber einige wurden in ihren Heimatländern weiter gefoltert. Schließlich kommt frei nur, wer als unschuldig erkannt wurde. Hier aber gilt die Schuldvermutung: Wer im Lager war, wird schon irgendwie schuldig sein. Trostlos. Die stärkste Resonanz hat mein Buch in der muslimischen Welt gefunden. Stellen wir uns mal vor, die islamische Welt hielte in einem Lager fünf Jahre lang über 1000 Europäer und Amerikaner fest, folterten sie dort und verweigerten ihnen rechtsstaatliche Behandlung – es wäre der Stoff, aus dem Kriege sind. Da zeigt sich die islamische Welt doch eher selbstbeherrscht.
Sie haben einmal gemeint, einmal im Monat ein TV-Auftritt würde in Ihrem Falle auch reichen. Wie wichtig ist Ihnen denn der Wechsel der Medien und "Kanäle", in denen Sie sozusagen zu empfangen sind? Gibt es so etwas wie den idealen Mix?
Willemsen: Ach, ich bin nun einmal in erster Linie ein Schreibender, der die Öffentlichkeit weniger um ihrer selbst willen sucht, sondern weil es Anliegen gibt. Ich denke über die Frequenz meiner Auftritte nicht groß nach, entscheide unvernünftig, parteiisch und treibe mich lieber am Rande rum. Auf Bälle gehe ich erst, wenn Mörtel mich ruft.
Nanana, Herr Willemsen – das ist jetzt aber schon auch ein Spürchen kokett. So randständig wie Sie möchte mancher gern mal werden! Wie ich höre, füllen Sie Säle mit Hundertschaften, indem Sie ihnen dann dort Jazz aus der Konserve vorspielen. Macht das für Sie denn einen Unterschied, ob Sie in einem Studio auftreten oder in einem Konzertsaal? Anders gefragt: Wie live ist live?
Willemsen: Wahrscheinlich haben Sie Recht, aber man selbst hat wirklich das ungenaueste Bild davon, wie gegenwärtig man in der Öffentlichkeit ist. Wahr ist: Die Säle sind voll, und es gelingt immer wieder, meine Interessen und Leidenschaften auf einen Saal zu übertragen. Da das Glück der Hervorbringung größer ist als das über fertige Produkte, Waren, ist "live" wirklich das, was mich stimuliert wie eine Improvisation. Im Fernsehen gibt es dafür wenig Raum, die Bühne dagegen erlaubt fast alles.
Auch Ihre Lesungen sind offenbar richtige Performances von beträchtlicher Länge. Wie bereiten Sie sich denn vor, um dann auf der Bühne auch über längere Zeit packend improvisieren zu können?
Willemsen: Da ist auf der einen Seite das Publikum mit seiner Großherzigkeit, seiner Bereitschaft, mir 90 Minuten Zeit zu schenken. Da ist auf der anderen Seite mein Bedürfnis, die Zeit des Publikums nicht zu verschleudern, also etwas Sachdienliches, Relevantes, Amüsantes, jedenfalls Großherziges anzubieten. Zwischen beiden vermittelt meine Redseligkeit. Ich mische also gelesene Teile mit solchen sprachlicher Improvisation. Die Letzteren dürfen nicht zu genau vorbereitet sein, sonst fehlt die Freude bei der Hervorbringung der Gedanken im Sprechen.
Apropos Improvisation: Dieser Tage feiert Miles Davis' legendäres Album "Kind of Blue" seinen 50.Geburtstag – hat sich gut gehalten, finden Sie nicht?
Willemsen: Da sagen Sie was. "All Blues" war mal die Erkennungsmelodie einer meiner Sendungen – Musik, die sich nie abnutzt, weil sie immer noch den Geist der ersten Hervorbringung atmet, den einer nicht nachlassenden, unerschöpflichen produktiven Energie. Eine Musik, die immer noch fruchtbar macht.
Quincy Jones hat "Kind of Blue" mal als seinen "Orangensaft" bezeichnet – etwas, was er täglich zu sich nimmt. Können Sie sich noch erinnern, wann Sie es zum letzten Mal gehört haben? Und wie halten Sie es generell: Gibt es Musik, die sozusagen ständig in Gebrauch ist? Oder hören Sie sich gerade Musik, die Ihnen besonders lieb ist, nicht allzu oft an, damit sie nicht Gefahr läuft, sich abzunutzen?
Willemsen:Mitte der 80er saß ich an einem unverständlichen und unverkäuflichen Buch, hatte mich in eine Mansarde in Turin eingemietet und ging in den Schreibpausen mit dem Walkman über die Po-Brücken und hörte Coltrane, Monk, Miles … – erschüttert, denn dahinter öffnete sich eine unerhörte Freiheit. Zu bestimmten Titeln kehre ich immer wieder zurück. Manche gehören der Liebe, manche waren der Soundtrack einer Romanze, und ja, sie alle werden dosiert, damit sie sich nicht abnutzen, gerade die süffigen.
Ich habe mal gehört, dass der durchschnittliche Musikhörer irgendwann in seinen Twenties stehenbleibt: Der Kanon ist dann definiert. Wie ist das bei Ihnen? Und erzählen Sie doch mal von Ihrer letzten Neuentdeckung.
Willemsen: In der klassischen Musik und im Pop bin ich wohl in meinen 20ern stehengeblieben. Die World Music aber habe ich eigentlich erst später entdeckt, und der Jazz befindet sich in dauernder seismischer Aktivität. Meine letzte Großentdeckung ist Krzysztof Komeda, der polnische Soundtrack-Schreiber für den jungen Polanski, eine Art James Dean, der früh und mysteriös starb und eine Sprache, eine Polyfonie, in den europäischen Jazz gebracht hat, die mit nichts vergleichbar ist. Ich hörte ihn und bestellte mir in Kanada (anders war er nicht zu haben) gleich acht Alben.
Der Jazz eignet sich sehr gut, um "Decision" zu spielen – wollen wir das zum Abschluss vielleicht tun? Es geht so: Ich stelle zwei Alternativen zur Auswahl und Sie müssen sich für eine der beiden entscheiden und dies kurz (oder auch ausführlicher) begründen. Also: Das Miles-Davis-Quintett mit Coltrane oder das mit Wayne Shorter?
Willemsen: Es muss das mit Wayne Shorter sein, denn Coltrane hatte seine beste Zeit nicht an der Seite von Miles. So grandios beide sind, mir ist Coltrane immer eher als Solist erschienen, und als solcher braucht er mehr Freiheit, als Miles geben konnte.
"In a Silent Way" oder "Bitches Brew"?
Willemsen: "In a Silent Way", und das schon aus Faulheit. "Bitches Brew" ist so anstrengend!
Chet Baker oder Gerry Mulligan?
Willemsen: Definitiv Chet, er ist tiefer, als er schön ist, also sehr.
Bill Evans oder Thelonious Monk?
Willemsen: Wie gemein! Eigentlich unlösbar. Aber da ich Bill Evans hörig bin und sein Werk die Flügel noch weiter ausspannt, muss es Evans sein, mit schlechtem Gewissen und Kratzfuß gen Monk.
Lester Young oder Coleman Hawkins?
Willemsen: Lester Young, der härtere, kühnere, der an der Seite von Billie Holiday regelrecht Osmotische, und dann auch: der Traurigere.
Alt- oder Tenorsaxofon?
Willemsen: Gern Soprano. Aber eigentlich gibt es die Vorliebe für ein Instrument nur in Begleitung dessen, mit dem, der es spielt.
Spielen Sie eigentlich ein Instrument? Wenn ja: Wie weit haben Sie's darauf gebracht?
Willemsen: Ich war einmal ein unfähiger, Klangnebel erzeugender Vibrafon-Dilettant, der sich nicht einmal Blockflöte und Mundharmonika erfolgreich unterwarf. Meine Schwester ist Musikerin, ich musste das nicht mehr werden wollen.
Und welches würden Sie am liebsten (noch) spielen?
Willemsen: Die Redseligkeit des Klaviers
erscheint mir immer noch am eloquentesten.

Klaus Nüchtern in FALTER 14/2009 vom 03.04.2009 (S. 24)


Bitte warten...

Sie haben folgendes Produkt in den Warenkorb gelegt:

{{var product.name}}


weiter einkaufen
zum Warenkorb