Ich werde die Welt nie wiedersehen
Texte aus dem Gefängnis

von Ahmet Altan

€ 12,40
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Übersetzung: Ute Birgi-Knellessen
Verlag: S. FISCHER
Format: Hardcover
Genre: Sachbücher/Politik, Gesellschaft, Wirtschaft/Biographien, Autobiographien
Umfang: 176 Seiten
Erscheinungsdatum: 26.09.2018


Rezension aus FALTER 46/2018

Ein Manifest des Widerstands

„Ich rauche nur, wenn ich nervös bin“, sagt der türkische Schriftsteller Ahmet Altan und lehnt die Zigarette ab, die ihm ein Polizist auf dem Weg in die Untersuchungshaft anbietet. Dieser Satz, der erst in der Situation der Ohnmacht und Ungewissheit seine Bedeutung erlangt, ist eine Entscheidung. Was auch immer Altan, den weltoffenen Intellektuellen, in Recep Tayyip Erdoğans Kerkern erwartet, er wird das Regime enttäuschen. Er wird nicht denunzieren, er wird nicht in Panik verfallen, er wird sich nicht unterwerfen.

Von diesem Kampf erzählt Altan in seiner Textsammlung „Ich werde die Welt nie wiedersehen“. Deshalb ist der Titel auch nicht ein Ausdruck von Resignation. Altan weiß, dass er dem Gefängnis nicht entkommen kann, in seiner geistigen Freiheit beschränken lässt er sich nicht. „Bis heute bin ich noch nie im Gefängnis aufgewacht“, richtet er den Lesern aus.

Altan, einer der wichtigsten Schriftsteller der Türkei, wurde kurz nach dem Putschversuch im Juli 2016 gemeinsam mit seinem Bruder Mehmet, einem Volkswirt, verhaftet. Ihnen wurde vorgeworfen, im Fernsehen unterschwellige Botschaften bezüglich des geplanten Umsturzes verbreitet zu haben.

Mittlerweile wurde Altan zu lebenslanger Haft unter erschwerten Bedingungen verurteilt. Es ist nur eine der erschütternden Wiederholungen in der Geschichte der Familie. Schon Altans Vater wurde als Regimekritiker nach einem Militärputsch verhaftet (und auch er übte sich in Gelassenheit und bot den Polizisten bei seiner Verhaftung Tee an). Als die Brüder sodann der Verhandlung beiwohnten, trugen sie beide einen Anzug in dunkelblauer Farbe. Eine Zeitung verbreitete das Gerücht, sie würden dadurch eine geheime Botschaft verbreiten. „Alles auf der Welt verändert sich, nur Dummheit und Gemeinheit bleiben immer gleich“, schreibt Altan.

Er formuliert klar, in kurzen Sätzen und großer Ruhe. „Ich werde die Welt nie wiedersehen“ ist ein Manifest des Widerstands und der Lebensbejahung.

Stefanie Panzenböck in FALTER 46/2018 vom 16.11.2018 (S. 25)


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