Foucault
Der Philosoph als Samurai

von Paul Veyne, Ursula Blank-Sangmeister

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Reclam
Erscheinungsdatum: 01.04.2009

Rezension aus FALTER 26/2009

Nein, Foucault war kein Strukturalist, nein, er war auch kein 68er" – ein mutiger Anfang angesichts der vielen Schubladen, in die der sich ändernde und methodisch wechselhafte Meister der Denksysteme schon eingereiht wurde. 25 Jahre nach seinem Tod am 25. Juni 1984 ordnet hier ein Freund die Bilder, die einer der wichtigsten Philosophen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts im kollektiven Gedächtnis hinterließ.
Den Philosophen Foucault und den Historiker Veyne verband nicht nur die Tätigkeit an Frankreichs Überuniversität Collège de France. Foucault ging teilweise selbst historisch an die Erscheinungen der Welt heran. "Archäologie des Wissens" nannte er seine Methode. Da konnte ein echter Historiker nur nützlich sein: "Abends erzählte er mir, was er tagsüber ausgearbeitet hatte, um zu sehen, ob ich im Namen der Wissenschaft Einspruch erhöbe", berichtet der Autor von einer intensiven intellektuellen Freundschaft.
Der Historiker wird selbst zum Philosophen, allerdings ohne Foucaults hohen Anspruch an den Leser. Veyne handelt die zentralen Ideen und Begriffe seines Freundes ab, eine systematische Interpretation wird dar­aus nicht. Dafür bliebe in der ansprechend zu lesenden Mischung aus Leben und Werk auch zu wenig Platz. Einblicke gewährt Veyne oft an den Schnittstellen zwischen Arbeit und Privatem: "Er lebte vor allem für seine Bücher und seine Ideen. In regelmäßigen Abständen gestand er mir seinen Kummer, seine Vorlesungen nicht rasch genug veröffentlichen zu können." Eine Biografie ist das kleine Buch nicht geworden. Wie hier das Leben und die Persönlichkeit Foucaults umkreist werden, kann man aber als großen Essay bezeichnen.
"Foucault. Sa pensée, sa per­sonne" lautet der Originaltitel. "Person" wäre eine unzulängliche Übersetzung, es geht um die Gestalt. Den oft schwer fassbaren Philosophen Gestalt annehmen zu lassen, das gelingt dem Autor. Der Samurai ist eines der Bilder, die er dafür verwendet: Über die Bücher des Kämpfers im Geiste befindet er: "Sie sind mit dem Schwert geschrieben, mit dem Säbel eines Samurai, eines durch und durch nüchternen und grenzenlos kaltblütigen und reservierten Mannes."

Andreas Kremla in FALTER 26/2009 vom 26.06.2009 (S. 19)


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