Susan Sontag. 100 Seiten

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Kurzbeschreibung des Verlags:

»Susan Sontag hat mein Leben verändert. Die Beschäftigung mit ihr hat mir schlagartig klargemacht: Denken kann glamourös sein, und es kann unsere Sinne schärfen.«
Susan Sontag ist Kult. Für Generationen von Studierenden ist die New Yorker Intellektuelle ein Vorbild, ihre Essays zu Politik und Popkultur, aber auch zu Philosophie, Fotografie, Literatur und Sexualität sind bewusstseins- und stilprägend. Ihr bewegtes Leben (und Liebesleben) an der Seite zahlreicher Berühmtheiten – von Andy Warhol bis Annie Leibovitz – hat ebenfalls zum Mythos Sontag beigetragen. Anna-Lisa Dieter resümiert: Susan Sontag hat dem Denken erst Glanz verliehen – und es dabei geschafft, zum moralischen Gewissen Amerikas zu werden.

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FALTER-Rezension

Liebeserklärung an das It-Girl von Theorie und Kunst

Susan Sontag, das ist so eine, an der kann man sich sowieso nicht sattlesen. 90 Jahre würde die amerikanische Autorin und Intellektuelle dieser Tage. Aus diesem Anlass brachte die Münchner Literaturwissenschaftlerin Anna-Lisa Dieter in der 100-Seiten-Reihe des Reclam-Verlags einen schmalen biografischen Essay heraus. Dabei gelingt es ihr, auf "knappstem Raum eine echte Essenz von Sontags Werk zu präsentieren" (Süddeutsche Zeitung). Tatsächlich, es ist eine fesselnde Lektüre, die sowohl Einsteiger ins Sontag-Fantum begeistern kann als auch Sachkundige und alte Fahrensleute dieses Metiers mit Freude erfüllt.
Susan Sontag ist ein Role Model für die unabhängige, literarisch operierende Intellektuelle, die sich für die gesamte Welt interessiert. Und besonders war und ist sie bis heute ein solches Vorbild für Frauen und queere Personen. Aber sie ist zugleich auch ein Fall für sich. Werk und Person, das lässt sich in Sontags Fall noch viel weniger trennen, als es sich sonst nicht trennen lässt.

"Ich will mit vielen Leuten schlafen. Ich gedenke nicht, mich von meinem Verstand dominieren zu lassen", notierte sie einmal. Sexuelle Beziehungen und Begegnungen -"mit vielen Leuten" -, da ging es wahrscheinlich nicht primär um Sex und Geilheit, sondern darum, möglichst viele Menschen intensiv kennenzulernen.

Ohnehin ist kaum ein Begriff so zentral bei Sontag wie der der "Intensität". Sie setzte sich aus, gierte nach Intensität, erfand sich stets neu, und dabei hatte sie auch eine skurrile pedantische Note. Sontag führte Listen von Büchern, die sie lesen müsse, von Kinofilmen, von allem. Das hatte etwas rührend Streberhaftes.

1933 in New York als Susan Lee Rosenblat geboren (Sontag, den Namen, bekam sie vom zweiten Mann der Mutter), besuchte sie als Teenagerin Thomas Mann in Kalifornien. Susan war so etwas wie ein kindliches Genie, heiratete noch als Teenie ihren Universitätsdozenten, wurde Mutter -und brach nach Paris auf, wo sie in die Boheme und Avantgarde geriet.

Hier traf sie auch die Entscheidung, "ihren Mann und die universitäre Welt zu verlassen und von nun an ein ungebundenes und unabhängiges Leben als Schriftstellerin und freie Intellektuelle zu führen". Sie schrieb brillante Essays, die sie berühmt machten, wie "Gegen Interpretation" oder "Anmerkungen zu Camp", sie schrieb über Filme, Popmusik, Malerei, über Roland Barthes, Canetti oder Fotografie, publizierte in den angesagten Intellektuellen-Magazinen, aber auch in der Vogue und in Harper 's Bazar.

Sie war von Glamour umgeben und verfolgte eine Strategie der Prominenz. Sie saugte Ideen und Gesten auf. Sie schlief mit Jasper Johns, Robert Kennedy und Annie Leibovitz (Letztere wird ihre Langzeit-Liebe bis zu ihrem Tod).

Einen Text schreiben, spannenden Menschen begegnen, eine Ausstellung besuchen, zwei Kinofilme, dann noch zwei Vernissagen und ein Konzert - das war so ein typischer Sontag-Tag. Sie war auch Repräsentantin eines Lebensgefühls und so etwas wie ein It-Girl von Theorie und Kunst. Drei Mal im Leben erkrankte sie an Krebs, zwei Mal besiegte sie ihn, indem sie die härteste, brutalste Therapie wählte. Kaum genesen, "nahm [sie] ihre früheren Gewohnheiten wieder auf, schlief wenig, aß unregelmäßig und rauchte viele Zigaretten am Tag "

Ihre Texte waren tiefgehende Studien, indem sie sich auf ihre Zeit einließ, war sie mehr als nur die Protokollführerin von Zeit, Geist und Zeitgeist -sie hat diese auch mitgeprägt. Diese Meinungen hatten stets etwas äußerst Interessantes an sich, selbst dann, wenn sie falsch lag.

Robert Misik in Falter 51-52/2022 vom 23.12.2022 (S. 27)

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Produktdetails
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ReiheReclam 100 Seiten
ISBN 9783150206751
Ausgabe Originalausgabe
Erscheinungsdatum 15.11.2022
Umfang 100 Seiten
Genre Sachbücher/Philosophie, Religion/Biographien, Autobiographien
Format Taschenbuch
Verlag Reclam, Philipp