Näher als erlaubt

Wie sich die Politik mit Steuergeld Medien kauft
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Kurzbeschreibung des Verlags:

Seine Kritiker nannten ihn den „Boulevardkanzler“. Ex-SPÖ-Regierungschef Werner Faymann pflegte ein inniges Verhältnis zu den Boulevardzeitungen. Großzügige, mit Steuergeld bezahlte aber inhaltsleere Werbeschaltungen wurden im Gegenzug mit freundlicher Berichterstattung belohnt.
Die inoffizielle Devise lautete: "Good news for cash". Sogar die Staatsanwaltschaft interessierte sich einst für solche Vorgänge. Was Faymann als Erster im großen Stil betrieb, hat die türkise ÖVP inzwischen perfektioniert. Unter Sebastian Kurz verdreifachten sich die Werbeausgaben der Bundesregierung in Zeitungen auf 3 Millionen Euro pro Monat. Und das in einem Markt, in dem traditionelle Print-Produkte aufgrund der voranschreitenden Digitalisierung von Jahr zu Jahr mehr unter Druck geraten. Inserenten wandern in Scharen zu den Plattformen von Google und Facebook ab. Eine Lücke, die
die Politik gezielt und zu ihren Gunsten mit Geld füllt. „Näher als erlaubt“ legt dieses Netzwerk aus gegenseitigen
Abhängigkeiten offen. Mit Hilfe einer Datenbank der FH Joanneum konnten Geldflüsse dargestellt werden, die die Staatsspitze bisher in unlesbaren Zahlenkolonnen versteckte. Dabei zeigt sich, dass keineswegs nur die Wiener
Gratiszeitungen mit unverhältnismäßig hohen Beträgen bedacht werden, sondern auch so manches Qualitätsblatt hoch oben in der finanziellen Gunst der Regierenden steht. Das Buch beschreibt, wie durch die geschickte Formulierung von Gesetzen über die Jahre Millionen von Euro zur Förderung von Parteizeitungen und profitablen Medienkonzernen verschoben wurden, während für kleinere Publikationen und Wochenblätter nur Brosamen übrig blieben. Und es benennt
konkrete Vorfälle, in denen öffentliches Geld als Druckmittel gegen die Freiheit der Presse eingesetzt wurde.
Ein Medienthriller, der sich weit abseits der illiberalen Demokratien des Ostens mitten in Österreich abspielt.

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FALTER-Rezension

Es ist das Thema des politischen Jahres 2022: Medienkorruption in Österreich. Warum gibt die Regierung fast zehn Mal so viel für Werbung aus wie ihr deutsches Pendant? Warum verspricht sie Transparenz über geschaltete Inserate, leistet sie aber nicht? Warum wird seit Jahren über eine Presseförderung, die an überprüfbare, qualitative Kriterien gebunden ist, diskutiert, aber es passiert nichts? Warum beugt sich die österreichische Medienlandschaft der "Message Control" der Politik? Der Journalist Andreas Wetz (Addendum, News) beschreibt in seinem sehr lesenswerten Buch die Hintergründe und Zusammenhänge, die Österreichs politmedialen Komplex zu dem gemacht haben, was er ist: eine Spielwiese für Bestechlichkeit und Bestechung.

Wetz porträtiert Akteure und Institutionen, er nimmt uns mit an die Orte, wo über Förderungen entschieden wird, wie die Kommunikationsbehörde Austria, oder sich Lobbys organisieren, wie beim Verband Österreichischer Zeitungen. Er liefert den historischen Kontext bis zurück in die 1970er-Jahre, in denen die Presse-und Parteienförderung passenderweise gleichzeitig entstanden, und dokumentiert die jüngsten Medienkorruptionsfälle im Zuge des Ibiza-Skandals.

Medien und Politik, das ist ein komplexes, schwer zu entwirrendes Thema, aber Wetz gelingt es, nicht zuletzt dank der Porträts und Reportagen in seinem Text, es anschaulich und spannend zu schildern. Bei dem Thema Medienkorruption kann man sich als Beobachter einen anklagenden Ton schwer verkneifen, Wetz bleibt aber sachlich und spart auch nicht mit Kritik an der Seite der Medienmacher. Gut arbeitet er heraus, dass nicht nur die Regierung die eingespielten Abhängigkeitsverhältnisse nicht kappen will, sondern auch die jeweiligen Medienunternehmer ihre eigenen Interessen verfolgen und sie über das große Ganze, eine Reform der Medienförderung, stellen. Wetz kritisiert dabei auch die sogenannte "Qualitätspresse", die es sich zu einfach mache, wenn sie reflexhaft auf den "Boulevard" als Profiteur der Inseratenpolitik schimpft.

Barbaba Tóth in Falter 6/2022 vom 11.02.2022 (S. 19)

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Produktdetails
Mehr Informationen
ISBN 9783200078772
Erscheinungsdatum 14.10.2021
Umfang 184 Seiten
Genre Sachbücher/Politik, Gesellschaft, Wirtschaft/Politik
Format Taschenbuch
Verlag Verlagsgruppe NEWS Medienservice GmbH
Covergestaltung von Age de Carvalho
Herausgegeben von Verlagsgruppe NEWS Medienservice GmbH
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