Das Buch von der Vagina. Unter dem Feigenblatt

von Francesco Valitutti, Diego Verdegiglio, Christiane Winkler

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Europa
Erscheinungsdatum: 01.01.2002

Rezension aus FALTER 12/2002

Zwei Italiener haben ein anekdotenreiches Buch über das primäre weibliche Geschlechtsorgan verfasst – und konnten dabei nicht ganz verleugnen, männlichen Geschlechts zu sein.

"Ein Mösenhaar hat mehr Zugkraft als ein Ochsenkarren." Dieser Spruch seines Urgroßvaters begleitete Francesco Valitutti seit frühester Kindheit. Im Freundeskreis erregte er damit Aufsehen, lange bevor er sich auch nur das Geringste darunter vorstellen konnte. Als ihn Jahrzehnte später sein Verleger fragte, ob er ein "Buch über die Vagina" schreiben wollte, gab ihm die Erinnerung an diesen Spruch angeblich den entscheidenden Anstoß, damit anzufangen. Ursprünglich war Valitutti vom Auftrag etwas irritiert gewesen: Das Buch sollte das Pendant zu Maggie Paleys kurz zuvor erschienenem Werk "Unter dem Feigenblatt. Das Buch vom Penis" werden. Erst, als Francesco Valitutti sich der Mitarbeit seines Freundes Diego Verdegiglio versichern konnte, eines "Weiberhelden", der ihm als "Praktiker" beraten sollte, sagte er zu. Gleich zu Beginn stehen die beiden vor dem Problem, dem Objekt ihrer Betrachtungen einen Namen zu geben. Aus der Vielzahl der möglichen Bezeichnungen bleibt schließlich keine einzige zufriedenstellende übrig – entweder sind sie den Autoren zu technisch, zu literarisch, zu anstößig oder zu poetisch. So ist also stets von IHR (immer in Großbuchstaben) die Rede,was von Beginn an ein gewisses Flair von Heiligkeit verbreitet. Am Anfang steht: die Mythologie. Weil das Menschengeschlecht schon nach Kain und Abel irgendwie fortbestand, wundert es wenig, dass griechische Götter auch Oberschenkeln, Baumrinden und Drachenzähnen entspringen konnten – und die Vagina zu mythischen Zeiten somit offenbar für Reproduktionszwecke keineswegs unerlässlich war. Die Autoren fasziniert das ebenso wie die "Magie des Orients" – die vielen fantasievollen erotischen Erzählungen und Gesänge auf das "Juwel im Lotus" aus dem fernen Osten. Dann aber halten es die Autoren anscheinend für nötig, auch biologischmedizinische Fakten unterzubringen. Dabei wollen sie nicht allzu streng und wissenschaftlich wirken: Die Anatomie der Vagina wird in Form eines etwas bemühten Berichts über die glitschige Tour einer Reisegruppe ins Innere des weiblichen Geschlechts abgehandelt. Und für die Menstruation entsinnt sich Valitutti der damals mysteriös erscheinenden Befindlichkeiten seiner ersten Freundin.

Vom Mythos der Jungfräulichkeit geht es weiter zu ein paar Anekdoten über die verschiedenen Spielarten der Sexualität, von Zoophilie bis Cyber-Sex. Ein paar Seiten weiter gibt es mehr oder weniger bewährte Erkenntnisse, eher beliebig ausgewählte Methoden zur Empfängnis und zu deren Verhütung nachzulesen. Dann wieder gibt es einen schweifenden Blick auf fremde Kulturen, die abstoßenden Praktiken der Verstümmelung weiblicher Geschlechtsorgane und den Kampf dagegen. Ein paar Seiten später folgt der nächste abrupte Themenwechsel: Geschlechtskrankheiten. Dann wieder finden sich Betrachtungen über die Vagina im Film, in der Malerei und in der Musik. Und zu guter Letzt gibt es ein paar Witzchen, deren Auswahl noch einmal ins Gedächtnis ruft, dass die meisten Autoren Männer sind. Befürchtet hatten sie, sich lächerlich zu machen, geben Francesco Valitutti und Diego Verdegiglio im Nachwort zu. Seriös wollten sie sein und umfassend informieren. Entstanden ist ein über weite Strecken etwas beliebig wirkendes Sammelsurium aus Geschichten und Geschichtchen – zusammengehalten vom roten Faden des ewig lockenden Weiblichen.

Birgit Dalheimer in FALTER 12/2002 vom 22.03.2002 (S. 26)


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