Eine elementare Einführung in die Theorie der Turing-Maschinen

von Oswald Wiener, Manuel Bonik, Robert Hödicke

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Springer Wien
Genre: Informatik, EDV/Anwendungs-Software
Umfang: 9 Seiten
Erscheinungsdatum: 08.05.1998

Rezension aus FALTER 41/1999

In einer Welt von Computer-Benutzern, die – nicht zufällig – zugleich eine Welt der mechanistischen Erklärungen ist, sollte ein beträchtlicher Teil des in diesem Buch Gebotenen zur Allgemeinbildung gehören." Dieser Satz leitet "Eine elementare Einführung in die Theorie der Turing-Maschinen", verfasst von Oswald Wiener, Manuel Bonik und Robert Hödicke, ein und legt zugleich Absicht und Anspruch des Buches fest.
Die "elementare Einführung" gliedert sich grob gesprochen in zwei Teile, deren erster sich nach einer kurzen Definition des Maschinenbegriffs primär mit der Funktionsweise von "Turing-Maschinen" beschäftigt. Diese sind, nach ihrem Schöpfer, dem britischen Mathematiker Allen Turing, benannt, keineswegs konkrete Maschinen, sondern mathematische Abstraktionen, die von Turing ursprünglich erdacht wurden, um das Verhalten von Menschen mathematisch zu beschreiben. Später wurden Turing-Maschinen zum Inbegriff dessen, was "mechanisch machbar" ist, und damit schließlich auch zum kanonischen mathematischen Modell digitaler Computer.
Im ersten Teil wird die Programmierung dieser fiktiven Maschinen sehr ernst genommen und gezeigt, wie man durch gekonntes Zusammenfügen mehrerer Programme auch komplexere Aufgaben mit Turing-Maschinen erledigen kann. Dabei werden ganz nebenbei Themen wie "modulare Programmierung" oder "Darstellung natürlicher Zahlen" behandelt. Dem Verständnis des Materials besonders zweckdienlich sind die Beispiele im Text, die den Stoff veranschaulichen, und die zahlreichen Übungsaufgaben, deren Lösung im Anhang abgedruckt ist. Die Ausführlichkeit, mit der die Leserinnen und Leser durch die einzelnen Programme geführt werden, ist sicherlich eine der Stärken dieses Buchs, das dadurch dem Attribut "elementar" im Titel vollauf gerecht wird.
Der zweite Teil des Buches verlässt das Feld der Programmierung, um dem Leser Resultate der Theorie der Berechenbarkeit zu vermitteln. Die Autoren verdienen in dieser Hinsicht sicherlich Anerkennung, denn ihnen ist die Aufbereitung abstrakter mathematischer Konzepte in relativ leicht verdaulicher Form gelungen, ohne die Inhalte in einer allzu simplifizierenden Darstellung zu verzerren. Selbst die abschließende Variante des Gödelsatzes sollte so für den Leser, der Durchhaltevermögen bewiesen hat, verständlich werden.

Was all dies hingegen mit der metaphysischen Theorie der Mechanisierung zu tun hat, bleibt offen und wird auch im Nachwort nicht wirklich befriedigend geklärt. So wird der Leser, der das Vorwort für bare Münze genommen hat, das Buch letztlich etwas enttäuscht weglegen, denn weder wird er praktisch im Computeralltag davon profitieren, noch wird er verstehen, wie sich philosophische Argumente für oder wider mechanistische Erklärungen auf die Theorie der Turing-Maschinen berufen können.

Matthias Scheutz in FALTER 41/1999 vom 15.10.1999 (S. 36)


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