Manker
Invention

von Werner Kofler

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Verlag: Deuticke in Zsolnay
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Erzählende Literatur
Umfang: 91 Seiten
Erscheinungsdatum: 07.01.1990

Rezension aus FALTER 12/1999

"Nein, Manker, so nicht"

Wieder greift Werner Kofler nach einem Zipfel Wirklichkeit. Er heißt (Paulus) Manker, macht so ziemlich alles falsch, ist gemeint und auch wieder nicht.
Das Buch sollte ursprünglich "Karfreitagsmord" heißen; es heißt jetzt aber "Manker". Schuld daran ist der Verlag oder besser gesagt der Grafiker des Verlages, weil mit dem Wort "Karfreitagsmord" jene grafische Spielerei, die sich auf dem Cover von "Manker" mit dem Wort "Manker" anstellen läßt, eben nicht moglich gewesen wäre. Das Buch heißt also "Manker" (genauer: "Manker Invention"), und das ist gut so.
Werner Kofler ist an den Manker über den Umweg des ORF geraten. Vor zwei Jahren legte der Autor den kleinen Prosatext "Furcht und Unruhe" vor; darin schildert er eine gewaltsame Szene mit realem Hintergrund: Der stehengelassene Ehemann der Geliebten des Autors verschafft sich des Nachts Zutritt zu dessen Wohnung; der Schriftsteller protokolliert den Gewaltakt in einem dichten Stenogramm. Dieser Text nun, "Furcht und Unruhe", wurde vom ORF in ein Horspiel umgesetzt, als Sprecher wurde Paulus Manker verpflichtet (dessen Vorname in "Manker" aber ungenannt bleibt). Die Situation des Prosatextes "Manker" ist eine sehr einfache: Der Schriftsteller sitzt zu Hause am Schreibtisch, wohnt der im Radio gesendeten Vertonung bei und findet das Ganze schlicht gesagt fürchterlich.
"Manker" ist aber keine Horspiel-Kritik; "Manker" ist (wenn überhaupt) eine Kritik an Manker; Manker ist die Person, gegen die sich der Sprechduktus richtet. Jeder Stimmeinsatz des Schauspielers wird seziert und korrigiert. Einen Regisseur, der wie Kofler andauernd dazwischenfunkt, würde nicht nur Manker, sondern kein Schauspieler dieser Welt überstehen. Allzu wichtig sollte man die Person des Manker dann aber doch nicht nehmen: Mit der Nennung des Eigennamen wird bloß die Wirklichkeit an einem letzten greifbaren Zipfel gefaßt.
Manker ist nur ein kleines Beispiel für ein umfassendes Diskurskonglomerat. Nicht um die Person und ihre Eitelkeit geht es (obwohl der echte Manker schon angekündigt hat, das Buch all seinen Freunden und Feinden zu schenken), sondern um die Rollen, die die Person verkorpert: Manker als Sprecher des Horstücks; Manker als Schauspieler, der seine Rollen nicht mehr ablegen kann; Manker als einer, der der Zeitschrift News ein Interview gibt und darin Sigrid Loffler denunziert.
Bilanz über den literarischen Tabubruch, den Kofler mit der Nennung des Namens begeht, wäre also erst auf der nächsten Ebene zu ziehen, dort, wo der konkret genannte Name mit der Gegenwart und diese ihrerseits mit der Vergangenheit verrechnet wird. Auch diese Ebene der Koflerschen Gesellschaftsanalyse, absurd an der Oberfläche und treffsicher im Detail, wird man in "Manker" finden: Vom Schnüren von Sparpaketen ist dort ebenso die Rede wie von der Villacher "Grinsgesellschaft", das "Hirngespinst" Wiener Gruppe geht um wie die "violetten Eier" einiger bekannter Schlager- und Fernsehgroßen; hinter dem Tanzcafé Lerch (welches jedem Kärntner ein Begriff ist) tut sich das Tanzcafé Treblinka auf, der ewige Kapellmeister der Koflerschen Texte, Odilo Globocnik, treibt auch im Hintergrund von "Manker" sein Unwesen.
Kofler stellt all diese Versatzstücke in den eigenen Text, nur will hier die "Valorisierung des Profanen", wie Boris Groys es nennen würde, nicht gelingen. Die Dinge bleiben bei Kofler, was sie sind, nämlich profan, die Erlosung von der Trivialität will keiner Kunst der Welt gelingen. Dies ist das eigentliche Drama, welches die Erloserfiguren bei Kofler erleiden, die ohnehin einem fortwährenden Angriff ausgesetzt sind. Manker fügt sich hier nahtlos in die bestehenden Galerien ein: Nitsch, Heller, Haider (und zwar beide) und jetzt eben auch er.
Die Erloserfiguren verkorpern selbst jene Profanität, die der Verwirklichung ihrer Träume aus Kunst und - viel schlimmer noch - aus Politik entgegensteht. Die wahre Enderlosung findet bei Kofler folgerichtig nicht durch die Erloser, sondern von den Erlosern statt, wie es auch im Motto von "Manker" geschrieben steht:
"Mir träumte von einem Zauberkünstler, dessen Kunststück darin bestand, sich selbst zu verspeisen."

Klaus Kastberger in FALTER 12/1999 vom 26.03.1999 (S. 9)


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