Austreiben
Vampir-Roman

von Ernst Molden

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Verlag: Deuticke
Erscheinungsdatum: 01.01.1999

Rezension aus FALTER 41/1999

In "Austreiben", dem neuen Roman des Wiener Schriftstellers Ernst Molden, werden unschuldige Wiener von seltsamen sexuellen Erlebnissen verwirrt. Doch Dr. Sommer weiß Rat.

Die Lobau im Nordosten der großen Stadt Wien ist eine komische Gegend", heißt es im Prolog des neuen Romans von Ernst Molden. Und tatsächlich ereignen sich hier, "im Ausguss Wiens", haarsträubend seltsame Dinge.
Der Erste, der dies am eigenen Leib erfahren muss, ist der beliebte Radiomoderator Joe Eid. Eigentlich wollte er sich ja nur sein Leben ein bisschen erträglicher trinken, mit einem Doppler am Marswasser in der Lobau. Ein paar Seiten weiter aber schüttelt der diensthabende Arzt am SMZ-Ost den Kopf: Neben einer Schürfwunde an der Schläfe und einer abgebissenen Brustwarze ist ihm vor allem Eids Skrotum ein Rätsel. "Ihre Hoden sind vollkommen entleert", erklärt er dem verwirrten Moderator. "Ich meine wirklich vollkommen. Mein Kollege hat erklärt, Sie müssten in kürzester Zeit etwa 15 bis 20 Mal ejakuliert haben, um einen solchen Zustand zu erreichen, was ich mir schwer vorstellen kann."
Ein paar Stunden später dreht Eid während seiner mitternächtlichen Radiosendung durch, on air, und wird in die Psychiatrie eingeliefert. Eine Serie von mysteriösen Amokläufen im transdanubischen Naherholungsgebiet beginnt.
Es ist eine der schönen Seiten des Rezensierens, dass man Bücher von jungen Autoren zu lesen bekommt, die begeistern und auf die man vielleicht nicht unbedingt von selbst gestoßen wäre. Ernst Molden ist so ein Fall. Der 31-jährige Wiener beeindruckt in seinem neuesten Roman mit seinem eigenen, etwas ruppigen Sprachrhythmus (Molden liebt Absätze), seinem zwischen Opulenz und Einfachheit changierenden Vokabular und der magnetischen Wirkung des Handlungsverlaufs.
Ganz außerordentlich gut ist ihm in seinem "Vampir-Roman" aber auch die Figur der Kommissarin Mimi Sommer gelungen. "In der Vollendung ihres fünfunddreißigsten Lebensjahres begriffen", liegt sie etwa im Kapitel "Porträt einer Heldin" missmutig im Bett in ihrer stickigen, lauten Einzimmerwohnung am Donaukanal, brütet, ruht und "starrt auf die Innenseite ihrer Lider, und das ist das Beste, was man tun kann, wenn man so aussieht wie Mimi, wenn man so allein ist wie sie." Hässlich, hart und ohne Hoffnung – selten war eine Hauptfigur sympathischer.
"Austreiben" ist eine literarische Glanzleistung, eine hypnotische Kottan-ermittelt-meets-Akte X-Melange, an der wohl auch dem Transzendenten zugewandte Damen wie etwa Lotte Ingrisch ihre helle Freude hätten. Bleibt nur zu hoffen, dass Molden auch in zukünftigen Romanen Verwendung für seine kultverdächtige Protagonistin finden wird.

Stefan Ender in FALTER 41/1999 vom 15.10.1999 (S. 13)


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