Machalan

von Doris Mayer

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Deuticke
Erscheinungsdatum: 01.01.2000

Rezension aus FALTER 12/2000

Doris Mayer verfolgt in "Machalan" den Lebensweg einer jungen Frau, die Hitler am Heldenplatz ins Auge blickt.
Heldenplatz, März 1938. In der Menschenmasse ist auch Viktoria, eine junge Frau, die auf Wunsch ihres Mannes nach Wien gekommen ist, den Führer zu bewundern. Gedränge am Platz. Viktoria stolpert, fällt zu Boden, kommt nicht mehr auf. Plötzlich weicht die Menge zurück, Stille. Viktoria spürt eine Hand, die sich ihr entgegenstreckt und sie hochzieht. "Die Augen!", durchfährt es sie. "Diese Farbe! Etwas Besonderes! Nur nicht bewegen, immer so dastehen dürfen und in diese Augen blicken!"
Hitlers Augen. So blau. Doris Mayer glaubt es genau zu wissen. Ihr Roman "Machalan" traut sich so manches zu. Immerhin versucht er ein Panorama jener Zeit, da Österreich vor dem Führer in die Knie geht.
Viktoria, eine polnische Waise, wächst bei ihrer Tante im Burgenland auf. Schon in jungen Jahren verbündet sie sich mit Außenseitern, mit Juden, Behinderten, Kauzen. Die Ehe mit einem Nazi entpuppt sich als Fehler, der Flirt mit des Führers Augen als kurze emotionale Verirrung. Viktoria bleibt sich treu, ahnt, wohin Hitler und seine Horden ziehen. Weil sie weiß, wo Gut und Böse zu Hause sind. Und gerade darin liegt auch eine der Schwächen des Romans: Es gibt nur Schwarz und Weiß.
"Machalan" ist pannonischer Holzschnitt: eindrücklich in der Schärfe der ländlichen Szenen, doch grob geschnitzt. Immer wieder finden sich Passagen, die ungelenk und spröde klingen, die rhythmisch nicht ganz im Lot sind und unnötig viele Bilder und Vergleiche bemühen. Doris Mayer, vom Lektorat des Deuticke Verlags ganz offensichtlich allein gelassen, holt weit aus. Alles muss ausgesprochen, jedes Gefühl, selbst das Naheliegendste, erklärt und breitgetreten werden. Das macht den Roman trotz seiner ereignisreichen inhaltlichen Konzeption sperrig und träge.
Viel zu deutlich spürt man, wohin sich die Geschichte entwickelt. Viktoria verliert Tante und Mann, ihre beiden Kinder werden ihr weggenommen und landen bei strammen Nazis, sie selbst lebt im Untergrund, nachdem sie das örtliche Hitler-Denkmal in die Luft gejagt hat. Wären da nicht die wirklich treuen Freunde, die sich suchen, finden und retten. Zu guter Letzt siegt sie dann doch noch, die Gerechtigkeit: Viktorias deportierte und getötete jüdische Vertraute und deren Vermächtnis verhelfen ihr zu einem neuen Leben.

Susanne Schaber in FALTER 12/2000 vom 24.03.2000 (S. 6)


Bitte warten...

Sie haben folgendes Produkt in den Warenkorb gelegt:

{{var product.name}}


weiter einkaufen
zum Warenkorb