Der Weihnachtshund

von Daniel Glattauer

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Verlag: Deuticke
Erscheinungsdatum: 01.01.2000

Rezension aus FALTER 50/2000

Köter, Küsse, Kotze

In seinem Debütroman "Der Weihnachtshund" erzählt Daniel Glattauer von faulen Kötern und kotzenden Liebhabern.

Okay, puristische Parteigänger intellektueller Reflexionsprosa werden bei der Lektüre von Daniel Glattauers Buch "Der Weihnachtshund" kaum auf ihre Kosten kommen. Müssen sie auch nicht. Glattauer hat einen hübschen, kleinen Zerstreuungsroman geschrieben, ein amüsantes Vademecum für nebelverhangene Vorweihnachtstage, nicht mehr und nicht weniger.

Aufgebaut ist der Debütroman des Standard-Kolumnisten wie ein Adventkalender. Das erste Kapitel spielt am ersten Dezember, das Grande Finale - erraten - am vierundzwanzigsten. Die Liebesgeschichte, um die es in erster Linie geht, beginnt mit einer Anzeige im Internet: Max, Anfang dreißig, ist Hundekolumnist und Weihnachtshasser, konsequenterweise will er das angeblich schönste Fest des Jahres heuer auf den Malediven verbringen. Das einzige Problem dabei: Er hat kein Obdach für seinen krankhaft faulen Deutsch-Drahthaar Kurt. Um diesem Übelstand abzuhelfen, gibt er besagtes Inserat auf: "Mein Hund feiert Weihnachten wie üblich daheim. Sein Herrl (ich) sicher nicht. Also nehmt mir den Hund ab. Er ist zutraulich und pflegeleicht. Er ist ein guter Hund."

Diese Anzeige liest die von vorweihnachtlichen Depressionen zerknautschte Augenarzt-Assistentin Katrin. Man kann sich ungefähr denken, wie die Geschichte weitergeht - und genauso geht sie auch weiter. Glattauer erzählt die älteste Story der Welt ungeniert neu: Man meets woman. Bevor sich Max und Katrin allerdings unter den lethargischen Blicken Kurts in die Arme sinken, sind mannigfache Hindernisse zu überwinden (sonst wärs ja kein Roman). Modernste Kommunikationsmittel kommen dabei ebenso zum Einsatz wie altmodischste Gefühle (Sehnsucht, Leidenschaft, Begierde).

Bevor Glattauers Liebesgeschichte in ein heiteres Finale mündet, muss Held Max noch eine veritable Großstadtneurose überwinden: Der Liebhaber in spe leidet nämlich unter einer (obacht, jetzt wirds grotesk) psychosomatisch bedingten "Kusshemmung". Mit neun musste Max unter Gruppendruck ein fettes Mädchen küssen - die wulstige Sissi. Die Rudelführer seiner Bubenbande hatten ihm diese Mutprobe auferlegt.

Seit diesem Erlebnis verhält sich Max Frauen gegenüber, nun ja, ambivalent. Einerseits begehrt er sie heftig, andererseits muss er, sobald eine Liebhaberin von ihm den Zungenkuss erheischt, kotzen. Das beeinträchtigt sein Verhältnis zum weiblichen Geschlecht, wie man sich denken kann. Welche Frau hat es schließlich schon gern, wenn sich ein Mann bei zärtlicher Lippenberührung die Seele aus dem Leib reihert?

Wie Max diese Neurose überwindet, wie er und Katrin nach allerhand Konfusionen doch noch ein Paar werden, und was aus Maxens Flugticket auf die Malediven wird - das alles erzählt Glattauer in Form eines kurzweiligen Advent-Märchens. Das Buch ist leicht und pastellhaft geschrieben - eine übermütige Mischung aus "E-Mail für dich" und "Krambambuli". Wie in seinen Glossen und Feuilletons entzückt uns der Autor auch diesmal mit Sprachwitz und spitzbübischem Charme.

Günter Kaindlstorfer in FALTER 50/2000 vom 15.12.2000 (S. 77)


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