Prost Mahlzeit!
Essen und Trinken mit gutem Gewissen

von Henriette Gupfinger, Gabriele Mraz, Klaus Werner

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Deuticke
Erscheinungsdatum: 01.01.2000

Rezension aus FALTER 45/2000

Anständig essen

Wie sieht der ökologisch und politisch korrekte Einkaufskorb aus? Ein neues Buch gibt Anleitung zum bewussteren Einkaufen - ohne Konsumenten dabei den Spaß verderben zu wollen.

Kiwis zu Beispiel, Kiwis sind ganz, ganz böse. Ein Kilo neuseeländische Kiwis ist genauso böse wie 6800 Kilo steirische Äpfel. Zumindest wenn es nach der Ökobilanz geht. Um nämlich die paar beigen Beerenfrüchte vom Ursprungsland auf der anderen Seite der Erde in eine Wiener Obstschale zu bringen, werden durch den Transport 136 Kilowattstunden verbraucht - das entspricht 38 Tagen Dauerfernsehen oder 680 Kilo Kiwis aus Italien. Oder 6800 Kilo regionalem Obst, steirischen Äpfeln eben. Und darum ziehen gewissenhafte Menschen 6800 Kilo steirische Äpfel einem Kilo Kiwis vor.

Jetzt ist "Prost Mahlzeit! - Essen und Trinken mit gutem Gewissen" erschienen. Das Autorentrio Henriette Gupfinger, Gabriele Mraz und Klaus Werner will mit seinem Buch eine Entscheidungshilfe beim Lebensmitteleinkauf bieten - denn auch die im Reformhaus gekaufte Tiefkühlpizza oder die "gute" Bioschokolade haben auf ihrem Weg in den politisch korrekten Warenkorb schon eine Menge Umwelt "verbraucht". Vom gesundheitlichen Aspekt ganz abgesehen.

"Wir möchten mit dem Buch den Leuten nicht die Lust am Genießen verderben", sagt der ehemalige Falter-Mitarbeiter, Sprecher des Ökologie Instituts und Coautor Klaus Werner. "Es geht jetzt nicht darum, dass jeder den perfekten Einkaufskorb nach Hause trägt, sondern wir wollen ganz normalen Supermarktkunden dabei helfen, mit den gegebenen Möglichkeiten ein bisschen was zu verbessern."

So präsentiert "Prost Mahlzeit!" - aufgeteilt nach den verschiedenen Warengruppen, vom Brot über Gemüse bis zu Süßwaren - nicht nur die Ökobilanz, sondern auch landwirtschaftliche Aspekte (was heißt überhaupt "Bio"?) und die soziale Verträglichkeit der Produkte. Denn mit dem Konsumverhalten kann mitbestimmt werden ob Lebensmittel unter menschenwürdigen Bedingungen hergestellt werden oder ob damit Sklaverei und Kinderarbeit finanziert wird.

In den Bananenplantagen in Südamerika arbeiten Menschen unter unmenschlichen Arbeitsbedingungen und werden ungerecht entlohnt. Da die Früchte im monokulturellen Anbau besonders anfällig für Schädlinge und Krankheiten sind, werden schwerste Gifte eingesetzt, die bei den Arbeitern gravierende körperliche Schäden verursachen. Mitunter werden nicht nur die Plantagen, sondern auch Straßen, Spielplätze und Wohngegenden - vom Flugzeug aus - mit den Insektiziden bestäubt. Die Autoren empfehlen, entweder auf Bananen zu verzichten oder "fair" produzierte Ware zu kaufen.

Doch auch in Europa gibt es Ausbeutung, beispielsweise bei der Produktion von Obst und Gemüse mithilfe unterbezahlter Arbeitskräfte aus Nordafrika in Spanien. Wegen der rechtlosen und halblegalen Situation der Erntehelfer kommt es hier immer wieder zu sozialen Spannungen. Auch Globalisierung, Fleischkonsum und die Produktion von Futtermitteln auf der südlichen Halbkugel (Werner: "Praktisch fressen wir denen das Zeug z'samm") haben enorme Auswirkung auf soziales und ökologisches Klima, ebenso wie Verpackung, Kühlung oder Transport.

Essen hat einfach eine enorm politische Bedeutung", so der Autor. "Wenn man die Dinge weiß, rechtfertigt das schon, sein Konsumverhalten zumindest zu überdenken." Genau dazu will das Buch anregen. Anhand von Öko-Rankings mit vier Symbolen können Konsumenten überprüfen welche Produkte gut oder böse sind, ein Jahreszeitenkalender hilft bei der Wahl des korrekten Produkts zur richtigen Zeit. Dabei bleibt immer noch ein Entscheidungsspielraum. "Je näher der Ursprung, desto besser ist die Bilanz des Produktes, je weiter weg, desto weniger Kontrolle hat man", beschreibt Klaus Werner die Eckpfeiler des Ratgebers. "Wenn man die Wahl hat, sollten Bioprodukte und die Umwelt weniger belastende Verpackungen bevorzugt werden." So ist Orangensaft wegen der Produktion und der "Anreise" schlechter als Apfelsaft. Ein Kilo Rindschnitzel - selbst wenn es aus Ökotierzucht stammt - belastet die Atmosphäre mit etwa doppelt so viel Kohlendioxid wie ein Kilo Hühnerfleisch. Glashaussalat braucht bis zu zehnmal mehr Energie als Freilandsalat. Auch Klaus Werner hat nach der Recherchearbeit sein Konsumverhalten umgestellt: "Im Supermarkt brauche ich jetzt viel mehr Zeit, weil ich die Herkunft der Produkte genau studiere und danach meine Auswahl treffe."

Außerdem hat der Ökoautor die Schokoladenseite gewechselt. "Statt Milka gibts jetzt Bioschokolade", sagt er. Die ist zwar doppelt so teuer, dafür isst man weniger, weil sie nur halb so gut schmeckt. Aber dafür mit gutem Gewissen.

Christopher Wurmdobler in FALTER 45/2000 vom 10.11.2000 (S. 83)


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