Last Exit Odessa

von Peter Zimmermann

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Verlag: Deuticke
Erscheinungsdatum: 01.01.2002

Rezension aus FALTER 12/2002

In seinem Roman "Last Exit Odessa" überfrachtet Peter Zimmermann eine vergnüglich wüste Story mit zuviel Ballast.


Auf dem Umschlagbild von "Last Exit Odessa" lehnt ein Mann an einer Wand, er schnippt sich gerade die Asche seiner Zigarette in die flache linke Hand und schaut sehr beeindruckend aus. Das Gesicht ist jung und trotzdem schwammig, die Augenbrauen sind geschminkter- oder retouschierterweise sehr, sehr schwarz; er trägt ein heftig gestreiftes Hemd unter einem grau schillernden Gilet und eine Mütze. Der Blick: stark und hoffnungsleer zugleich. Wenn das Buch halb so gut ist wie das Umschlagbild, denkt man sich, geht die Sache in Ordnung. Das Buch ist in etwa halb so gut wie das Umschlagbild. Peter Zimmermann erzählt da eine angenehm grenzphantastische Geschichte eines Mannes, der sich gürtelrosengepeinigt auf der Suche nach einer gestohlenen Nudelfabrik befindet, in Odessa. Während dieser kommt ihm und also auch dem Leser ein literaturbegeisterter Kommissar mit Faible für "Vanillemuschis" unter, ein toter Spanier sowie ein lebender Spanier, der einen dänischen Namen trägt, ein S.O.S. furzender Irrer, ein geheimnisumwitterter Türsteher eines Edel-Schwulenpuffs und vieles mehr.

Kurz: Die Story passt schon. Nur: Zimmermann kümmert sich nicht so recht um sie. Wie einem schmächtigen, unterernährten Maultier lädt ihr der ORF-Hörfunkredakteur zahllose Gedanken-Packen auf, und das arme Ding kommt damit nur recht mühsam von der Stelle. Tagesaktuelles und Ewiges, Tiefgründiges und Seichtes, Kierkegaard, Goethe und Beckett, Shakespeare, Proust und Cervantes, Clinton, Sex, Scheißen und die große Sinnsuche: Das alles und noch einiges mehr zwängt Zimmermann in seinen zweiten Roman. Und das ist mitunter etwas viel. Subtrahierte man den ganzen Tand von der Romansumme, man hätte daraus mit Leichtigkeit fünf Essays, vier Glossen, etliche Satiren sowie eine Handvoll Bonmots und Aperçus herstellen können, das verbliebene Werk hätte an Straffheit und Homogenität gewonnen, und Zimmermann hätte mit dem Schotter für die Essays, Glossen et cetera locker noch einmal ins schöne Odessa fahren können.

Stefan Ender in FALTER 12/2002 vom 22.03.2002 (S. 45)


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