Über Raben
Roman

von Paulus Hochgatterer

€ 20,50
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Verlag: Deuticke in Zsolnay
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Umfang: 238 Seiten
Erscheinungsdatum: 12.03.2002

Rezension aus FALTER 12/2002

Noch bevor der Roman überhaupt begonnen hat, wird der Leser mit Signalen der Düsternis nachgerade
bombardiert. Der Titel "Über Raben" lässt an Edgar Allen Poe denken; dann die Widmung: "Für die bösen Kinder und die schlechten Lehrer"; es folgt ein Zitat: "Aus dem Walde tritt die
Nacht (…) nun gib Acht"; und schließlich
der erste Satz: "Manchmal fragte er sich, ob in den allerletzten Augenblicken sein Leben tatsächlich vor ihm ablaufen würde wie ein innerer Film."

Die auf diese Weise erweckten Erwartungen werden allerdings einigermaßen enttäuscht. Gewiss, ein Rabe kommt ab Seite 151 schon vor. Aber wenn es nach der Informationsdichte ginge, müsste das jüngste Buch von Paulus Hochgatterer eher "Über Alpinisten" heißen. Und von Schauerästhetik kann auch nicht wirklich die Rede sein. Der Mann, der da im steirischen Fels herumkraxelt, ist jedenfalls Deutschlehrer und hat entweder etwas Schlimmes angestellt oder aber ein Rad ab. In jedem Falle hat er seine bürgerliche Normalexistenz mit Frau und Kind hinter sich – und das allem Anschein nach nicht gerade freiwillig. Hinter sich wähnt er auch ausgewählte Kollegenschaft in Begleitung der Polizei. Noch ist sie nicht aufgetaucht, aber der Mann ist jedenfalls gerüstet – unter anderem mit einem Gewehr; einem Weatherby, um genau zu sein, und die Bücher von Hochgatterer sind in dieser Hinsicht sehr genau.

Der zweite Handlungsstrang des Romans wird von den Aktivitäten einer etwas seltsamen, allem Anschein nach alleine lebenden 13-Jährigen bestimmt: Valentina Behold (der Name wird ein einziges Mal erwähnt) hat ein Faible für Satzanalyse, englische Vokabeln und für Todesarten. Mit ihrer Freundin malt sie sich aus, wie Postbeamte oder Maronibrater adäquat dahinscheiden. Ansonsten tätigt sie eigenartige Einkäufe (Flohvernichtungsmittel), betreut eine
gelähmte Nachbarin, deren Kreditkarte ihr gute Dienste leistet, und war – wie sich im Zuge des Romans herausstellt – offensichtlich die Schülerin
des kletternden Deutschlehrers. Was die beiden verbindet, bleibt der Fantasie des Lesers überlassen – wie es so schön heißt. Und diese wird aufs Angenehmste angeregt.

Klaus Nüchtern in FALTER 12/2002 vom 22.03.2002 (S. 4)


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