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von Martin Amanshauser

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Verlag: Deuticke in Zsolnay
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Lyrik
Umfang: 206 Seiten
Erscheinungsdatum: 21.01.2002

Rezension aus FALTER 11/2002

In seinen vergnüglichen Gedichten aus zwei Jahrzehnten verweigert Martin Amanshauser Tiefsinn und die Verpflichtung auf politisches Bewusstsein.

Martin Amanshauser hat eine lose Zunge und einen losen Kopf. Das weiß man von seinen Romanen. Ein paar lose Gedichte erschienen schon 1999 ("in der todesstunde von alfons alfred schmidt"); die meisten von ihnen finden sich auch im aktuellen Band, der eine Art "gesammelter Lyrik" des Autors vorlegt, 132 Gedichte aus den Jahren 1983 bis 2001. Martin Amanshauser ist Jahrgang 1968.

Ein Luftikus nimmt die Welt so leicht, dass sie sich zu reimen beginnt. Amanshausers Sprache weigert sich, richtig einzurasten in ihre Verantwortlichkeiten: die Dinge auf Posten zu stellen, Ordnung zu schaffen unter ihnen. Die Schwerkraft der Verhältnisse wird ersetzt durch den Charme der Reime. Amanshausers Kreativität enthält viel Übermut und Mutwillen. Immer wieder denkt man an Morgenstern, Ringelnatz, an die Schlagfertigkeit von Kästners Reimen oder an Okopenkos Quertreibereien. Sinn ist fad, Ordnung ist fad, dafür vergeudet man keine Gedichte. Liebe und Sex zum Beispiel sind subversiv; sind geeignet, die Wirklichkeit zu lüften und zu lüpfen, und geben damit einen Hauptförderer für Amanshausers lustvolle Umstürze ab.

"dein kleiner zeh kann meine schwerkraft stören
bis wir nicht mehr in dieses all gehören."

Außer der Liebe gibt es noch Impressionen, Personen, Tristessen, alle quer zur Wirklichkeit gesehen oder gestellt. Und es gibt den puren Nonsense. Eine Brausetablette holt sich ein Brausetablett, um die Liebeskräfte zu nützen, die ihr nach einer Liebesnacht mit dem Autor geblieben sind.

"Was die beiden machten - keine Idee
der Kopf tat mir Kopf tat sehr weh."

Refrains wie
"Ibn Amr wurde heute
zum Zollinspektor ernannt"
oder
"Und keine Hoffnung mehr für Lauda" geben völlig absurde Antworten auf scheinheilige Sinnfragen. Antworten sind wohl überhaupt absurd.



Amanshausers Reimtänze und Wortdrehungen verscheuchen den Alltag. Dahinter steht aber trotzdem eine große, prinzipielle Verneinung, nicht des Lebens, sondern seiner Ausbeutung durch Tiefsinn, Gesetze, Funktionen, Ideologien. Diese Verneinung betrifft zum Beispiel auch die Pflicht zum politischen Bewusstsein: "Hitlers Einfall in Birma" war sein bester, insoferne er auf diesen Einfall verzichtete. Und Göring taugt überhaupt nur mehr als Reimwort für Hering. Das älteste Gedicht des Bandes ("Maulwurf") stammt von 1983 (da war Amanshauser 15!):

"Nichts sagen!
Was immer du sagen kannst, hat keine und
überhaupt keine Bedeutung.
(...) taste auf deiner Haut:
Ordnungsgemäß sind Knochen und Sehnen
und Muskeln verbunden. Also bitte nichts sagen."

Dieser Grundzug der Interpretationsverweigerung, zum größten Teil schuld an der Absurdität von Amanshausers Welten, hält sich bis zu den letzten Gedichten.
"Sag einfach, du bist kein Mensch" (2001):

"Der Wettergott hat frei. Es gibt kein Wetter.
Verkehrsgott auch frei: keine Straßenbahn.
(...) Im ersten Sender spielt kein Programm
und auch das zweite bringt absolut nichts.
Kein Mensch kann diese Zeilen lesen
& erreicht kein Ende keines Gedichts."

Dieses Nein hebt die Dichterlaune, lockert die Dichterworte und trägt entscheidend dazu bei, dass Amanshausers Gedichte zum Vergnüglichsten und Haarsträubendsten gehören, was derzeit auf dem Lyrikmarkt zu haben ist.

Helmut Gollner in FALTER 11/2002 vom 15.03.2002 (S. 63)


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