Der russische Phönix
Das Erbe aus der Asche

von Gerhard Mangott

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Kremayr & Scheriau
Format: Hardcover
Genre: Sachbücher/Politik, Gesellschaft, Wirtschaft
Umfang: 224 Seiten
Erscheinungsdatum: 02.03.2009

Rezension aus FALTER 13/2009

Mühsam entsteigt der russische Phönix der Asche

Vergangenes Jahr noch spielte der "russische Bär" eine ­Hauptrolle im Welttheater. Der 5-Tage-Krieg ­gegen Georgien, der Gasstreit mit der Ukraine und das undurchschaubare Machtverhältnis zwischen dem alten und dem neuen Präsidenten hatten die Debatten über Außen-, ­Petro- und Innenpolitik Moskaus über Monate hinweg angefeuert.
Es waren zwei epochale Ereignisse und deren Folgen, die Russland eine Nebenrolle zuweisen sollten: Lehman Brothers' Fall und Barack Obamas Aufstieg. Seither gehen Meldungen aus Moskau – Stichworte Politkowskaja-Prozess, Atomaufrüstung, Ramsan Kadyrow – im globalen Krisenalltagswirbel unter.
Insofern erscheint "Der russische Phönix" des Innsbrucker Politologen Gerhard Mangott zu ungelegener Zeit. Die Verleger mag das stören, das Buch selbst nimmt daran keinen Schaden. Seit einigen Jahren schon prägt Mangott den heimischen Diskurs über Russland auf erfrischend nüchterne und bemerkenswert verständliche Art. In diesem mehrheitsfähigen Duktus ist auch das Buch verfasst, Zielgruppe sind offenkundig Russlandneulinge.
Der Themenladen ist üppig gefüllt: Raubprivatisierungen und Tschetschenienkriege, (Dys-)Funktionalität des Staatsapparates und Energiepolitik. Wer in 60 Unterkapiteln auf 220 Seiten so viel unterbringen will, der kann den Anspruch einlösen, die "großen Linien der Entwicklung" nachzuzeichnen, mehr aber nicht. "Die kurze Geschichte Russlands von 1991 bis 2009" wäre ein treffenderer Untertitel als "Das Erbe aus der Asche".
In Stakkato erläutert Mangott die bisherigen drei russischen Präsidenten und analysiert deren Vorstellungen von Macht und Demokratie: der charismatische Semi­demokrat Boris Jelzin, der das Amt des Staatspräsidenten von den demokratischen Ins­titutionen weitgehend abkoppelte; der autokratische Wladimir Putin, der Ex-Geheimdienstler ins Zentrum der Macht holte und die bereits beschädigte kritische Öffentlichkeit konsequent abschaffte; der technokratische Reformer Dmitri Medwedew, der sich von seinem Gönner zu emanzipieren sucht.
Angesichts der aktuellen Wirtschafts- und Finanzkrise, schreibt Mangott, sei eine Zunahme der autoritären Züge sehr wahrscheinlich: "Repressive Herrschaft auf Dauer untergräbt aber ihre eigenen Fundamente."

Stefan Apfl in FALTER 13/2009 vom 27.03.2009 (S. 25)


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