Triceratops

von Stephan Roiss

€ 20,00
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Verlag: Kremayr & Scheriau
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Umfang: 208 Seiten
Erscheinungsdatum: 17.08.2020


Rezension aus FALTER 35/2020

„Triceratops“: Der Junge muss an die frische Luft

Dass in dieser Familie etwas im Argen liegt, ist von der ersten Seite an klar: „Die Tür unseres Kinderzimmers stand weit offen. Hörten wir ein Schluchzen, gingen wir hinunter ins Wohnzimmer und setzten uns ans Kopfende des Sofas. Wir streichelten Mutters Stirn (…). Wir sagten Mutter, dass wir sie lieben. Es war nicht wahr.“

Hinter dem Wir, das hier spricht, steht ein Ich: Der Erzähler von Stephan Roiss’ Debütroman, der es auf die Longlist für den Deutschen Buchpreis geschafft hat, ist ein schweigsamer Bub, der in schwierigen Verhältnissen groß wird. Die ältere Schwester hat länger Schule, der Vater muss arbeiten, darum ist der namenlos bleibende Junge oft mit seiner psychisch schwer angeknacksten Mutter allein. Die Familie ist für ihn kein sicherer Hafen, Momente von Leichtigkeit erlebt er nur bei seiner Großmutter – wo er einquartiert wird, wenn Mama auf die Psychiatrie muss.

Trist? Schon. „Triceratops“ könnte thematisch und vom Setting – irgendwo in der Provinzhölle – veritable Depri-Lektüre sein. Ist es aber nicht. Denn dieser Junge, dem viel zu viel abverlangt wird, erweist sich notgedrungen als starker Charakter.

Früh legt er sich einen Schutzschild zu, so wie der Dinosaurier Triceratops. Sein Blick auf den in seiner Familie grassierenden Wahnsinn, der später auch seine Schwester erwischen und zu einer Tragödie führen wird, ist denkbar unsentimental. In der Pubertät will er Mama dann gar nicht mehr streicheln, er flieht in die Natur und in die Hütte des Großvaters.

Sprachlich überzeugt „Triceratops“ nahezu auf voller Länge. Der Ton stimmt, bei aller Nüchternheit schreibt der aus dem oberösterreichischen Ottensheim stammende Roiss eine sehr musikalische Prosa. Auch die Genauigkeit der Betrachtungen nimmt für den Text ein.

Er lässt vieles in Schwebe; was er anvisiert, ist dafür jedoch umso präziser beobachtet. Roiss versteht sich zudem auf szenisches Schreiben, was beim Lesen starke Bilder evoziert – das berühmte Kino im Kopf.

Das Genre der Psychiatrie-Literatur ist um einen eigensinnigen Roman reicher.

Sebastian Fasthuber in FALTER 35/2020 vom 28.08.2020 (S. 36)


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