Geld

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Kurzbeschreibung des Verlags:



„Es ist wichtig zu verstehen, worum es bei politischer Vermögensverteilung geht: Recht, Macht und Ressourcen. Dass diese Verteilung transparent und demokratisch stattfinden sollte, muss außer Frage gestellt werden. Vermögensungleichheit zerreißt das Miteinander.“






Zaster, Moneten, Knete, Marie: Wer Geld hat, redet nicht darüber; wer es nicht hat, jagt einem meist unerreichbaren Heilsversprechen hinterher. Immer jedoch geht Geld mit Macht Hand in Hand und ist oft ein Mittel, um Beziehungen zu führen, ohne sich auf Augenhöhe auf diese einlassen zu müssen. Nicht umsonst heißt es oft: Wer das Gold hat, macht die Regel. Warum eigentlich?



Marlene Engelhorn tut etwas, was so einigen Schweiß auf die Stirn treibt: Als Erbin eines beträchtlichen Vermögens redet sie über Geld – und besteht darauf, dass wir alle es tun. Wie viel ist genug? Was ist das gute Leben für alle? Wie wollen wir teilen? In wessen Händen liegt das Recht, zu entscheiden? Wenn wir nachhaltige Antworten wollen, müssen wir uns persönlich sowie gesellschaftlich damit auseinandersetzen, was Geld eigentlich ist. Ein Druckmittel? Eine sichere Bank? Ein erstrebenswertes Ziel oder der direkte Weg ins Verderben? Marlene Engelhorn seziert mit spitzer Feder unser Verhältnis zu Geld – und entwirft eine Vision, die zeigt, dass gerechte Umverteilung nur demokratisch wirken kann.

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FALTER-Rezension

Der Aufschrei der reichen Dame: Besteuert mich!

Geld wird von den Menschen in die Welt gesetzt, beginnt jedoch sofort ein Eigenleben. Es ist Zahlungsmittel, praktikabel für den Tausch von Gütern, aber auch Wertaufbewahrungsmittel.
Wird es zu Kapital, wird es dynamisch, "geldheckendes Geld", wie Karl Marx das nannte. "Es verwandelt die Treue in Untreue, die Liebe in Hass, den Hass in Liebe ( ) den Blödsinn in Verstand, den Verstand in Blödsinn" (Marx). Das, "was wir besitzen sollten, das besitzt uns" (Hugo von Hofmannsthal), es vergiftet alle Beziehungen, hat aber auch seine positiven Wirkungen, wie der Soziologe Georg Simmel schon wusste: Geld entlässt uns zugleich in die Anonymität, denn wegen des Zahlungsmittels muss ich dem Bäcker nicht sympathisch sein, wenn ich von ihm Brot will. Geld ermöglicht so "Individualisierung und Freiheit". Zudem ist es Simmel zufolge ein "fortwährender Stachel zur Tätigkeit", führt zur "Pausenlosigkeit des modernen Lebens", zu produktiver Geschäftigkeit.

Viele Bücher oder Kunstwerke wären nie geschaffen worden ohne die Geldnot des Künstlers, der Künstlerin.

Zumindest Letzteres kann für das Buch "Geld" ausgeschlossen werden. Marlene Engelhorn, die Autorin, 30, Germanistikstudentin in Wien, erlangte Bekanntheit, weil sie von ihrer Familie einen hohen Millionenbetrag als Erbe übertragen bekam und in die Öffentlichkeit als "überreiche" Person trat, die den Überreichtum anklagte. Sie ist Mitbegründerin der Initiative "taxmenow", also quasi der Lobbygruppe Vermögende für Vermögenssteuern.

Doch nicht dieser für sich genommen schon bemerkenswerte Umstand erregte Aufmerksamkeit, sondern auch die Kombination aus ruhiger Besonnenheit und Radikalität, mit der die junge Frau in ihren öffentlichen Auftritten beeindruckte. In diesem klugen Buch schreibt sie nun als überreiche Person, die Ungleichheiten kritisiert - und doch beschränkt sie sich nicht auf die Politik in der ersten Person.

Überreichtum zerreißt Gesellschaften, denn die Konzentration von Vermögen bei den einen führt zu ökonomischer Prekarität und Abgehängtheit bei den anderen. Da Geld auch Macht ist, zerstört es die Demokratie. Wir halten den Geist von Gleichheit und Republik hoch, erlauben aber letztlich ständische Vorrechte. All das kritisiert Engelhorn, geht darüber aber weit hinaus.

Sie preist eine "Theorie des guten Redens", versucht eine Sprache für Geld zu finden, dafür, was es mit den Einzelnen macht, mit den Beziehungen, die für das gesellschaftliche Tier Mensch zentral sind. Ist, wer mehr Geld hat, mehr wert?, fragt sie. "Ich weiß, dass die moralische Antwort Nein und die tatsächliche Antwort Ja lautet, weil wir Menschen einander so behandeln."

Überall mischt Geld "unterschwellig mit". Arme und Reiche, sie werden auf "Geld reduziert, auf ihr Zuviel und ihr Zuwenig". Geld macht neurotisch. Reiche wissen nie genau, ob sie gemocht werden - oder ihr Geld. Geldnot führt zu Scham, Unsicherheit, Angst - eine Angst, über die aber, wegen der Scham, selten gesprochen wird. Geld ist "Vermögen", das nicht nur alles aneignen kann, sondern dem Besitzer eines großen Haufens davon alle Möglichkeiten zu öffnen vermag. Im Doppelsinn des Wortes "vermögen" sitzt das drin wie der Hase im Hut des Illusionisten.

Engelhorn hat ein Gespür - für die Verwandlung aller Verhältnisse in Geldverhältnisse, für die Angst, für die psychischen Folgen von Unterprivilegiertheit, für die "Geldfremdheit" zwischen den Menschen und, als Germanistin, für den doppelten Boden von Sprache.

Robert Misik in Falter 49/2022 vom 09.12.2022 (S. 22)

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Produktdetails
Mehr Informationen
Reiheübermorgen
ISBN 9783218013277
Erscheinungsdatum 26.09.2022
Umfang 176 Seiten
Genre Sachbücher/Politik, Gesellschaft, Wirtschaft/Gesellschaft
Format Hardcover
Verlag Kremayr & Scheriau

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