Erzherzog Johann
Bauer - Bürger - Visionar

von Hans Magenschab

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Styria
Erscheinungsdatum: 01.10.2008

Rezension aus FALTER 51/2008

Neues von der Brunnenfigur

Hans Magenschab nimmt sich viel vor, wenn er eingangs seiner nicht streng wissenschaftlichen Publikation meint: "Nun ist es zu beweisen, dass Erzherzog Johann das größte politische Talent unter den Habsburgern seit Joseph II. war, ein vitaler Feuergeist und unorthodox wie keiner seit Maximilian I."

Mit beinahe rührender Anteilnahme beschreibt der Jurist und ehemalige Sprecher von Bundespräsident Thomas Klestil die Stationen des Kaiserbruders: dessen Affinität zu Tirol, seine überwiegenden Niederlagen in den Napoleonischen Kriegen, die Bemühungen um die industrielle und kulturelle Entwicklung der damaligen Steiermark bis zu den politischen Posten des Reichsverwesers der Paulskirche beziehungsweise des Bürgermeisters von Stainz. Daneben schildert Magenschab die Beziehung zu Johanns Brüdern, allen voran Kaiser Franz II. (I.), wie zu anderen historisch interessanten Persönlichkeiten wie Andreas Hofer oder Staatskanzler Metternich.
Dabei folgt er auf weiten Strecken wörtlich seinem bereits 1981 ebenfalls im Styria-Verlag erschienenen Buch: "Erzherzog Johann. Habsburgs grüner Rebell."
Magenschab bedient sich einer sehr leserfreundlichen Sprache, die die Lektüre unterhaltsam gestaltet, für Historiker an manchen Stellen zu interpretiert und gefühlsbetont, für Laien mitunter zu detailliert.
Bedacht, die dem Habsburger von Zeitgenossen angelasteten Verfehlungen zu entkräften, scheint es an einigen Stellen, als wollte der Autor den Erzherzog in Schutz nehmen. Dabei entsteht das Bild eines "das Gute" wollenden, aber letztendlich naiv scheiternden Adeligen, dem Magenschab am Ende seiner Ausführungen zugesteht: "Und Johanns Image hatte sich bedauerlicherweise nicht durch seine Politik geformt, sondern durch seine Trinksprüche, seine Reden und seine Romanze." Das politische Talent Johanns kann in seinem guten Willen, sich für die Bevölkerung einzusetzen, erahnt werden, realpolitisch verhält sich der Erzherzog eher patschert. Bleibt die Frage der Relation zu den anderen Habsburgern.
Fazit: Eine unterhaltsame Darstellung der Person, die als Brunnenfigur am Grazer Hauptplatz mitunter verkannt wird.

Jörg Silldorff in FALTER 51/2008 vom 19.12.2008 (S. 54)


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