Margarete Schütte-Lihotzky

Architektin – Widerstandskämpferin – Aktivistin
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Kurzbeschreibung des Verlags:


"Ich bin keine Küche"
Die Architektin Margarete Schütte-Lihotzky (1897–2000) war weit mehr als die Erfinderin der Frankfurter Küche, die sie berühmt machte. Zeit ihres langen Lebens war sie oft die Erste: die erste weibliche Architekturstudentin in Österreich und die erste Frau, die in diesem Beruf arbeitete und erfolgreich war. Die soziale Frage war ihr ein ehrliches Anliegen, für das sie architektonische Lösungen suchte und fand. Aus Opposition zu Adolf Hitler wurde sie Kommunistin, engagierte sich im Widerstand, wurde verurteilt und entging nur knapp der Hinrichtung. Als sie während des Kalten Krieges in Wien fast keine Bauaufträge mehr bekam, arbeitete sie auf Kuba, in Ostberlin und in China. In Leben und Arbeit vereinte sie Politik, Pragmatismus und Pioniergeist. Mit einem Nachwort der Architekturprofessorin Uta Graff, Technische Universität München, Lehrstuhl für Entwerfen und Gestalten

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FALTER-Rezension

Schrebergärten für den Neuen Menschen

Die Frankfurter Küche wurde sie ein Leben lang nicht los. Dem Publikum war die Wiener Architektin Margarete Schütte-Lihotzky (1897–2000) als Gestalterin einer Küche bekannt, die die Arbeit am Herd möglichst einfach machen sollte und die Hausfrau dennoch nicht vom Leben der Familie abtrennte. Der Entwurf entstand 1926, als Schütte-Lihotzky für das Frankfurter Hochbauamt tätig war. Allein in der Main-Metropole wurde sie 10.000 Mal gebaut. Die Autorin Mona Horncastle revidiert in einem gut recherchierten biografischen Abriss das Bild vom one-trick pony. Nach dem Studium arbeitete Schütte-Lihotzky für das Siedlungsamt der Stadt Wien, das nach dem Ersten Weltkrieg die Wohnungsnot mit Schrebergärten bekämpfte. Hier entwickelte Schütte-Lihotzky ein Verständnis für standardisierte Haustypen, die dem rationalistischen Zeitgeist entsprachen.

Als das sozialdemokratisch regierte Frankfurt am Main ein groß angelegtes Wohnbauprogramm startete, machte es mit Ernst May einen Protagonisten des Neuen Bauens zum Stadtrat für Bauwesen. Zu Mays Team gehörte auch Schütte-Lihotzky, deren politische Einstellung sich in Frankfurt radikalisierte. Sie nahm Architektur in erster Linie nicht mehr als ästhetische, sondern als soziale Aufgabe wahr. Als Ernst May 1930 eine Einladung in die Sowjetunion erhielt, um Städte zu bauen, kam sie mit.

Ausführlich geht das Buch auf die Zeit im Widerstand ein, die begann, als Schütte-Lihotzky 1940 nach Wien zurückkehrte und sich den Kommunisten anschloss. Nach ihrer Enttarnung verbrachte sie vier Jahre in Gefängnissen, die sie später in dem Buch „Erinnerungen aus dem Widerstand“ schildern wird. Mit ihrer Befreiung 1945 begann das lange letzte Kapitel im Leben der Architektin, das dem Nachkriegsösterreich kein gutes Zeugnis ausstellt. Als KPÖ-Mitglied blieb sie von öffentlichen Aufträgen ausgeschlossen. Auch hier bemüht sich die Biografin Horncastle um Sachlichkeit und notiert den problematischen Dogmatismus. Bis zuletzt blieb Schütte-Lihotzky eine gläubige Kommunistin.

Matthias Dusini in Falter 6/2020 vom 07.02.2020 (S. 32)

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Produktdetails
Mehr Informationen
ReiheFrauenbiografien
ISBN 9783222150364
Erscheinungsdatum 19.11.2019
Umfang 304 Seiten
Genre Sachbücher/Geschichte/Biographien, Autobiographien
Format Hardcover
Verlag Molden Verlag in Verlagsgruppe Styria GmbH & Co. KG
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