Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran

von Eric-Emmanuel Schmitt, Annette Bäcker, Paul Bäcker

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Ammann
Erscheinungsdatum: 01.01.2003

Rezension aus FALTER 50/2003

Manchmal trifft es den Richtigen. Das deutsche Debüt von Eric-Emmanuel Schmitt, die Erzählung "Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran", hält sich seit Monaten auf einstelligen Plätzen in den Bestsellerlisten. Dank Elke Heidenreich, die mit "Lesen!" im ZDF Werbung für Bücher macht, die nicht weh tun, nicht anstrengen und dennoch nicht als belanglos gelten müssen: "Ein Lehrstück in Sachen Güte", jubelte sie über "Monsieur Ibrahim", "ein unendlich zartes, schönes und liebevolles Buch!" In dem es darum geht, dass ein vom allein erziehenden Vater vernachlässigter 12-Jähriger von seiner Freundschaft mit einem kauzigen Gemüsehändler erzählt, der ihn in die Geheimnisse des Lebens einweiht. Brisanz bekommt diese Freundschaft, weil der Junge mosaischen Glaubens und der Gemüsehändler Mohammedaner ist. "Unendlich schön"? "Anrührend" oder "witzig" hätte es auch getan.

Etwas gewagter fällt da schon der Nachfolger "Oskar und die Dame in Rosa" aus. Wieder wählt Schmitt die scheinbar naive Erzählperspektive eines Kindes, wieder ist die Bezugsperson ein älterer Mensch. Doch diesmal ist der Junge nicht nur verlassen und unglücklich, sondern todkrank. Er liegt mit Leukämie im Krankenhaus und weiß, dass er nicht mehr lange zu leben hat: "Offen gesagt, meine [Rückenmark-]Transplantation hat hier sehr enttäuscht", schreibt er in einem Brief an Gott. Die Dame in Rosa, eine Art Krankenschwester zur Aufmunterung von (tod)kranken Kindern, rät dem aufgeweckten Zehnjährigen, diese Briefe zu schreiben, damit die unausgesprochenen Gedanken "nicht zu stinken anfangen". Außerdem überzeugt sie den Jungen, dass er jeden Tag zehn Jahre älter werde. So bekommen wir Oskars Lebensgeschichte im Schnelldurchlauf: erste Liebe, Heirat, Midlife-Crisis und das Alter - alles im Krankenhaus. Das Erfrischende an diesem Buch ist die Frechheit des frühreifen Oskars, die so etwas wie Melodramatik gar nicht erst aufkommen lässt - ein Stück philosophische Literatur, das dem Leser Mut macht, sich auch den schlimmsten Vorstellungen zu stellen.

Thomas Askan Vierich in FALTER 50/2003 vom 12.12.2003 (S. 62)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Oskar und die Dame in Rosa (Eric-Emmanuel Schmitt, Annette Bäcker, Paul Bäcker)

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