Ciao Vaschek

von Friedrich Kröhnke

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Ammann
Erscheinungsdatum: 01.01.2003

Rezension aus FALTER 44/2003

Anfang der 1990er-Jahre, kurz nachdem der Eiserne Vorhang gefallen war, zog es Tausende junger Glücksritter in die osteuropäischen Metropolen, darunter auch den damals 22-jährigen Ex-US-Kinderschauspieler Arthur Phillips. Sein Roman "Prag" beschreibt den Versuch, als Trittbrettfahrer auf das postkommunistische Chaos aufzuspringen und im Zug Richtung Demokratie den großen Spaß mit dem großen Geld zu verknüpfen (was den einheimischen Ungarn, Tschechen et al nur selten gelang). Erst gegen Ende gelangt Phillips' auf Osteuropa versessener Boy nach Prag, in jene Stadt also, die zur Metapher des westlichen Traums von der Vitalität urbaner Armut geworden ist. Davor gebärden sich er und seine US-Friends in Budapest wie Kolonialherren, die selbstverständlich davon ausgehen, dass der Schrottplatz Ungarn mitsamt seiner Erbmasse aus der k. u. k. Zeit ihnen gehört. Der einzige Grund, die Geschichte der fünf auf Ostkapital geeichten Vampire nicht bald aus der Hand zu legen, ist der Umstand, dass sich aus "Prag" viel über das offensichtlich zu Recht als Arroganz ausgelegte Selbstverständnis der USA herauslesen lässt.Auch der Berliner Friedrich Kröhnke folgte damals den Verlockungen eines im Saft der Anarchie kochenden Prag: Das in Sittlichkeit versunkene Westeuropa habe ihn, den bekennenden Liebhaber von Knaben im verbotenen Alter, krank gemacht. Mit einer an Thomas Mann gemahnenden Hypochondrie flaniert der Erzähler durch eine Stadt, die ihn nicht gesund machen will. "Ciao Vaschek" ist Kröhnkes Beerdigung eines Ideals, das am Rand der Post-68er entstand und heute zu Recht als das Gegenteil von zeitgemäß gilt: die sexuelle Beziehung zwischen Mann und Jugendlichem. Kröhnkes Ich sucht die revolutionäre Atmosphäre der Siebzigerjahre und erkennt, dass er, wie einst Gustav Aschenbach, sterben wird, wenn er nicht schnell auf seinen Traum verzichtet.

Martin Droschke in FALTER 44/2003 vom 31.10.2003 (S. 69)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Prag (Arthur Phillips)

Bitte warten...

Sie haben folgendes Produkt in den Warenkorb gelegt:

{{var product.name}}


weiter einkaufen
zum Warenkorb