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Verlag: Haffmans
Erscheinungsdatum: 01.01.2000

Rezension aus FALTER 42/2000

Der Regisseur und Ex-Filmkritiker Peter Bogdanovich hat mit 16 großen Filmemachern Hollywoods gesprochen - und leider oft die falschen Fragen gestellt.
Sie sollten es kaufen: "Wer hat denn den gedreht?" ist ein schönes, spannendes, inspirierendes Buch. Es versammelt Gespräche mit 16 prominenten Regisseuren Hollywoods, die Peter Bogdanovich zu seiner Zeit als Filmkritiker begann und - auch nachdem er Ende der Sechzigerjahre mit "Targets" und "The Last Picture Show" selbst ins Regiefach wechselte - so weit als möglich weitergeführt hat. Ja, in gewissem Sinne dauert dieser "produktive Diskurs" - obwohl mit Ausnahme von Chuck Jones und Sidney Lumet alle seine Interviewpartner von damals inzwischen tot sind - bis heute fort. Allan Dwan, Raoul Walsh, Fritz Lang, Josef von Sternberg, Howard Hawks, Leo McCarey, George Cukor, Alfred Hitchcock, Edgar G. Ulmer, Otto Preminger, Joseph H. Lewis, Don Siegel, Frank Tashlin, Robert Aldrich - sie alle haben ihren unverrückbaren Stammplatz im Pantheon des Autors, der seinem Buch als Motto eine Bemerkung von Hawks vorangestellt hat: "Mir gefallen alle, bei denen man merkt, wer den Film eigentlich gedreht hat ..."
Es sind Produktionsgeschichten, der persönliche Umgang des jeweiligen Filmemachers mit Studios, Stoffen, Schauspielern, die im Mittelpunkt nicht nur der einzelnen Gespräche, sondern von Bogdanovichs filmischen Denken ingesamt stehen. Doch was Qualität und Umfang betrifft, könnten die Interviews unterschiedlicher kaum sein: Das Interview mit Filmpionier Allan Dwan beispielsweise erschien 1970 als eigenes Buch, jenes mit Sternberg hingegen hat schon an seinen zweieinhalb Seiten schwer zu tragen. Umgekehrt wieder kommt etwa den paar O-Tönen von Frank Tashlin deutlich mehr historischer Wert zu als dreißig Seiten über George Cukor.
Egal. Bogdanovichs großes Verdienst ist, sie alle überhaupt befragt zu haben - eine seinerzeit recht ausschließlich von französischen Cinephilen gepflegte Methode des historisch-kritischen Arbeitens über Film. Gleichzeitig möchte man ihn für das, was er sie alles nicht gefragt hat, am liebsten herwatschen. Insbesondere die Ausblendung jeglichen politischen Kontexts macht sich mitunter äußerst unangenehm bemerkbar, nur ein blinder Punkt unter vielen: Leo McCarey, ein Reaktionär, vom Autor liebevoll "der verrückte Ire" genannt, dessen Kommunistenfresserfilm "My Son John" (1952) in exakt demselben Plauderton abgehandelt wird wie seine, zugegeben grandiosen, Screwball-Comedies aus den Dreißigern. (Dass Bogdanovich auch in der eigens für "Who the Devil Made It?" - so der Originaltitel des 1997 bei Alfred A. Knopf erschienenen Buchs - geschriebenen Einleitung zu dem Interview kein Wort über dieses zentrale Machwerk der McCarthy-Ära verliert, mag Kenner seiner rezenten Texte kaum überraschen: schon gar nicht die Leser seiner Kolumne "Movie of the Week" im New York Observer, die anstelle eines wachen Interesses an Filmgeschichte nur mehr von Nostalgie zeugt.)
Wie gesagt, Sie sollten es kaufen. Auch wenn "Wer hat denn den gedreht?" sowohl vor (verzeihlichen) typographischen - statt Hanns Hans Eisler, "Deadly As" statt "is the Female", "The Angry Hill" statt "Hills", "Tropaz" statt "Topaz" - als auch (schwer wiegenden) inhaltlichen Fehlern strotzt, die in den letzten dreißig Jahren bereits eine Vielzahl von Nachdrucken und Übersetzungen überlebt haben und sich hier einmal mehr gegen ein nicht vorhandenes Sachlektorat durchsetzen; Edgar G. Ulmer etwa, der "King of the B's", war ein begnadeter Flunkerer vor dem Herrn, aber das hat nur wenig damit zu tun, dass "Her Sister's Secret" zweifellos nicht der erste (sondern ungefähr 35.) amerikanische Film des Kameramanns Franz Planer war. oder es sich bei G. Kahn keinesfalls um einen Namen handelt, den "wir uns ausgedacht haben", wie der Regisseur behauptet, sondern um Gordon Kahn, einen seinerzeit weithin bekannten Drehbuchautor, der 1948 noch schnell sein Meisterwerk "Ruthless" schrieb, aber danach als Kommunist in Hollywood nie wieder Arbeit fand. (So oder ähnlich ließen sich, allein schon mit Mängeln im Vorwort des allerwertesten Hellmuth Karasek, etliche Seiten füllen.)
Wie immer man diese Filmgeschichte liest, herzhaft lachen kann man dabei jedenfalls oft. Als kleine Kostprobe sei hier der Schluss des Gesprächs mit Frank Tashlin, dem Mentor und Regisseur von Jerry Lewis, zitiert: "Ich werde ziemlich missmutig, wenn etwas schiefläuft, also gehe ich am Wochenende nach Hause und male. Ich male sehr gern - spielt keine Rolle, ob es gut oder schlecht ist. Wenn jemand zu mir sagt: ,Dieses Gelb da gefällt mir nicht', kann ich einfach sagen: ,Leck mich.'"

Michael Omasta in FALTER 42/2000 vom 20.10.2000 (S. 27)


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