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Verlag: Haffmans
Erscheinungsdatum: 01.01.2001

Rezension aus FALTER 26/2001

Fuck the fucking fuckers!" Diese eingängige Verwünschung pflegte Flann O'Brien vor sich hin zu murmeln, wenn er am späten Nachmittag planvoll angesoffen nach Hause torkelte. Insgesamt dürfte das Leben des komischesten aller irischen Schriftsteller ja alles andere lustig gewesen sein, zumal für Ehefrau Evelyn und andere nähere Bekannte. Wir Leser indes haben angesichts seiner famosen Romane und der kongenialen Übersetzungen von Harry Rowohlt leicht lachen. Und auch die Kolumnen, die O'Brien unter dem Pseudonym Myles na gCopaleen (also: Myles von den Pferdchen) 26 Jahre lang für die Irish Times verfasste, sind fürwahr nicht traurig zu nennen. Nach dem wundervollen Brevier "Trost und Rat" (dt. 1985), in dem das Beste von Besten der Myles'schen Kolumnistik enthalten ist, liegt nun mit "Golden Hours" ein weitere Sammlung dieser wahnwitzigen Kurztexte vor, die ursprünglich unter dem Titel "Cruiskeen Lawn" ("Gefüllter Krug") erschienen sind und freilich ständig überschäumen vor Wortspielen und Sprachwitz. Dass der mitunter etwas enigmatisch daherkommt, mag man den Texten nachsehen; dass sie als "Roman in Kolumnen" verkauft werden, hätte wahrscheinlich auch Flann O'Brien als dreist empfunden.Ein zumindest illegitimer Nachfahre des kinderlos gebliebenen Flann O'Brien ist sein 1955 geborener Landsmann Patrick McCabe, der dem alten Meister an Irland-Besessenheit um nichts und in Sachen Wort- und Wahnwitz so gut wie gar nichts nachsteht. Romane wie "Der Schlächterbursche" haben ihm sogar Nominierungen für den Booker-Prize eingetragen. Sein neuer Erzählband heißt "Phildy Hackballs Universum", und das ist in etwa deckungsgleich mit der fiktiven irischen Gemeinde Barntrosna, in der sich tragikomische Geschichten zutragen, wie man sie nur auf der grünen Insel schreiben kann.

So wie die von Noreen Tiernan, die schön ist wie ein angehendes Fotomodell, die aber doch Krankenschwester werden will und deshalb ein entsprechendes geistliches Internat in London besucht, wo sie - buchstäblich - in die Fänge ihrer Zimmerkollegin Stephanie "Sticky" Diggs gerät, einer sadistischen Lesbierin , die aus der naiven Schönheit vom Land nicht nur eine treu ergebene Gespielin, sondern ein abgerissenes Luder mit Vorliebe für schwarzen Lederfummel macht. Gemeinsam betätigen sie sich als Straßenräuberinnen, ehe ein Suchtrupp aus Barntrosna in London eintrifft, um Noreen heim nach Irland zu holen. Das alles und noch viel mehr wird stilistisch brillant erzählt, ist manchmal tragisch, vor allem aber: sehr lustig!

Klaus Taschwer in FALTER 26/2001 vom 29.06.2001 (S. 60)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Phildy Hackballs Universum (Patrick McCabe, Hans-Christian Oeser)

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