Waechter

von F.K. Waechter

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Verlag: Diogenes
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Comic, Cartoon, Humor, Satire
Umfang: 368 Seiten
Erscheinungsdatum: 25.10.2002

»Ich versuche das, was einem passiert, was einen aufregt, in Form zu gießen, Persönliches gegen diese blöden, uninteressanten Trends der Zeit zu setzen.« Friedrich Karl Waechter, geboren 1937 in Danzig, heute Polen, arbeitete zunächst als Graphiker, dann für verschiedene satirische Zeitschriften und Zeitungen. 1970 schaffte er den Durchbruch mit seinem berühmten ›Anti-Struwwelpeter‹. Für ›Der rote Wolf‹ erhielt er 1999 den Deutschen Jugendliteraturpreis. F. K. Waechter starb 2005 in Frankfurt am Main.

Rezension aus FALTER 44/2002

Mit Büchern wie "Wahrscheinlich guckt wieder kein Schwein" hat der Zeichner und Schriftsteller F.K. Waechter das Welt- und Witzverständnis von Generationen beeinflusst. Nun wird er 65.

Am 3. November 1937 wurde Friedrich Karl Waechter in Danzig geboren. Das ist erstaunlich lange her. Für diejenigen, denen die Bilder und Texte Waechters längst zum unumstößlichen Kanon geworden sind, spielt das biologische Alter allerdings keine so große Rolle. Manfred Deix beginnt seine Würdigung Waechters, die er an den Falter faxt, mit einer sanften Korrektur des vorgeblichen Jubeldatums:

"Da wird urplötzlich einer 65, obwohl er in Wahrheit erst dreißig ist. Einer mit Witz, Humor, zeichnerischen und textlichen Qualitäten, wie es sie seit Wilhelm Busch nicht mehr gegeben hat, und der wie kein anderer die Humorszene des deutschsprachigen Raums mit seinem unglaublichen Talent verändert und bereichert hat. Er gehört seit vielen Jahren zu den circa zehn Menschen weltweit, vor deren Qualität ich flach liege und mich voller Respekt anwischle."

Lukas Resetarits, der als "kleiner Gymnasiast" zu den frühen Abonnenten der Satirezeitschrift pardon zählte (die Waechter von der ersten, im September 1962 erschienenen Nummer an entscheidend prägte), entringt sich ein emphatisches "Ein Genie!" und ein dankbares "Der Mann hat mir so viel gegeben!" - nicht ohne als Postskriptum hinzuzufügen: "Bauer, dein Huhn hat Fieber!"

Waechterianern, die diesen Erdball zu Hunderttausenden bevölkern, ist damit genug gesagt. Selbiges würde auch für einen Verweis auf den Hirschen (Stichwort: "übergeben"), den Pagen Herbert oder Holger mit den (angeblich) drei Eiern gelten. Seit 1978 F.K. Waechters mit Abstand erfolgreichstes Buch, "Wahrscheinlich guckt wieder kein Schwein", erschien, hat sich ein Zitatenschatz an Versen und Bildern gebildet, der fest in den Hirnen und Herzen der humorbefähigten deutschsprachigen Weltbevölkerung verankert ist.

Anlässlich des Geburtstages hat der Zürcher Diogenes Verlag zu den 39 unter Waechters Namen erschienenen Büchern (hinzu kommen noch ein paar von ihm illustrierte Werke - allerdings nicht besonders viele, denn Waechter bevorzugt es, die Oberherrschaft über Bild und Text zu behalten) noch ein vierzigstes hinzugefügt: Es betitelt sich schlicht "Waechter" und enthält 368 fette Seiten Best of Waechter - ausgewählt und vielfach neu gezeichnet vom Meister himself, der zu den eigenen Hervorbringungen ein unverkrampft pragmatisches Verhältnis unterhält. Auch bislang nicht in Buchform Veröffentlichtes findet sich dort und legt Zeugnis davon ab, wie verschwenderisch ein Mann von Waechters unbändiger Kreativität mit dem eigenen Ruvre umgehen kann. Unter anderem findet sich in "Waechter" ein wichtiger neuer Beitrag zum Thema "Sophia Loren und ich" oder eine singuläre Würdigung der Klappstulle, von deren Poesie sich auch durch die schiere Wiedergabe der Bildunterschrift einiges vermittelt: "Ich schlage die Klappstulle auf und lese die wunderbaren Verse, die Mutter mir in die Mettwurst geritzt hat."

Waechter, der zahlreiche Theaterstücke verfasst und auch in seinem "Spätwerk" (zuletzt erschien in diesem Jahr unter dem Titel "Die Schöpfung" die großformatige Neudichtung und -zeichnung der Weltentstehung) die Grenzen zwischen Kinder- und Erwachsenenliteratur konsequent ignoriert hat, verfügt über einen unnachahmlich leichten, eleganten Strich und hat sich dennoch nie ganz auf einen Stil festlegen lassen. Nur eines bringt er nicht zustande: "Manchmal", so schreibt sein Kollege Hans Traxler im Nachwort zum Best-of-Band, "gibt er sich redlich Mühe, nun aber mal eine richtig schlechte, eine unästhetische, eine hingerotzte Zeichnung zu machen. Aber da versagt er. Irgendwie kriegt er nie ganz die Kurve, nie wird er richtig schlecht."

Die Vorbildwirkung Waechters, der 1970 mit seinem "Anti-Struwwelpeter" einen Klassiker der antiautoritären Bewegung geschrieben hatte, ging eher von der "anarchischen Humorgesinnung" (Traxler) als vom handwerklichen Können aus, das nie aufdringlich virtuos oder "artsy" wirkt. Waechter, der schon 1946 durch seine Darstellung Gottes in Gummistiefeln (beim Überreichen der Gesetzestafeln an Moses) für Heiterkeit sorgt und seine Klassenkollegen mit komischen Männchenzeichnungen beliefert, verlässt ein Jahr vor dem Abitur die Lauenburgische Gelehrtenschule mit zwei "sehr gut" (Zeichnen und Leibesübungen) und besucht die Kunstschule Alsterdamm in Hamburg, wo er als Gebrauchsgrafiker glatte Gründe pinseln und saubere Plakate entwerfen lernt.

Zur Leitfigur für nachfolgende Generationen, die eher "einer Schule des zeichnerischen Infantilismus" (Traxler) anhängen, wird er durch seine Arbeiten für das bereits erwähnte pardon und die 1979 von Waechter mitbegründete Satirezeitschrift Titanic, die er über ein Jahrzehnt mit Titelbildern und anderen Beiträgen beliefert. An Bord der Titanic befindet sich - kurz vor der Kollision mit dem Eisberg - auch jener Mann mit Narrenkappe, mit dem Waechter den Grabspruch des Magisters Martin von Bieberach zu Heilbronn (gestorben 1498) illustriert hat:
"Ich leb und weiß nit, wie lang,
Ich stirb und waiß nit, wann,
Ich far und waiß nit, wohin,
Mich wundert, dass ich froelich bin."

Ob F.K. Waechter fröhlich ist und sich darüber wundert, entzieht sich unserer Kenntnis. Ein langes Leben ist ihm in jedem Falle zu wünschen. Ad multos annos!

Klaus Nüchtern in FALTER 44/2002 vom 01.11.2002 (S. 68)


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