Was machen wir jetzt

von Doris Dörrie

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Verlag: Diogenes
Erscheinungsdatum: 01.01.2000

Rezension aus FALTER 12/2000

Auf der Suche nach dem Glück opfern Männer bei Doris Dörrie ihre Haare und unterwerfen sich buddhistischen Exerzitien.
Was empfinden Männer Mitte 40, die mit sich und ihrem Leben hadern? Fest steht: Sie sind erfolgreich und werden abends schnell müde. Ihre Träume haben sie gegen einen geregelten Alltag eingetauscht, der ihnen Haus, Frau, Kind und auch noch ein Auto beschert hat. Die Generation der Mittvierziger wird als literarisches Sujet ohne Mitleid ironisiert. Michel Houellebecq hat ihnen in "Elementarteilchen" das letzte gute Haar vom Kopf gerupft und ihnen die Hosen runtergezogen, Sten Nadolny hat seinen Protagonisten in "Er oder ich" auf heillose Selbstfindungsreise geschickt.
Nun holt Doris Dörrie, Münchner Filmemacherin ("Männer" 1985) und Autorin zahlreicher Kurzgeschichten, zum Gegenschlag aus und unternimmt in ihrem ersten Roman "Was machen wir jetzt" einen Rettungsversuch ihrer Generation. Fred Kaufmann leitet mit seiner Frau Claudia eine Fast-Food-Kette. Vor Jahren wollte er noch Filmregisseur werden; das Einzige, was von diesem unerfüllten Wunsch geblieben ist, ist eine Befindlichkeit, die eine Figur aus Ödon von Horvaths "Kasimir und Karoline" so in Worte fasst: "Eigentlich bin ich ganz anders, nur komme ich so selten dazu." Dörrie schildert akribisch Freds Alltag, als ob sich zwischen Müsliriegel und Blasenpflaster, Nikotinsucht und dem Handy, das immer im falschen Moment läutet, ein Geheimnis auftun könnte. Immerhin erfahren wir, dass Fred sich am wohlsten fühlt, wenn er Auto fährt.
Eine dieser Ausfahrten soll sein Leben verändern: "Ich bin auf der Flucht vor meiner beginnenden Glatze, dem unvermeidlichen Niedergang meines Körpers, auf der Flucht vor dem Ende der Liebe zu meiner Frau, dem Ende meiner Ehe." Am Rücksitz schläft seine 17-jährige Tochter Franka. Fred und Franka besuchen auf Claudias Drängen hin ein buddhistisches Kloster, um zu verhindern, dass Franka mit einem tibetischen Mönch nach Indien abhaut. Und Fred? Dem könnte ein bisschen Meditation und Selbstfindung auch nicht schaden, meint seine Frau.
Ist das Buch bis zu diesem Zeitpunkt eine amüsante Schilderung deutscher Wohlstandsrituale, driftet die Geschichte im Zen-Kloster ins Esoterische und spult abgegriffene Klischees ab: Glück ist "wie Brausepulver" lautet die banale Botschaft, und es "prickelt", sobald einer innehält und den Augenblick genießt. Fred bemüht sich redlich und lässt sich sogar eine Glatze scheren. Und das Glück? Dem ist das ganze Trara peinlich und es verzieht sich.

Petra Rathmanner in FALTER 12/2000 vom 24.03.2000 (S. 18)


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