Die Erbschaft

von Connie Palmen, Hanni Ehlers

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Verlag: Diogenes
Erscheinungsdatum: 01.01.2001

Rezension aus FALTER 12/2001

Radikalität ist die Unfähigkeit, Veränderungen zu verkraften, Begriffen eine größere Komplexität zuzubilligen", ereifert sich die Schriftstellerin Lotte Inden, selbst gerade vor schmerzhaften Veränderungen stehend. Sie leidet an einer unheilbaren Krankheit, die zur vollständigen Lähmung führt. Vor kurzem hat sie deswegen den jungen Max Petzler als Pfleger und Sekretär angestellt, der ihr bei der Sichtung ihres Nachlasses helfen soll, Früchte ihrer Lektüre und ihres Denkens und Rohstoff zu ihrem letzten großen Roman. "Ich habe nicht genug Zeit, sehr anständig und höflich zu dir zu sein", hatte sie ihn gewarnt. "Und wenn du das nicht abkannst, musst du gehen."

"Die Erbschaft", der neue Roman der niederländischen Bestsellerautorin Connie Palmen, handelt von der Faszination des Erzählers Max von dieser eigenwilligen älteren Frau. Wie in "Die Freundschaft" und "Die Gesetze", aber auch dem autobiografischen Buch "I.M." (1999) stehen in "Die Erbschaft" Literatur und Leben, Wort und Wirklichkeit in einer ständigen Interaktion.

Lottes großer Roman bleibt zwar unvollendet, aber Max nimmt Lottes Abschiedsworte "Ich warte im Buch auf dich" ernst und erzählt die Geschichte ihrer Begegnung als "großen Roman". So wie "Die Erbschaft" mit dem Tod einer der Figuren beginnt, hätte auch Lottes Roman eingesetzt. Und er hätte von einem Nachlass handeln sollen, in dem die meisten Bücher mit Dokumenten, Briefen, Romanansätzen vollgestopft sind oder Verweise darauf enthalten, "inwiefern eine bestimmte Passage (...)zu einer neuen Idee angeregt oder einem bereits vorhandenen Gedanken eine neue Wendung gegeben hätte", wie Lotte erklärt hatte.

Eine derartige Erbschaft wolle sie eigentlich niemandem zumuten, hatte Lotte noch hinzugefügt. Um kurz darauf zu relativieren: "Warum sollte man sich sonst die Mühe machen, über irgendetwas nachzudenken, wenn nicht, um das Leben angenehmer zu machen?"

Was ein bisschen kompliziert klingt, liest sich überaus spannend. Denn so radikal und überzeugend wie Connie Palmen vermag heute kaum ein Autor an die Macht der Worte und Gedanken glauben zu machen. Die Verbindung von Tiefsinn und Leichtigkeit, wie man sie von deutschsprachigen Autoren gerne einzufordern pflegt - hier existiert sie in Reinkultur.

Kirstin Breitenfellner in FALTER 12/2001 vom 23.03.2001 (S. 8)


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