Rachsucht

von René Appel, Mirjam Pressler

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Nagel & Kimche
Erscheinungsdatum: 01.01.2001

Rezension aus FALTER 12/2001

Rene Appels "Rachsucht" überzeugt durch realistische Milieuschilderungen.

Unangenehm. Frau verpfeift Mann wegen Mordes an die Polizei. Aus Mangel an Beweisen kommt er wieder frei. Sein einziger Gedanke: Rache. Er verfolgt sie, ihn verfolgen schlecht gelaunte Drogenhändler. Showdown nach 316 spannenden Seiten. Soweit der Plot des Thrillers "Rachsucht" von Rene Appel.

Rückblende. Da ist zu Beginn die neunzehnjährige Manon. Sie lebt in Amsterdam und arbeitet im Fleischerladen ihrer Eltern. Fleißige Eltern. Anständig. So beiläufig beschrieben, wie Manon sie wohl auch wahrnimmt. Eine enge Welt, vollgestellt mit Schulterstücken, Leberwürsten und Hackfleisch. Wenig Platz für die Sehnsüchte einer jungen Frau. Da lernt sie Roy kennen, und alles wird anders. Auch Roy ist fleißig. Trinken, rauchen, kiffen, Autos knacken, dealen und irgendwann ist irgendeiner tot und alles außer Kontrolle.

"Rachsucht" ist ein temporeicher Thriller, der jedoch nie die Bodenhaftung verliert und zudem durch die Genauigkeit besticht, mit der er diverse Milieus wiedergibt, die auch in gelungenen Dialogen ihren authentischen Niederschlag finden. Die pulsierende Weltmetropole Amsterdam wird aus der Perspektive junger Menschen geschildert, fernab touristischer Coffee-Shop- und Wildpisser-Idyllen. Amsterdamer Randbezirke und Schrottplätze, zwielichtige Kneipen und kleinbürgerliche Hoffnungen junger Menschen am Rande der Delinquenz stehen im Vordergrund.

Rene Appel, der an der Amsterdamer Universität als Sprachwissenschaftler arbeitet, beherrscht sein Metier. Er hat sich auf spannungsreiche Romane über Jugendliche spezialisiert und weiß über deren Lebensgefühl Bescheid. Weit davon entfernt, in Klischeewelten herumzudümpeln, wie wir sie aus den Filmen von Kevin Williamson ("Scream", "I Know What You Did Last Summer") kennen, sind seine Romane immer an den realen Ängsten und Problemen junger Menschen interessiert. Keine Schlitzmesserfantasien, sondern Job, Beziehung und die Suche nach einem Platz im Leben stehen im Vordergrund seiner Geschichten. Vor kurzem ist auch sein Roman "Tod am Leuchtturm" bei Nagel&Kimche in deutscher Übersetzung erschienen. Zwei gute Gelegenheiten, einen Kriminalschriftsteller der ersten Liga kennen zu lernen.

Franz Gutsch in FALTER 12/2001 vom 23.03.2001 (S. 8)


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