Sara tanzt

von Erwin Koch

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Verlag: Nagel & Kimche
Erscheinungsdatum: 01.01.2003

Rezension aus FALTER 38/2003

Angenommen, eines der Selbsthilfe- und Lebensberatungsbücher würde tatsächlich funktionieren. "Dann hätten wir echte Schwierigkeiten", wie eine Lektorin eingangs zu Beginn des Romans "Glück" meint. Von diesen Schwierigkeiten handelt nun der überaus bissige und satirische Roman über die Verlagsbranche, für den der Kanadier Will Ferguson mehrfach ausgezeichnet wurde. Die Hauptfigur, ein Lektor namens Edwin Vincent de Valu, bringt ein Ratgeberbuch heraus, das sich sektenartig in ganz Amerika verbreitet: "Dieses Buch ist genau das, was es vorgibt zu sein: ein Allheilmittel." Und der Kapitalismus steht Kopf: Die Büros veröden, weil die Angestellten lieber meditierend in der Wüste sitzen, die Tabak- und Alkoholindustrie liegt darnieder, und auch die Kosmetikfirmen krachen: Wer braucht schon Make-Up, wenn jeder sich so liebt, wie er ist? Das Buch wird zur Bewegung, der Guru zum "Stalin des New Age", der alsbald eine Diktatur der Glückseligen anführt. Bis die Welt schließlich in einem finalen Coup von der Tyrannei des ewigen Glücks befreit wird.In einer imaginären Diktatur ist auch der beklemmende Debütroman von Erwin Koch angesiedelt. "Sara tanzt" erzählt die Geschichte von Sara Broffe, die sich gegen die Militärjunta engagiert. Als sie verhaftet und verhört wird, flüchtet sie sich in erfundene Konspirationen, um ihre Freunde vor Verfolgung zu bewahren; um ihre Angst zu lindern, summt Sara die ganze Zeit irgendwelche Melodien. So werden die Verhöre im Lauf der Monate zu leeren Ritualen, zu einer peinlichen Farce, bei der sich Sara und ihre Peiniger aneinander gewöhnen. Einer von ihnen, der Cellist Frits, verliebt sich sogar in sie, verhilft ihr zur Flucht und wird sie später heiraten. Die Handlung beruht auf einer wahren Begebenheit, und auch stilistisch erinnert das einfühlsame Buch des Schweizer Journalisten und Kisch-Preisträgers an die knappe Prosa von Erich Hackl.

Petra Rathmanner in FALTER 38/2003 vom 19.09.2003 (S. 64)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Glück (Will Ferguson, Marlies Ruß)

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