Die Loyalitätsfalle

Warum wir dem Ruf der Horde widerstehen müssen
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Kurzbeschreibung des Verlags:


Ein leidenschaftliches Plädoyer für die befreiende Kraft des Widerspruchs

Loyalität genießt einen guten Ruf. Zu Unrecht, findet Rainer Hank. Denn sie steht der Freiheit entgegen, und nicht nur das: Sie blockiert Veränderung, sie fördert Betrug (etwa in der Firma) und sie führt dazu, dass wir an ungesunden Bindungen festhalten (etwa zum eigenen Milieu). Loyalität ist typisch für ein Stammesdenken, das sich aggressiv nach außen verhält, nach innen Gehorsam fordert und Abweichler als Verräter brandmarkt. An vielen Beispielen aus Wirtschaft, Gesellschaft und Politik zeigt Rainer Hank, warum Loyalität zur Falle wird und wie wir uns daraus befreien können – um wieder unseren eigenen Kopf zu gebrauchen.

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FALTER-Rezension

Alles für die Familie? Wenn Loyalität keine Tugend ist

Auch Millionen Menschen können irren. Das haben die totalitären Experimente des 20. Jahrhunderts eindrücklich bewiesen. Trotzdem zweifelt der Einzelne eher an seinem Verstand, als zu denken, dass eine erdrückende Mehrheit im Unrecht sein könnte. Um nicht als Verräter gebrandmarkt zu werden, schließt er sich in der Regel der herrschenden Meinung an.

Loyalität gehört für Rainer Hank zu einer menschlichen Urausstattung, die vor Sittlichkeit, Moral und Recht liegt. Zumeist positiv konnotiert, verliert sie allerdings, so Hank, ihre Unschuld, sobald man sich ihr nähert. Seine Zweifel an der Loyalität begründet der Wirtschaftsjournalist in seinem klug durchdachten und gut komponierten Buch „Die Loyalitätsfalle. Warum wir dem Ruf der Horde widerstehen müssen“.

Denn im Namen von Loyalität werden auch – von sogenannten „Netzwerken“ bis zur Mafia – Verbrechen begangen. Loyalität steht für Hank im Gegensatz zur Freiheit, sie ist nicht nur keine liberale, sondern auch keine linke Eigenschaft, denn sie gilt immer nur den wenigen, während die Solidarität universalen Anspruch hat.

In Krisenzeiten, wie auch in der aktuellen Corona-Pandemie sichtbar, steigt der Druck zur Übereinstimmung. Da Hank mit der Arbeit am Buch bereits 2018 begonnen hatte, streift es die aktuelle Krise, in der eine Einhelligkeit gerne mit dem Begriff der Solidarität eingefordert wird, nur am Rande. In seinem Zentrum steht die Krise der Demokratie im Allgemeinen und der Aufstieg populistischer Führer und Bewegungen. Die verschiedenen Institutionen, an denen Loyalität als sozialer Klebstoff fungiert, dekliniert Hank in den Kapiteln „Die Familie“, „Die Firma“ und „Die Partei“ durch. Das Gesetz der Familie „Du sollst uns nicht übertreffen“ wird dabei mitverantwortlich für die Schwierigkeit des sozialen Aufstiegs gemacht. Anhand von zahlreichen Beispielen aus Literatur und Geschichte macht Hank klar, was jenen blüht, die das Gesetz der Loyalität brechen. Illoyalität ist gefährlich und wird mit Ächtung und Exklusion bestraft, dem Gegenpart zum fraglosen Dazugehören.

„Schikanieren, isolieren, exkludieren“ lautet das Rezept, nach dem sogenannte Verräter bestraft werden. Die Karriere geht dabei zumeist flöten. Opportunismus kommt da viel günstiger. Mund halten, dableiben, aussitzen. Das zeigte auch und gerade die Zeit des Nationalsozialismus.

Hank nimmt aber auch die neuen Bürgerbewegungen unter die Loyalitäts-Lupe. Denn Extinction Rebellion, Fridays for Future, Pegida oder Querdenker haben gemeinsam, dass sie illoyal, also als Quasi-Dissidenten auftreten, aber mit einem Unbedingtheitsanspruch, der mit einem Protestkollektiv durchgesetzt werden soll, teilweise mit Gewalt. Die neuen Formen der Identitätspolitik hingegen konstruieren immer kleinere Einheiten von Binnenloyalitäten – das Gegenteil von Solidarität.

Der demokratische Staat tritt eigentlich weniger autoritär auf als eine Familie oder Firma: Er verlangt keine totale Loyalität. In einer repräsentativen Demokratie allerdings stehen den wenigen Mächtigen die vielen Ohnmächtigen gegenüber, ein Dilemma, das sich populistische Führer wie Viktor Orbán oder Wladimir Putin zunutze machen.

Den Gegenpart zum Zwang der Loyalität könne aber kein Kollektiv, sondern nur der Einzelne einnehmen, meint Hank. Im letzten Teil gibt er deswegen Tipps, wie man den Fallen der Loyalität entkommen kann, und singt ein Loblied auf den Zweifel, der uns erst zum souveränen Menschen macht, auf die heilsame Wirkung konkurrierender demokratischer Institutionen und auf eine diverse Zusammensetzung von Gruppen und Gremien, die eine Herdenbildung und somit Extremismus bremst.

Kirstin Breitenfellner in Falter 28/2021 vom 16.07.2021 (S. 21)

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Produktdetails
Mehr Informationen
ISBN 9783328601401
Erscheinungsdatum 22.02.2021
Umfang 208 Seiten
Genre Sachbücher/Politik, Gesellschaft, Wirtschaft
Format Hardcover
Verlag Penguin
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