Was vom Manne übrig blieb
Krise und Zukunft des starken Geschlechts

von Walter Hollstein

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: Aufbau
Erscheinungsdatum: 01.04.2008

Rezension aus FALTER 45/2008

Die Rolle ist die Summe der gesellschaftlichen Erwartungen, sagt die Sozialpsychologie. Nichts hat sich im gesellschaftlichen Wandel so sehr verändert wie die Rolle des Mannes, meint Männerforscher Walter Hollstein. Was andere in den letzten zwei Jahrzehnten zum Thema zu sagen hatten, wird hier neu aufgerollt. "Was vom Manne übrigblieb" handelt aber nicht bloß von der Vergangenheit des vormals starken Geschlechts. In den 80er-Jahren zählte Hollstein zu den Ersten, die nach den Frauenforscherinnen auf die Idee kamen, dem anderen Geschlecht empirische Studien zu widmen.
Diese Arbeit überlässt der Autor diesmal anderen. Er sammelt und führt zusammen, was zusammenhängt: etwa die schlechteren Karten, die Burschen im gegenwärtigen Schulsystem haben, mit der Überzahl männlicher Arbeitsloser; oder die Vorstellung, dass ein echter Mann keine Gefühle zeigt und es alleine schafft, mit dem Umstand, dass ein Mann eine Beratungsstelle erst durchschnittlich sechseinhalb Jahre nach dem einsamen Scheitern aufsucht.
Vorbei ist sie noch lange nicht, die "Krise des starken Geschlechts", und der Autor weiß auch um deren Gründe: "Wenn sich ein Geschlecht plötzlich massiv bewegt und verändert, das andere aber stehen bleibt, muss es logischerweise zu Problemen und Verwerfungen kommen." Hollstein zumindest bewegt sich vorwärts – und sieht einen Silberstreif am Horizont der heute noch geknickten Unterdrücker von gestern. Den Schlüssel zum Glück für beide Geschlechter liege nicht in neuen Rollenzuschreibungen, sondern in der Introspektion – einer "inneren Revolution". Bei der Auflistung von Zielvorstellungen eines solchen Umbruchs schrammt Hollstein allerdings hart an der Ratgeberliteratur entlang.
Die Krise, deren empirische Belege und seine subjektive Sicht der Chancen schildert Hollstein mit sprachlichem Schwung und journalistisch geschultem Stil. Langweilig wird es dank flotter Themenwechsel nie. Wer sich zu den Kennern aktueller Männerliteratur zählt, sollte das Werk nur erwerben, wenn er andere auf den Geschmack bringen will. Für Einsteiger ins Männerthema ist dieser aktuelle Überblick aber ideal geeignet.

Andreas Kremla in FALTER 45/2008 vom 07.11.2008 (S. 21)


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