Der unwiderstehliche Garten
Eine Beziehungsgeschichte

von Barbara Frischmuth

€ 24,90
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Illustrationen: Melanie Gebker
Verlag: Aufbau Verlag
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Umfang: 240 Seiten
Erscheinungsdatum: 13.02.2015


Rezension aus FALTER 11/2015

Bummvolle Beete. Oder: Der Garten ist keine Idylle

Lebenskunst: Barbara Frischmuth zelebriert in einem Tagebuch bereits zum vierten Mal ihre Gartenmenschwerdung

Grüne Gegenwelt und Rückzugsort vor den Zumutungen der Welt: So haben Schriftsteller und Philosophen den Garten immer wieder gedeutet. Der mittelalterliche Hortus conclusus hinter hohen Klostermauern, dem die moderne Gartengestaltung so viel verdankt, legt den Gedanken nahe. Er ist oft reproduziert worden, sicher auch, weil das Arbeiten im Garten auf den gärtnernden Menschen stark beruhigende Wirkung entfalten kann.

Barbara Frischmuth ist Gärtnerin und Schriftstellerin. Seit 25 Jahren pflegt sie ihren Garten im steirischen Salzkammergut und hat ihm in dieser Zeit drei literarische Gartenbücher gewidmet. Nun erscheint mit "Der unwiderstehliche Garten" das vierte in dieser Reihe, in der die Schriftstellerin ihre "Gartenmenschwerdung" dokumentiert.
Diesen famosen Begriff hat Frischmuth schon vor Jahren geprägt und ist seither immer wieder damit zitiert worden. Denn das Wort beschreibt sehr genau den Prozess, den jeder durchläuft, der sich tief und ernsthaft auf die Beziehung mit einem Garten einlässt.
Wie Frischmuth selbst. Sie kommt zu einer ganz anderen Conclusio als der vom Garten als Gegenwelt: Gärten, schreibt sie, sind "nicht so sehr Fluchtpunkte, an denen wir sicher vor den Unbilden der Welt und dem mörderischen Treiben jenseits der Hecke, des Zauns oder der Mauer sind, sondern eher Lehrstätten, in denen wir die Welt, die noch immer den Gesetzen der Natur gehorcht, besser erkennen lernen".
Denn der Garten, so Frischmuth, ist keine reine Idylle. In ihm herrscht wie überall sonst "die Vielfalt der Lebewesen, die ununterbrochen mit- und gegeneinander agieren". Kämpfe um Ressourcen werden ausgetragen, und jeder, ob Pflanze oder Tier, folgt seinen Interessen. Gerade in diesem Garten-Getümmel könne der menschliche "Fürsorgemuskel" besonders gut trainiert werden, argumentiert Frischmuth.
Der Menschheit stünde es grundsätzlich nicht schlecht an, sich weniger als Krone der Schöpfung, sondern als "ein Geschlecht von Sich-Kümmernden" zu sehen. So ließe sich eine von Frischmuth nacherzählte Parabel über die antike Göttin Cura deuten, die den Menschen aus Lehm schuf und unter deren Einfluss der Mensch steht, solange er lebt.
Cura bedeutet Fürsorge, Pflege, Sich-Kümmern, und das liegt uns nach dieser Schöpfungsgeschichte im Blut. Im Garten kann man dem mit besonderer Hingabe und Intensität und Lust nachgehen. Dabei habe man es mit "andauernder gegenseitiger Einflussnahme" und dem Gefühl zu tun, "dem Leben durch diese oder jene Pflanze, selbst durch den Amselmann oder die Ameisen (…) ziemlich nahe gekommen zu sein".
Umsichtige Gartenmenschen lernen mit der Zeit, auf die Vorschläge zu achten, die der Garten von sich aus macht. Aber Frischmuth hält sich oft nicht daran. Hier genau liegt das ansteckend Ermutigende ihrer neuen Geschichten: dass Frischmuth sich so entspannt selbst dabei beobachtet, wie sie sich vom Garten und ihrer Neugier auf neue Pflanzen stets wieder verführen lässt. Denn eigentlich will sie sich gärtnerisch verkleinern, weil das beginnende Alter seinen Tribut fordert.

Frischmuth beschreibt, wie sie Beete auflässt. Das geschieht unsentimental und mit etwa ebenso viel Bedauern wie Erleichterung, aber manchmal schleichen sich gerade durch die Umgestaltung neue Optionen für Bepflanzungen durch die Hintertür wieder ein. Schön ist es zu lesen, wie jemand so angenehm unaufgeregt Frieden mit seiner gärtnerischen Wiederholungstäterschaft geschlossen hat, denn natürlich steht Frischmuth trotz anders lautender Vorsätze immer wieder mit viel zu vielen eingekauften Pflanzen vor bummvollen Beeten. Sie verzeiht sich selbst leichten Herzens.
Mindestens so schön wie Frischmuths Geschichten aus ihrem Gartenleben sind ihre Reflexionen über die von ihr gelesenen Gartenbücher – und vor allem über die vielen neuen Erkenntnisse, die die Wissenschaft in den letzten Jahrzehnten über Pflanzen gewonnen hat. Weiß man, wie sie kommunizieren, wahrnehmen und interagieren, werden sie gleich noch mehr zu einem echten Gegenüber. Erst recht für Barbara Frischmuth.

Julia Kospach in FALTER 11/2015 vom 13.03.2015 (S. 45)


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