Du pinkelst ja im Sitzen!
Ein Männerbriefroman

von Peter Roos

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Verlag: Reclam
Erscheinungsdatum: 01.01.2001

Rezension aus FALTER 47/2001

Autoren sind Kosmopoliten, pinkeln im Sitzen und verfügen über eine komplizierte Identität. Peter Roos etwa wohnt am hessischen Ufer des Main. Aber leben, das tut er in Wien. In Marktheidenfeld hat er Fans. Und in Wien hat er seine Ruhe, denn dort interessiert sich niemand für seinen neuen Roman, der sich schon auf den ersten Blick als überregional belanglose Frankonia entpuppt: "Die Theater-Arbeit in Würzburg damals war ein entscheidender Faktor unserer kulturellen Sozialisation." Roos flachst in seinem Männerbriefroman endlos mit einem nach New York übersiedelten Schulfreund Flori über Banalitäten, donnert diesem "Du pinkelst ja im Sitzen!" entgegen, zerkaut bei pseudoflapsigen Erinnerungen an die Peinlichkeiten der Pubertät intime Details der Würzburger 68er und gesteht schlussendlich, dass er es nicht geschafft hat, sich der Last seines typisch fränkisch-hessischen Vaters zu entledigen. Welchen "Wiener" das interessiert? Vielleicht Achim Wagner, weil der einst in Würzburg studiert hat. Achim Wagner hingegen stammt aus Franken, schreibt trotzdem nicht über Würzburg, sondern über Havanna. Lebt in Wien, obwohl Köln sein einziger Wohnsitz ist. Wien als Wahlheimat bekam Wagner von seinem Verlag in die Biografie gedichtet - da wollte wohl jemand signalisieren, dass er einen wie ihn gerne hier wohnen hätte! Um einem der diabolischen Mythen der Globalisierung nachzuspüren, reiste der Kölner vor zwei Jahren nach Havanna: Droht Kuba nach nun über vier roten Jahrzehnten wieder zu dem zu werden, was es vor dem Sturz des Diktators Batista gewesen war - das sprichwörtliche "Bordell der Amerikaner"? Ja, behauptet Wagner in "Kubanische Tage", einer sehr persönlichen, als Roman definierten Reisereportage, und gibt dem Protagonisten denn auch Castros Kampfrede "Die Geschichte wird mich frei sprechen" mit auf den Heimweg

Martin Droschke in FALTER 47/2001 vom 23.11.2001 (S. 72)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Kubanische Tage (Achim Wagner)

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