Luftfische
Roman

von Anke Velmeke

€ 18,00
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Verlag: C.H.Beck
Format: Hardcover
Genre: Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
Umfang: 156 Seiten
Erscheinungsdatum: 17.02.2000

"Damit lockte er sie, mit Lakritz, sie, die eigentlich keine Süßigkeiten mochte, aber Lakritz, schwarz, sie konnte nicht einfach schwarz sagen, mußte es immer zweimal sagen, schwarz, schwarrrz! Keine Farbe. Sie wand sich, schlängelte sich, wenn er unschuldig die Fäuste vor sich hielt, als wisse er nicht, was sie umschlossen, sie dann öffnete, und die Schnecken aufblitzten, Lakritzschnecken, doppelte Doppelschnecken, über denen die rauhen Finger sich schlossen." Lene - so heißt die zentrale Figur dieses durch und durch ungewöhnlichen Romans über eine ganz gewöhnliche Familie -, Lene ist dreizehn und kein Kind mehr. Mit ihrem Vater spricht sie nicht. Sie entzieht sich seinem Zugriff, erhält immer mehr Macht und gewinnt letztendlich eine einflußreiche Position in der Familie, aus der sie ihn, ohne es zu wollen und ohne sich dessen bewußt zu sein, ganz verdrängt. Im Mittelpunkt des Romans steht die Beziehung zwischen Vater und Tochter; davon ausgehend erzählt Anke Velmeke auf unsentimentale und ironische, fast spielerische Weise von den Konstellationen innerhalb der Familie, wobei die Autorin auf jegliche Art psychologischer Reflexion verzichtet hat. Entstanden ist daraus ein Puzzle, das der Leser mit größtem Vergnügen zusammensetzen wird. Ein ungewöhnliches Debut - mit einem Kleinstadtroman, dessen Tonfall den Leser auf jeder Seite von neuem überrascht.

Rezension aus FALTER 28/2000

Es war einmal die Pubertät. Ein mühsamer Lebensabschnitt im Allgemeinen, ein Dauermurks vom zaghaften Sprießen der Gesichtsbehaarung bis zum erstem Kuss. Vielleicht nur die männliche Sicht der Dinge? Mara jedenfalls, 13 Jahre alt, marschiert souverän und unbeeindruckt durch diese Zeit: "Es gibt keinen Grund, sich zu schämen." Und so zieht sie mit ihrer buckligen Freundin Lori durch Discos, sammelt erste sexuelle Erfahrungen und erwählt dann aus der Schar ihrer Verehrer ausgerechnet Helmi, das unsichere, blasse Pickelgesicht. Mara macht mit Helmi, was sie will, sie quält ihn physisch und psychisch; doch am Ende des Buches ist auf einmal sie die Geschlagene. Die 38-jährige Holländerin Manon Uphoff hat mit "Schlafkind" einen stimmigen Debütroman vorgelegt, ein kluges, klar gezeichnetes Familienporträt, eine unsentimentale und trotzdem ergreifende Geschichte über die Unausweichlichkeit der Liebe.Auch Anke Velmeke, in etwa gleichen Alters wie ihre niederländische Schriftstellerkollegin, stellt in ihrem ersten Roman "Luftfische" ein Mädchen in den Mittelpunkt, das langsam dem Familienverband entwächst: "Lene war dreizehn, kein Kind, auch wenn dreizehn kein Alter ist." Ihr Vater, "der Mann", "der Dachdecker", herrscht über die Familie wie ein riesenhafter, brutaler Dämon. Die Mutter, mehr Schattenbild als reales Wesen, verlässt das Haus fast gar nicht mehr, liegt bis Mittag im Bett, trinkt Rotwein und raucht sich schlussendlich zu Tode; die beiden Brüder werden von ihrem Vater regelmäßig verprügelt. Nur Lene, "die Einzige, die sich je gewehrt hat", wird vom Vater respektiert. Kontrastierend zu diesem deprimierenden Inhalt erzählt Velmeke wunderbar leicht, traumverloren und "taschentuchsanft", angenehmerweise mehr dem atmosphärischen als dem faktischen Erinnern verpflichtet. Danke, Anke.

Stefan Ender in FALTER 28/2000 vom 14.07.2000 (S. 57)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Schlafkind (Manon Uphoff, Thomas Hauth)

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