Caspar David Friedrich
Naturwirklichkeit und Kunstwahrheit

von Werner Hofmann

€ 78,20
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Verlag: C.H.Beck
Format: Hardcover
Genre: Sachbücher/Kunst, Literatur/Biographien, Autobiographien
Umfang: 298 Seiten
Erscheinungsdatum: 24.10.2000

Um die Deutung der Werke Caspar David Friedrichs konkurrieren drei Modelle: die religiöse, die politische und die frühromantisch-naturmystische Variante. Dagegen unternimmt es diese Darstellung zu zeigen, daß sie alle gleichermaßen einseitig sind. Sie besticht durch eine detaillierte Analyse des künstlerischen Werkprozesses. Dabei legt sie ein höchst wirksames Ordnungsprinzip offen - begründet in Friedrichs ästhetisch fundierter Religionsauffassung. Werner Busch erschließt so einen neuen Zugang zum Werk eines der bedeutendsten und zugleich rätselhaftesten deutschen Maler.Über Caspar David Friedrich ist viel geschrieben worden. Und seine sehr eindringlichen, in ihrer Bedeutung aber schwer greifbaren Werke verleiten dazu, ihnen wahlweise einen absoluten oder gänzlich relativen Sinn beizumessen: sie entweder eindeutig religiös bzw. politisch auszudeuten oder ihre Sinnoffenheit diskursiv zu umkreisen. All diese Herangehensweisen versäumen eines: Sie vergessen zu fragen, wie und vor allem mit welchen Mitteln der Künstler im einzelnen Werk Sinn stiftet, wann sich das Werk der Festlegung entzieht und vor allem - mit welchen Gründen. So versucht dieses Buch etwas sehr Altmodisches: Die genaue Naturaneignung der Studien Caspar David Friedrichs zu verstehen und sein ästhetisches Verfahren, das jedem Bild ein abstraktes Ordnungsgerüst gibt, zu begreifen. Anders gesagt: einerseits den Werkprozeß nachzuvollziehen und andererseits diesen Prozeß zu historisieren. Seine Rechtfertigung findet ein solches Verfahren in C. D. Friedrichs von Schleiermacher geprägter Religionsauffassung - und in der Evidenz der Bilder. Werner Busch gibt damit dem Werk Caspar David Friedrichs seinen geschichtlichen und ästhetischen Ort zurück.

Rezension aus FALTER 12/2001

Simon Schama hat ein Buch über Rembrandt geschrieben und Werner Hofmann eines über Caspar David Friedrich.Ein Vergleich macht Sie sicher.

Der Künstlerroman, dieses zwischen literarischer Biografie und kennerhafter Werkschau angesiedelte Genre, ist ebenso aus der Mode gekommen wie die große Leben-und-Werk-Schwarte. Was da bevorzugt tragischen Figuren übergroßen Formats gewidmet war, bediente vor allem bildungsbürgerliche Unterhaltungsansprüche. Simon Schamas Buch "Rembrandts Augen", das auf über siebenhundert Seiten ein bild- und wortreiches Panorama von Rembrandts Lebens- und Arbeitszeit entwickelt, erinnert auf den ersten Blick an diese Art von Künstlerromanen. Es kommt aber auch mit einem wissenschaftlichen Apparat und akkuraten Bildunterschriften daher, und es verarbeitet Ergebnisse der jüngeren Rembrandt-Forschung - schließlich ist sein Autor Historiker und Kunsthistoriker an der Columbia University in New York.

Allerdings trägt Schama aus der methodisch längst überholten Position des Kenners vor, die schon im Titel anklingt ("Rembrandts Augen", weil im Zentrum steht, auf welche Weise Rembrandt Augen gemalt hat). Das dem Text vorangestellte, ärgerliche Valery-Zitat ("Wir sollten uns dafür entschuldigen, dass wir es wagen, über Malerei zu reden") wirkt umso koketter, als der Text bis zum Platzen mit detailreichen Beschreibungen von allerlei pittoreskem Drumherum aufgefüllt wird, von den Gewürzzutaten der zeitgenössischen Kuchen bis zu den gepflegten Schnauzbärten der Patrizier. Wer über die Patrick-Süskind-Sprachbilder hinwegsehen kann, wird hier informiert und unterhalten - in klassischer Bildungswälzer-Tradition.Während Schama die historische Entfernung zu seinem Sujet aufheben will, schreibt Hofmann aus dem Bewusstsein der Notwendigkeit von historischer Distanz: "Der Maler im Kontext des Zeitgeistes" heißt das erste Kapitel - in bewusstem Kontrast zum zweiten: "Der Maler in seiner Zeit". Diese Unterscheidung erweist sich als unverzichtbar für die Untersuchung des Werks von Caspar David Friedrich, der wie kaum ein anderer seine Bildgegenstände ikonisiert und in eine Sphäre des Metaphorischen und Zeitlosen überhöht hat (und deshalb auch so gut kommerzialisiert und trivialisiert werden konnte).

Gerade diese Sakralisierung, die die Identifikation für heutige Betrachter allzu einfach macht, enthält aber einen Protest, ein Erneuerungspotenzial, das außerhalb des historischen Kontexts nicht so leicht verstanden und nur im Bewusstsein der geschichtlichen Distanz erklärt werden kann. Mit dem Reflektieren dieser Thematik hat Werner Hofmann zwischen den Zeilen eines hervorragenden Kunstbandes zugleich einen Text über ein grundlegendes Problem kunsthistorischen Arbeitens geschrieben.

Inge Podbrecky in FALTER 12/2001 vom 23.03.2001 (S. 21)

Weiters in dieser Rezension besprochen:

Rembrandts Augen (Simon Schama, Bettina Blumenberg)

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