Das Ultimatum

von Irene Ruttmanns

Derzeit nicht lieferbar

Verlag: C.H. Beck
Erscheinungsdatum: 01.01.2001

Rezension aus FALTER 12/2001

Die junge Frau, die in Irene Ruttmanns Roman "Das Ultimatum" ganz allein die eisige Leere des Potsdamer Platzes überquert, hat ein gefährliches Buch in der Tasche. In West-Berlin hat sie Hannah Arendts "Elemente und Ursprünge totalitärer Herrschaft" erstanden. Sie weiß, dass sie von der Uni verwiesen werden kann, ja dass sogar Gefängnis droht, wenn sie damit erwischt wird. Es ist der Winter 1960, die Zeit des Berlin-Ultimatums in der Epoche einer hysterisch gewordenen Politik. Da sieht die junge Frau in einiger Entfernung einen Volkspolizisten. Ihr zittern die Knie. Wenn er ihre Tasche kontrolliert, ist sie verloren. In dieser Lage geht sie direkt auf ihn zu und fragt ihn nach dem Weg zum Haus der deutsch-sowjetischen Freundschaft. "Da wären Sie besser Thälmannplatz ausgestiegen", sagt der Vopo und weist ihr den Weg.

Jenny, die Heldin in diesem autobiografischen Roman, ist noch einmal davongekommen. Doch der Gedanke an den Grenzübertritt lässt sie nicht los. Es ist, als sei ihr und ihrem Freund Robert bewusst, dass bald die Mauer gebaut werden wird und dass sie bis dahin ihre Entscheidung getroffen haben müssen. Als sie an einem Sonntag mit der U-Bahn zur Krummen Lanke im Westen der Stadt fahren, sind sie eher enttäuscht. Der See ist viel kleiner und weniger romantisch als der Müggelsee im Osten. Man muss schon Orangen auf dem Rand des gemieteten Bootes platzieren und sie, auf dem Rücken liegend, gegen das Blau des Himmels betrachten, um ein gewisses West-Gefühl entstehen zu lassen. Aus solchen Momenten entsteht in "Das Ultimatum" das intensive Porträt einer Zeit, in der jeder Atemzug eine Entscheidung forderte und hinter der Grundsatzfrage "Bist du für oder gegen uns?" jede Unbeschwertheit verloren ging.

Jörg Magenau in FALTER 12/2001 vom 23.03.2001 (S. 9)


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